Bietigheim-Bissingen Feuerwehr wehrt sich gegen Vorwürfe

In der Neujahrsnacht brannte ein Dachstuhl in der Etzelstraße in Bietigheim-Bissingen.
In der Neujahrsnacht brannte ein Dachstuhl in der Etzelstraße in Bietigheim-Bissingen. © Foto: 7aktuell
Bietigheim-Bissingen / Rena Weiss 04.01.2019

Es war 1.30 Uhr in der Neujahrsnacht, da wurde die Freiwillige Feuerwehr Bietigheim-Bissingen zu einem Brand von mehreren Mülltonnen in der Etzelstraße gerufen (die BZ berichtete). Vier Fahrzeuge mit 22 Mann löschen den Brand – so scheint es zumindest. Doch nur zwei Stunden nach Abrücken der Einsatzkräfte brennt es erneut. Dieses Mal steht der ganze Dachstuhl in Flammen. Es entsteht ein Schaden von circa 300 000 Euro. Keiner der 17 Anwohner wurde verletzt, jedoch verlor eine Familie ihr Zuhause. Nun wurden anonyme Vorwürfe gegen die Feuerwehr erhoben, sie habe fahrlässig gehandelt. Die BZ hat mit Bietigheim-Bissingens Feuerwehrkommandant Frank Wallesch gesprochen. Er selbst war beim ersten Einsatz nicht dabei, jedoch beim zweiten. Allerdings habe er ausführliche Gespräche mit seinen Führungs- und Einsatzkräften geführt und sich den Ablauf schildern lassen. „Wir haben den Einsatz intern hinterfragt“, findet er deutliche Worte, „aber uns ist kein fahrlässiges Verhalten vorzuwerfen.“

Bereits beim ersten Einsatz waren nicht nur die Müllcontainer, die direkt am Haus standen, betroffen, berichtet er. Die Flammen hatten sich auf die Wandverkleidung und teilweise den Dachvorsprung ausgebreitet. Schon da hatte die Bietigheimer Wehr den Brand zu einem sogenannten Löschzugalarm hochgestuft. Mithilfe einer Drehleiter und sogenanntem Netzmittel wurde das Feuer scheinbar gelöscht. Mit dem Netzmittel dringe das Löschwasser auch in Hohlräume ein. Im weiteren Verlauf öffnete die Feuerwehr einen Teil der Dach- und Randverkleidungen, um nach möglichen versteckten Brandherden zu sehen.

Auch Wärmebildkameras am Mann und einer großen von außen wurden eingesetzt. „Seit rund 15 Jahren sind diese im Einsatz“, sagt der Kommandant, „wir sind den Umgang damit gewöhnt.“ Jochen Feyerabend, stellvertretender Kreisbrandmeister, betont die Genauigkeit der heutigen Kameras. Er war wie Wallesch beim zweiten Einsatz vor Ort. Die erste Messung der Wärmebildkameras ergab eine Temperatur von 18 Grad. Die Einsatzkräfte warteten 30 Minuten lang und maßen erneut: Dieses Mal zeigte es nur noch 8 Grad an. „Das entsprach in etwas der Umgebungstemperatur“, sagt Wallesch. Bedenklich werde es bei 40 bis 60 Grad.

Mit dem Wohnungsbesitzer ging die Feuerwehr dann durch die Wohnungen und entfernte Löschwasser, das teilweise eingedrungen war. Gegen 3.45 Uhr beendete die Feuerwehr damit ihren Einsatz und übergaben das Gebäude dem Wohnungsbesitzer. Stellvertretender Kreisbrandmeister erklärt, dass mit der Übergabe auch die Besitzer und Bewohner mit in der Verantwortung sind, Auffälligkeiten zu melden. Alle 17 Bewohner konnten zudem zurück in die insgesamt drei Gebäudeteile.

„Man konnte nicht davon ausgehen, dass da noch was wäre“, sagt Feyerabend, der sich den ersten Einsatz ebenfalls schildern ließ. Er ergänzt: „Keine Wehr wäre mit der Brandwache vor Ort geblieben, denn alle Fakten sprachen dafür, dass es aus war.“

Stroh zur Dämmung

Gegen 6.18 Uhr wurde jedoch am selben Ort der Vollbrand des Dachstuhls gemeldet. Ob es sich um eine neue Brandursache oder einen Schwelbrand handelte, sei noch nicht geklärt. Der erste gemeldete Brand entstand vermutlich aufgrund entsorgter Feuerwerkskörper. Einen Schwelbrand, so Wallesch, „kann man nie ganz ausschließen.“ Das bestätigen auch Jochen Feyerabend und Kreisbrandmeister Andy Dorroch. Wallesch erklärt jedoch, warum der Brand sich hier so schnell entwickeln konnte: Das Gebäude wurde 1948 gebaut. „Damals wurde noch Stroh verwendet und das haben wir auch gesehen.“ Zudem handelt es sich um eine Holzdachkonstruktion. Lebhafter Wind sorgte für den Rest.

Während der Großteil der Bewohner auch nach dem zweiten Einsatz wieder zurück in ihre Wohnungen konnten, war ein Gebäudeteil besonders betroffen. Hier befanden sich neben Büros eine Wohnung einer Familie, die nun obdachlos ist. Noch während des zweiten Einsatzes benachrichtigte die Wehr die Stadtverwaltung, um eine Notunterkunft zu organisieren. Die Familie kam jedoch bei Freunden unter.

Die Feuerwehr bedaure, dass die Familie ihr Zuhause verloren hat. „Das Allerwichtigste ist, dass keiner zu Schaden kommt“, ergänzt er noch. Zwei seiner Feuerwehrleute hatten nicht so viel Glück. Sie mussten mit einer Rauchvergiftung ins Krankenhaus. Doch findet Frank Wallesch klare Worte zu den anonymen Anschuldigungen, die Feuerwehr habe fahrlässig gehandelt: „Wenn wir schuld hätten, würde ich das sagen.“ Doch seine Einsatzkräfte haben mit großen Engagement und Können agiert. Allerdings sagt er auch: „Wir hinterfragen uns selbst sehr kritisch. In diesem Fall haben wir alles gemacht, was notwendig und richtig ist.“ Auch Feyerabend ist sich sicher: „Der Feuerwehr Bietigheim-Bissingen kann man keinen Vorwurf machen.“

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