Bietigheim-Bissingen / Rena Weiss  Uhr

Wegen der Gefahr von Felsabstürzen musste die Gaststätte Paulaner am Viadukt samt Biergarten kurzfristig geschlossen werden. Die Stadt hat dem Betreiber eine Nutzungsuntersagung zugestellt, teilt die Stadtverwaltung am Donnerstagabend mit. Leider kann, heißt es in der Mitteilung, aufgrund akuter Gefahr auch die Ausflugswoche während der Osterferien nicht offen gehalten werden.

In den Sozialen Medien sorgte die Schließung so knapp vor den Osterfeiertagen nicht nur bei Pächter Tim Heilig für Unmut. Es folgten Diskussionen darüber, ob die Stadt dies nicht absichtlich mache. Selbst Pressesprecherin Anette Hochmuth reagierte bei Facebook auf die Anschuldigungen. Sie betont die Gefahr. Unterhalb der Wobach-Felswand steht ein Gastank zum Betrieb des Gebäudes. „Will jemand wirklich warten bis da ein großes Stück vom Fels drauffällt?“, fragt Hochmuth online. Heilig indes sagt gegenüber der BZ, dass dieser Gastank bereits seit mehr als 40 Jahren dort stehe. „Dieser ist genehmigt und wird von der Firma Lotter einmal im Jahr geprüft, und durch einen TÜV-Prüfer abgenommen.“ Zudem erklärt er, sei die Stadt Eigentümer des Gastanks und diese habe vergangenes Jahr den Tank mit einer Holzüberdachung gesichert. Die Stadt jedoch erklärt in ihrem Schreiben, dass der Betreiber dies angebracht habe. Und nun sei, so die Stadt, diese Überdachung jedoch nicht stabil genug, um bei Felsabstürzen den Gastank zu sichern.

Heilig hält die Vorgehensweise der Stadt, so kurz vor den Feiertagen, für berechnend. „Jetzt über die Feiertage habe ich keine Chance, rechtliche Schritte einzuleiten“, sagt er. Doch stillsitzen und Däumchen drehen, wolle er dennoch nicht. Deswegen hat Tim Heilig am Samstag eine Online-Petition für den Erhalt des Paulaner Biergartens gestartet. Am Montagabend haben bereits 434 Personen unterschrieben. „Wir wünschen uns, dass Sie in der Funktion als Oberbürgermeister und als Hausbesitzer sich dafür einsetzen/starkmachen, dass der seit 20 Jahren traditionelle Paulaner Biergarten am Viadukt erhalten bleibt“, schreibt Heilig in der Petitionsbeschreibung.

Gutachten Tage alt

Ein Gutachten zur Stabilität der Wobach-Felswand, welches vor Kurzem erstellt wurde, hat ergeben, dass an der Muschelkalk-Wand „Fels-Überhänge und Fels-Ausbrüche“ zu erkennen sind und dass sich teilweise „loses Steinmaterial lösen und in die Tiefe stürzen“ kann. Da sich „Masse und Zeitpunkt eines solchen Abbruchs nicht vorherbestimmen lassen“ und das Risiko von spontanen Abbrüchen nach Ansicht der Gutachter „ständig gegeben“ ist, könnten Besucher der Gaststätte oder des Biergartens in Gesundheits- oder Lebensgefahr geraten können, wenn ein Felsabbruch zum Beispiel den Gastank beschädigen würde. Dieses Gutachten, so Heilig, sei zum Zeitpunkt der Schließung bereits acht Tage alt. „Bei echtem Interesse“, so Heilig, hätte sie längst Abhilfe leisten können,  „und nicht einfach am Gründonnerstagnachmittag den kompletten Gastronomiebetrieb mit Hilfe der Polizei schließen.“

Der Betrieb wird vorläufig geschlossen, um prüfen zu können, welche Maßnahmen zur Sicherung der Felswand möglich sind oder um Einrichtungen aus dem Gefahrenbereich zu bringen. Die Stadtverwaltung war bereits mit Experten vor Ort, um die Sicherung zu besprechen. Die Felswand ist jedoch mit Pflanzen überwuchert und Siedlungsraum für viele Tiere. Daher muss die Naturschutzbehörde des Landratsamts eingeschaltet werden.

Sicherung durch Netze

Eine Sicherung könne durch die Verankerung von Netzen an den gefährlichsten Stellen erfolgen. Dazu müssen aber auf jeden Fall Rodungsarbeiten erfolgen. Die Arbeiten können nur von oben getätigt werden und erst dann, wenn der Gastank hinter dem Gebäude aus dem Gefahrenbereich entfernt ist.

Eine Sicherung der kompletten Felswand würde nach ersten Schätzungen zirka 250.000 Euro kosten und einige Monate Zeit in Anspruch nehmen. Teilbereiche, die besonders gefährlich sind, sollen allerdings kurzfristig bereits bearbeitet werden, teilt die Stadtverwaltung mit.