Bietigheim-Bissingen / Christiane Rebhan  Uhr

Wenn die Nagellackfarbe, die man jahrelang verwendete, aus dem Programm genommen wird, neigt so manche Kundin im Drogeriemarkt zu Panikattacken. In abgeschwächter Form, aber ebenso besorgt, trat am Mittwochnachmittag Winfried Kretschmann an Christof Bär heran: „Aber mein Modell bleibt doch im Programm?“, fragte der baden-württembergische Ministerpräsident einen der beiden Geschäftsführer des Bietigheim-Bissinger Schuhherstellers.

Kretschmann war zu Besuch in der Pleidelsheimer Straße und besichtigte dabei das Lager, die Produktions- und Verkaufsräume im Gewerbegebiet Büttenwiesen. Nach Angaben von Bär ist Kretschmann seit 18 Jahren Kunde der Firma, der Grünen-Politiker trägt Größe 48. „Viele Jahre habe ich mit dieser Schuhgröße nur Modelle bekommen, die nicht passten“, sagte Kretschmann. Gegenüber modischen Lackschuhen, auf die der Ministerpräsident bei Staatsempfängen zurückgreift, seien seine Bär-Schuhe eine „wahre Wohltat für die Füße“.

Die Dankbarkeit in der Begrüßungsansprache nahm man Winfried Kretschmann deshalb ab: „Ich bin Ihnen persönlich zu Dank verpflichtet. Endlich passt alles und ist bequem.“ Dann bestellte der 69-Jährige Grüße an die Eltern der Brüder Bär.

Neben der Herstellung neuer Modelle werden bei der Firma Bär etwa 11.500 Schuhe pro Jahr repariert. Zum Beispiel können Kunden ihre Modelle neu besohlen lassen. Auch der Ministerpräsident macht davon Gebrauch: „Ich lass meine Schuhe immer reparieren, dann halten sie nochmal so lange.“ Der Grüne lobte dieses „ökologische Angebot in Mitten einer Wegwerfgesellschaft“. Gefertigt werden die Bär-Schuhe in Produktionsstätten in Indien. In der Zentrale in Bietigheim-Bissingen, in den Niederlassungen und Produktionsstätten arbeiten gesamt fast 400 Menschen. In Bietigheim-Bissingen sind etwa 80 Mitarbeiter beschäftigt, jedes Exemplar, das aus Indien hereinkommt, wird auf Fehler geprüft.

In einem anderen Gebäude der Firma Bär legte Kretschmann dann selbst Hand an und klebte eine Sohle auf den Schuhschaft. Als er den fertigen Schuh betrachtete, fiel auf: Es war das Modell „Der Feine“, dass er gerade selbst trug – in der passenden Größe. „Kein Zufall“, sagte Christof Bär, „wir haben seine Größe und seinen Lieblingsschuh gespeichert.“ Für ihren treuen Kunden arbeiten die Bär-Geschwister schon an einem neuen Modell, damit der Ministerpräsident auch bei staatstragenden Anlässen keine tauben Zehen mehr bekommt.