Baden-Württemberg rangiert auf Platz 1 der Länder mit dem sichersten Schulweg“, sagte Burkhard Metzger bei der Eröffnung der neuen stationären Jugendverkehrsschule am Bietigheimer Dreschschuppen am Montag. Zu dieser Platzierung habe die Radausbildung der Polizei beigetragen, ist sich der Polizeipräsident des Präsidiums Ludwigsburg sicher. Im Landkreis Ludwigsburg ist dieser Übungsplatz mit Vaihingen und Ludwigsburg der dritte. Künftig wird er von 14 Klassen der Hillerschule mit Außenstelle Metterzimmern, der Schillerschule, der Schule im Sand und der Waldschule sowie von sechs Klassen der drei Schulen aus Besigheim genutzt.

Übungsplatz für 30 000 Euro

„Ich bin sehr stolz, dass diese Einrichtung nun in unserer Stadt angelegt werden konnte“, sagte Oberbürgermeister Jürgen Kessing, „so etwas hatten wir noch nicht.“ Es ist ein Gemeinschaftsprojekt der Stadt Bietigheim-Bissingen, der Kreisverkehrswacht Ludwigsburg und des Polizeipräsidiums Ludwigsburg. Die Kosten von insgesamt 30 000 Euro trägt die Stadt, erhielt aber einen Zuschuss von 10 000 Euro vom Landratsamt. Dafür wurde der Platz am Dreschschuppen erweitert und erhielt einen neuen Belag, sowie blaue Wegmarkierungen. Zusätzlich wurden Container gekauft, die gegenüber der Gymnasien stehen. Dort wird das Equipment, wie die 30 Fahrräder, nummerierte Warnwesten, Trockengestell, Fahrradpumpen und Erste-Hilfe-Ausrüstung verstaut.

Die giftgrünen Fahrräder wurden extra für den Verkehrsübungsplatz hergestellt und von der Kreisverkehrswacht finanziert. Kostenpunkt: 9000 Euro. Die einheitliche Optik soll gewährleisten, dass es keinen Neid unter den Schülern gibt. In Bietigheim-Bissingen gibt es sie in zwei verschiedenen Größen, eine Nummer kleiner gibt es noch in einem mobilen Lkw, sagt Jutta Kuhn, Vorsitzende der Kreisverkehrswacht. Die Wartung übernehmen die Polizeibeamten und die Verkehrslehrer Klaus Autenrieth und Thomas Maisel.

Bei den beiden hat eine Klasse der Hillerschule bereits drei Übungen absolviert und am Montag die vierte. „Nächste Woche habt ihr bereits eure Prüfung“, sagt Ute Scholpp, Leiterin des Referats Prävention. Fahrradfahren mache Kinder unabhängig und ermögliche ihnen, aktiv von A nach B zu kommen. „Damit ihr sicher ankommt, dafür sind wir hier.“ Polizeipräsident Metzger erwähnte in seiner Rede auch die Verkehrsstatistik des Kreises. Demnach steigt die Zahl der Verkehrsunfälle mit Fahrrädern. „Das zeigt auch, dass das Fahrrad als Verkehrsmittel an Bedeutung gewinnt“, sagt er. 2018 wurden 362 Menschen bei Fahrradunfällen verletzt – vorwiegend seien dies ältere Pedelec-Nutzer gewesen. Die Zahl der Unfälle bei Jüngeren blieb im Vergleich zu 2017 zum Glück gleich, so Metzger. 2018 haben sich 45 Kinder im Alter von 6 bis 13 Jahren verletzt. „Das führen wir auch auf unsere Ausbildung zurück.“

Doch jeder Unfall sei einer zu viel. Deswegen lernen die Kinder schon im Grundschulalter die Verkehrsregeln und damit auch, wie man Unfälle vermeiden kann – in einem realitätsnahen Umfeld. „Die Übung im sicheren Schonraum, frei von störenden Einflüssen, ist in Anbetracht der Zunahme komplexer Verkehrssituationen bei einer höheren Verkehrsdichte von besonderer Bedeutung“, sagt Scholpp. Dabei helfen auch die Schulen und deren Lehrer mit, denn im Unterricht sollen die Kinder die Theorie lernen, auf dem Verkehrsübungsplatz die Praxis. Die Viertklässler der Hillerschule hatten in ihren drei bisherigen Übungseinheiten bereits Anhalten gelernt, wie man vom Verkehrsrand aus anfährt oder links abbiegen. „Gegenverkehr macht das Leben schwer“, gilt hier als Leitsatz. Zwei Übungseinheiten finden zudem in der Regel im Realverkehr statt.

Info Jedes Jahr werden im Landkreis Ludwigsburg etwa 250 Klassen mit rund 5000 Schülern im Fahrradfahren ausgebildet.