Diamantene Hochzeit Es gab nie einen Stillstand

Das Ehepaar Kühn verbringt weiterhin gern viel Zeit miteinander, auch wenn es aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr unter einem Dach wohnt.
Das Ehepaar Kühn verbringt weiterhin gern viel Zeit miteinander, auch wenn es aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr unter einem Dach wohnt. © Foto: Helmut Pangerl
Bietigheim-Bissingen / Ifigenia Stogios 04.08.2018

„Ein Blick hat schon gereicht, ab dann hat sie mich nicht mehr losgelassen“, sagt Kurt Kühn und erinnert sich an die erste Begegnung mit seiner Frau. Er war 17 Jahre als er die damals 15-jährige Ursula Hügler im nordrhein-westfälischen Krefeld traf. „Ich war Fußballspieler und unser Jugendleiter hat eine Hausparty gemacht. Vier Mädchen waren dazugekommen, eine davon war meine spätere Frau.“

Alles sprach wohl für ihr Zusammenkommen, denn „im Nachhinein fanden wir heraus, dass wir nur 100 Meter auseinander wohnten“. Sechs Jahre war das Paar zusammen bis es zur Hochzeit kam. Als sie noch unverheiratet waren, unternahmen sie eine gemeinsame Zugreise nach Bayern. In der Unterkunft angekommen, durften sie nicht im selben Zimmer übernachten. „Völliger Schwachsinn, aber das war damals so“, sagt Kühn.

Nach ihrer allerersten Wohnung in Krefeld haben sie lange suchen müssen. „Nach dem Krieg waren überall Trümmer.“ Doch dann klappte es doch noch, erzählt der ehemalige Maler. Mit seiner Frau, die in der Buchhaltung einer Spedition tätig war, ist er gern rund um Deutschland gereist. „Wir sind mit dem Wohnwagen gefahren.“

Mit der Vespa unterwegs

Auch wenn die zwei Eheleute, die eine Tochter haben, erst seit 16 Jahren in Bietigheim-Bissingen leben, hatten sie die Stadt schon viel früher ins Herz geschlossen. „Die Verwandtschaft meiner Frau lebte hier und wir haben sie immer wieder besucht.“ In Bietigheim-Buch hatte seine Schwägerin eine Tanzschule. „Da habe ich tanzen gelernt. Wir sind mit der Vespa von Krefeld am Samstag hergefahren und am Sonntag wieder zurück.“ Die Fahrt dauerte lang, doch sie fuhren liebend gern nach Bietigheim-Bissingen. „Manchmal wurde es so spät, dass ich meine Frau direkt ins Geschäft brachte.“ Es habe nie Stillstand in seiner Ehe geherrscht.

Seit einem Jahr wohnt seine Ehefrau, die inzwischen im Rollstuhl sitzt, im Haus Caspar. Kühn besucht sie jeden Tag im Pflegeheim. „Mich kennt dort jeder“, sagt er und schmunzelt. „Ich kriege auch Kaffee und Kuchen mit. Uns fällt es gar nicht auf, dass wir auseinander sind, denn ich bin ständig bei ihr“, betont er. Aber auch als seine Frau in der Kur war, besuchte er sie regelmäßig. Wenn er über sie spricht, stahlt er: „Wir gehören einfach zusammen.“

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