Bietigheim-Bissingen Erster Holzhybrid-Bau der Region

Bietigheim-Bissingen / Rena Weiss 14.11.2018

Seit Jahrtausenden wird Holz zum Bau von Gebäuden verwendet. Doch rückte das Baumaterial durch Beton und Stahl immer weiter in den Hintergrund. Moderne Holzhybrid-Gebäude beweisen jedoch, dass mit Holz immer noch zu rechnen ist. Jetzt wurde das erste Holzhybrid-Wohnhaus in der Region Stuttgart fertiggestellt. Mitte Dezember können die Mieter in die Bahnhofstraße 152/3 in Bietigheim-Bissingen einziehen.

Nicht nur für die Region ist es das erste Holzhybrid-Gebäude, sondern auch für die Landesbaugenossenschaft Württemberg eG (LBG), die das Projekt in Auftrag gegeben hat. Dabei holte sich die LBG Unterstützung durch die Hochschule Biberach sowie die „B&O“ Gruppe, einem technischen Dienstleister der Wohnungswirtschaft. Für rund 3,2 Millionen Euro entstand so auf 1165 Quadratmetern ein 14-Familienhaus in unmittelbarer Nähe des Bietigheimer Bahnhofs.

Hauk unterstützt Bauweise

Agrar- und Forstminister Peter Hauk (CDU) unterstützt mit der Holzbau-Offensive Baden-Württemberg diese Bauart und sieht darin viel Potenzial, dem Klimaschutz gerecht zu werden, aber auch den Wohnungsengpässen. Denn die Holzhybridbauweise eigne sich auch besonders für Aufstockungen und Bestandserweiterungen. Das erklärt auch Thomas Hähle, Geschäftsleiter „B&O“, bei einer Besichtigung des Gebäudes in Bietigheim-Bissingen. Das Unternehmen arbeite derzeit in Stuttgart an Aufstockungen in Holzhybridbauweise.

Einen großen Vorteil dieser Bauweise liege in der Bauzeit: Das Wohnhaus in Bissingen habe etwa zwölf Monate bis zur Fertigstellung gedauert. Denn die tragenden Außenwände sind aus vorgefertigten Holzsystemelementen, die innen und außen gedämmt und verkleidet sind. Sie werden in der jeweiligen Firma produziert und dann zum Bauort transportiert.

Das erkläre jedoch auch, warum es beispielsweise in Deutschland nur wenige Firmen gibt, die solche Häuser herstellen. Die Firmen müssen zunächst viel Geld in eine Robotik-Anlage investieren. Die Wände werden dort teils schon mit Installationen, wie Steckdosen, vorgefertigt und dann verbaut. Durch den hohen Vorfertigungsgrad in den Produktionshallen kann ein schneller, witterungsunabhängiger Ablauf auf der Baustelle gewährleistet werden. Ein Prozess, der immer mehr digitalisiert und automatisiert werde. Gerade diese Automatisierung und Digitalisierung mache dieses Projekt so interessant für die Studenten für Projektmanagement und Bauingenieurwesen der Hochschule Biberach, erklärt Lutz: „Wir untersuchen alle Aspekte, die bei so einem Projekt wichtig sind.“

Tragende Holzwände

Ein weiterer Vorteil der Holzbauweise ist die unabhängig vom Wetter. Das Holz, im Gegensatz zu Beton, muss nicht aushärten. Eine Etage werde so in rund einer Woche fertiggestellt. Allerdings: „Manche Teile kann man nicht aus Holz herstellen“, sagt Gerhard Lutz, Vertretungsprofessor und Diplom-Ingenieur, der die Projektarbeit der beteiligten Studenten begleitet, und erwähnt dabei Fundamente und Tiefgaragen. Auch in Bissingen wurde kein Holz im Fundament sowie in der Tiefgarage mit 20 Plätzen verbaut. Die tragenden Außenwände bestehen im Wesentlichen aus Holz. Die Mitte hingegen besteht aus Stahlbeton, so Lutz.

Neben den baulichen Vorteilen werde auch die gute CO2-Bilanz bei Häusern mit Holzbauweise bei Befürwortern gelobt. „Ein Kubikmeter Holz beinhaltet zirka eine Tonne CO2“, erklärt Gerhard Lutz, somit leiste jedes Gebäude in Holz- oder Holzverbundbauweise einen positiven Beitrag zum Klimaschutz. Es gibt jedoch auch kritische Stimmen gegen diese Bauweise. So müsse beispielsweise Holz auch aus anderen Ländern importiert werden. Auch sei der Aufwand, Holz brand- und schallschützend zu verbauen, höher als bei Mauerwerk oder Beton. In Bissingen sind die Decken ebenfalls aus Beton, um Schallschutz zu gewährleisten.

Das Holzhybrid-Wohnhaus im Detail

Das neue Wohnhaus in der Bahnhofstraße in Bissingen hat fünf Stockwerke, Keller und eine Tiefgarage, die mit dem Nachbargebäude gemeinsam genutzt wird. Es gibt von 1,5- bis 4-Zimmer-Wohnungen von 36 bis 102 Quadratmetern. Pro Quadratmeter zahlen die Mieter hier 9,80 Euro. „Wir verzichten von uns aus auf Rendite. Wir könnten die Wohnungen auch teurer anbieten“, sagt Josef Vogel, Geschäftsführender Vorstand der Landesbaugenossenschaft Württemberg. Die Genossenschaft wolle dadurch gerade für die Mittelschicht Wohnungen schaffen. rwe

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