Bietigheim-Bissingen Engagiert für Asylbewerber

Bietigheim-Bissingen / SUSANNE YVETTE WALTER 03.04.2014
Bei einem offenen Gesprächsabend am Dienstag rund um das Thema "Flüchtlinge bei uns" sprachen Engagierte aus der Region über ihre unterschiedlichen Erfahrungen.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Thomas Reusch-Frey hatte am Dienstag zu einer Gesprächsrunde eingeladen, um die allgemeine Situation von Flüchtlingen im Landkreis zu beleuchten - auch vor dem Hintergrund, dass in Hohenhaslach bald Flüchtlinge untergebracht werden sollen. Vertreter verschiedener Asylgruppen berichteten über ihre Arbeit in Pleidelsheim, Benningen, Sachsenheim und Bietigheim-Bissingen. Mit dabei waren Lore Bernecker-Boley (Ökumenischer Freundeskreis Asyl Bietigheim-Bissingen), Dr. Friedrich Löblein (Arbeitskreis Asyl Pleidelsheim), Franz-Hellmut Schürholz (Arbeitskreis Asyl Sachsenheim) und Heike Schmitt (Arbeitskreis Asyl Benningen). Aus kirchlicher Sicht sprach Axel Rickelt als Diakoniepfarrer im evangelischen Kirchenbezirk in Besigheim.

48 Asylbewerber leben seit Oktober in Wohncontainern zwischen Benningen und Freiberg in der Beihinger Straße, berichtete etwa Heike Schmitt. Nach einer sehr erfolgreichen Sammelaktion für Winterkleider in der katholischen Kirche habe sich der Arbeitskreis Anfang Januar gegründet. Er bietet zweimal die Woche einen Deutschkurs an. "Die Firma Aspen stellt kostenlos einen Minibus zur Verfügung für Einkauftouren mit den Asylbewerbern. Wir betreuen das Einkaufen, weil viele Asylbewerber damit enorme Schwierigkeiten haben. Die haben einfach in die Regale in Augenhöhe gegriffen und unglaublich viel Geld ausgegeben. Man musste ihnen erst mal zeigen, dass unten günstige Angebote zu finden sind", berichtete Schmitt. 14-tägig gibt es einen gemeinsamen Kegelabend im katholischen Gemeindezentrum sowie einen Spieleabend im Haus der Begegnung der evangelischen Kirche. "Sicher gibt es bei uns auch Probleme. Die Polizei war wegen Schwarzfahrens von Asylbewerbern schon ein paar mal da oder wegen nicht eingehaltener Handy-Veträge", berichtete Schmitt. "Manches läuft schief, aber es gibt auch schon eine Menge Positives zu vermelden", sagte sie.

In Hohenhaslach habe sich der Wind gedreht, berichtete Franz-Hellmut Schürholz. Nach zehn Jahren werde die inzwischen in die Jahre gekommene Asylbewerberunterkunft in Großsachsenheim geschlossen. Nach anfänglichem Protest seien die Menschen in Hohenhaslach, wo rund 60 Personen angesiedelt werden sollen, allerdings nicht mehr so voller Aversion wie zu Beginn, als die Nachricht dort einschlug. "Es gab ein Gespräch mit einem Migranten, der seit zehn Jahren in Sachsenheim lebt. Das sensibilisierte für die immer schwere Lebensgeschichte, die diese Menschen mitbringen", sagte er. Viele Probleme bringe das Arbeitsverbot für Asylbewerber mit sich, so Lore Bernecker-Bolay. Sie bat den Landtagsabgeordneten, sich für eine Lockerung einzusetzen.

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