Diesen Seitenhieb auf die Bundes- und Landesregierung konnte sich Rainer Kübler, der Geschäftsführer der Stadtwerke Bietigheim-Bissingen, bei der Vorstellung des Energieberichts im Technischen Ausschuss nicht verkneifen. Während man sich auf diesen Ebenen immer höhere Ziele bei der CO2-Einsparung setze, die am Ende doch nicht erreicht würden, würden in Bietigheim-Bissingen die Stadt und die Stadtwerke seit 20 Jahren kontinuierliche Anstrengungen zur Senkung des Energieverbrauchs und des Kohlenstoffdioxid-Ausstoßes (CO2) unternehmen. Dabei habe man erhebliche Erfolge zu verzeichnen. In den letzten Jahren gab es durch neue kommunale Gebäude allerdings wieder eine Trendumkehr.

Der jüngste Energiebericht, den Kübler den Ausschussmitgliedern präsentierte, umfasst die Jahre 2016 bis 2018. Er bezieht sich neben den städtischen Gebäuden und Anlagen auf die von den Stadtwerken betriebenen Bäder, die Eishallen, die Kläranlage sowie die Straßenbeleuchtung. Laut Kübler wurden in diesem Zeitraum erhebliche Mittel in energetische Sanierungsmaßnahmen investiert. Darunter waren Heizungs-, Dach- und Fenstersanierungen. Ein wichtiger Teil betraf die Schulen. Denn diese sind die größten städtischen Strom- und Wärmeverbraucher.

Positiv wirkte sich laut dem Bericht der Einsatz von LED-Technik in der Straßenbeleuchtung aus. Nachdem bereits mehr als 90 Prozent der Leuchtmittel in der Straßenbeleuchtung durch LED ersetzt wurden, konnte der Energieverbrauch um mehr als 60 Prozent beziehungsweise 1800 Megawattstunden gesenkt werden. Die letzten verbleibenden konventionellen Leuchtmittel sollen in den nächsten Jahren ausgetauscht werden.

Kläranlage versorgt sich selbst

In der Kläranlage wurde die Stromerzeugung aus Klärgas mittlerweile auf rund 2600 Megawattstunden (MWh) gesteigert. Das entspreche 98 Prozent des Eigenverbrauchs, so der Chef der Stadtwerke. Der Anteil soll in den nächsten Jahren auf 100 Prozent gesteigert werden. In der Eisarena konnte der Fernwärmebezug weiterhin unter 1000 Megawattstunden im Jahr gehalten werden. Die durch die Kältetechnik anfallende Abwärme konnte deutlich besser genutzt werden.

Als großen Erfolg wertete Kübler, dass es in den vergangenen 20 Jahren gelungen sei, den CO2-Verbrauch in den städtischen Liegenschaften und Anlagen der Stadtwerke zu halbieren. Die Gründe: Viele große Gebäude seien auf Fernwärme aus den Netzen Kreuzäcker/Innenstadt und Buch umgestellt worden, der Emissionsfaktor dieser Fernwärme sei durch Einsatz von Biogas, Biomethan und Erdgas in Kraft-Wärme-Kopplung schrittweise verbessert worden. Hinzu kommen unter anderem die Eigenerzeugung der Stadtwerke von Strom in Kraft-Wärme-Kopplung und die Energieeinsparung zum Beispiel bei Ampeln und Straßenbeleuchtung.

Allerdings: In den letzten Jahren ist der CO2-Verbrauch wieder gestiegen. Das liegt daran, dass der Wärmeverbrauch zwischen 2015 und 2018 wieder deutlich zugenommen hat (von rund 20 000 auf über 25 000 Megawattstunden). Letzteres geht nach Aussage Küblers vor allem auf das Konto der städtischen Gebäude. Hier seien neue Gebäude hinzugekommen, wodurch mehr Wärme verbraucht wurde – beispielsweise in den Schulen plus 13 Prozent. Aber auch die Zahl der Kindergärten hat sich erhöht, zudem sind Gemeinschaftsunterkünfte für Migranten entstanden.

Dagegen ist der gesamte Stromverbrauch im Betrachtungszeitraum um mehr als 500 Megawattstunden auf 11 718 MWh gesenkt werden. Würde man dabei nur die städtischen Gebäude betrachten, so ergibt sich aber auch hier ein leichter Anstieg. „Dies ist vor allem auf den erhöhten Bedarf an Gemeinschaftsunterkünften, Schulen und Kindertageseinrichtungen zurückzuführen“, so der Bericht.

Beim Stromverbrauch der Verwaltung machte Rainer Kübler darauf aufmerksam, dass dieser zu 48 Prozent vom Arkadengebäude bestimmt werde. Der hohe Verbrauch für Lüftung und Beleuchtung werde derzeit näher untersucht, um Abhilfe zu schaffen. „Da arbeiten wir dran“, erklärte auch Bürgermeister Joachim Kölz auf Nachfrage aus dem Gremium. Stromfresser Nummer zwei ist das Rathaus in Bissingen. Hier werden energetische Sanierungsmaßnahmen geplant, so Kübler.

Weitere Ziele in der Zukunft sind laut dem Stadtwerke-Chef eine automatisierte Verbrauchsdatenerfassung und ein effizientes Energiekonzept für den Neubau eines Hallenbads im Ellental. Die Fernwärmeversorgung in der Innenstadt soll weiter ausgebaut werden. Es soll auch ein Sanierungsmanager eingestellt werden.

Aus Sicht der Stadträte sprach Jürgen Weller (CDU) von „beeindruckenden Zahlen“ im Energiebericht. Albrecht Kurz (GAL) bezeichnete es als wichtige Weichenstellung, dass das neue Bogenviertel klimaneutral werden soll. Werner Kiemle (SPD) sagte, man befinde sich auf einem guten Weg, dieser sei aber noch nicht zu Ende.

Wärmeverbrauch in städtischen Gebäuden  


41 Prozent des Heizenergieverbrauchs entfällt auf Schulen.

10 Prozent wird zur Heizung der Sporthallen verbraucht.

9 Prozent des städtischen Wärmeverbrauchs fällt in den Kindertagesstätten an.

8 Prozent beträgt der Anteil der Verwaltungsgebäude. Sonstiges: 32 Prozent. um