Roncalli Endstation Bietigheimer Bahnhof

Der Verlademeister des Circus Roncalli, Steve Jones lädt alle Zirkuswagen mit seinem historischen Hanomag ab.
Der Verlademeister des Circus Roncalli, Steve Jones lädt alle Zirkuswagen mit seinem historischen Hanomag ab. © Foto: Martin Kalb
Gabriele Szczegulski 13.07.2018

Steve Jones, der Verlademeister des Circus Roncalli, hat an diesem Donnerstag keine gute Laune. Seine Mannschaft, England, hat gegen Kroatien im Halbfinale der Fußball-Weltmeisterschaft verloren. Seine Laune bessert auch nicht die Tatsache, dass zwischen Bietigheim und Ludwigsburg derzeit fast immer Stau auf den Straßen herrscht. „2,5 Stunden brauchen die fünf Sattelschlepper, bis sie vom Bietigheimer Bahnhof  nach Ludwigsburg und zurück gefahren sind, heute werden wir deshalb nicht alle Wagen ins Blühende Barock bekommen, denn zwölfmal muss jeder Lkw hin und her fahren“, sagt der Engländer. Bernhard Paul, Chef und Gründer des Circus Roncalli, lässt die Wagen immer mit der Bahn transportieren, das, so sagt er, sei nicht nur schneller als auf der Straße sondern auch umweltbewusster.

80 der historischen Zirkuswagen, die Paul seit 1976 gesammelt hat, sind Mittwochnacht von Köln-Kalk, dem Winterquartier des Zirkus, nach Bietigheim transportiert worden, auf einem 700 Meter langen Zug mit 80 Loren. 25 Männer und Steve Jones mit einem Hanomag-Traktor aus den 1950er-Jahren transportieren sie an der Laderampe des Bietigheimer Bahnhofes zu den Lkw. Als der Zirkus vor zwei Jahren im Blüba gastierte, kamen die Wagen noch in Kornwestheim an, doch die Rampe des Bahnhofes, so erzählt Steve Jones, ist mittlerweile von Mercedes dauerhaft angemietet. „Und der Ludwigsburger Bahnhof hat keine Rampe“.

Wenn er und sein Team auch nachts entladen könnten, aber: „Inzwischen gibt es bei den Gütergleisen der Bahnhöfe kein Licht mehr“, sagt er. Platz, um die Zirkuswagen zwischenzuparken, gibt es in Bietigheim nicht, das bedeutet: Fünf Wagen abladen, auf die Sattelschlepper stellen und dann warten, bis diese wieder zurück sind. Den Eisenbahn- und Zirkusfans, die seit den Morgenstunden kommen und Fotos machen, ist das gerade recht. „Dann kann ich heute Nachmittag nochmal kommen, wenn das Café abgeladen wird“, sagt einer. Denn das Café des Artistes ist der älteste Wagen, er stammt von 1840 und steht auf einer der letzten Bahnloren. Medienchef Markus Strobl erzählt, dass der Wiener Paul den Wagen zum Café umbauen ließ, um seine Sehnsucht nach Wiener Kaffeehäusern zu stillen. Michele Rossi, der Zeltmeister von Roncalli, wartet derweil schon am Schloss Ludwigsburg, denn er will sofort mit dem Zeltaufbau beginnen, damit alles zur Premiere am 18. Juli fertig ist. Bis 12. August gastiert der Zirkus in Ludwigsburg, dann geht es auf der Schiene nach Innsbruck. Eine Bildergalerie gibt’s online.

www.bietigheimerzeitung.de

Wissenswertes über den Circus Roncalli

80 hölzerne historische Zirkuswagen kamen am Bietigheimer Bahnhof Donnerstag, 12. Juli, an.

700 Meter lang war der Zug mit 50 Bahnloren.

5 Sattelschlepper fahren 12-mal von Bietigheim nach Ludwigsburg und wieder zurück, um die Wagen ins Blühende Barock zu bringen.

8 Kubikmeter Sägespäne liegen bei Roncalli in der Manege.

1499 Menschen fasst das Zelt.

36,8 Meter ist das Zelt im Durchmesser, an seiner höchsten Stelle ist es 16 Meter hoch.

10 000 LED-Glühbirnen machen im Zelt Licht.

172 Anker müssen eingeschlagen werden.

1976 hat Bernhard Paul den Circus Roncalli gegründet und sammelt seither die hölzernen, historischen Wagen, die berühmten Zirkusfamilien wie Krone oder Blumenfeld gehörten. sz

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