Insolvenz Endgültiges Aus für DLW-Standort Bietigheim

Mit DLW verliert Bietigheim ein prägendes Stück Industriegeschichte. Während der Großteil des Areals schon städtebaulich überplant wird, kam am Donnerstag die Nachricht von endgültigen Aus der verbliebenen Produktion.
Mit DLW verliert Bietigheim ein prägendes Stück Industriegeschichte. Während der Großteil des Areals schon städtebaulich überplant wird, kam am Donnerstag die Nachricht von endgültigen Aus der verbliebenen Produktion. © Foto: Werner Kuhnle
Andreas Lukesch 12.01.2018

Die Bombe platzte am Donnerstagabend gegen 18 Uhr: „Wir haben für den Standort Bietigheim-Bissingen alles versucht. Ohne Investor aber ist die Standortschließung nicht zu vermeiden“, ließ der Vorsitzende der Geschäftsführung von DLW-Flooring, Hans-Norbert Topp, in einer Mitteilung verlauten und verkündete damit das endgültige Aus einer die Stadt über viele Jahrzehnte prägenden Industriegeschichte.

Von der Werksschließung sind zunächst 190 Beschäftigte betroffen, die laut Geschäftsführung ab 15. Januar freigestellt werden. Verhandlungen mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan sollen kurzfristig aufgenommen werden. 150 weitere Mitarbeiter werden ihre Verträge noch so lange behalten, bis die Produktion am Standort restlos abgewickelt ist. Wann das der Fall sein wird, konnte Unternehmenssprecher Holger Voskuhl auf BZ-Anfrage nicht sagen.

Insolvenzantrag im Oktober

Ganz überraschend kommt die Nachricht der Werksführung nicht. Bereits im Oktober hatte DLW Flooring Insolvenz in Eigenverwaltung anmelden müssen. Dem Unternehmen war mitten im Sanierungsprozess das Geld ausgegangen. Dennoch verbreitete die Geschäftsführung noch Ende Dezember Zuversicht. Man verhandele weiter mit potenziellen Investoren, hieß es (die BZ berichtete).

Die scheinen für den Zweitstandort Delmenhorst auch erfolgreich zu verlaufen. „Hier kann es nach jetzigem Stand gelingen, den Standort in Delmenhorst sowie alle dortigen 270 Arbeitsplätze zu sichern. Entsprechende verbindliche Angebote liegen vor und werden derzeit mit den potenziellen Investoren verhandelt“, heißt es in der Unternehmensmitteilung. Eine Vertragsunterzeichnung werde noch im Januar erwartet.

Bitter für die Bietigheimer Kollegen: Für das Stammwerk habe kein neuer Interessent gefunden werden können, nachdem ein Investor für den Standort überraschend abgesprungen sei. „Die Gespräche mit dem Interessenten waren bereits weit fortgeschritten“, so Topp.

Der Sanierungs-Geschäftsführer, der erst vor knapp einem Jahr in diese Position berufen worden war, gibt vor allem zwei Gründe für das mangelnde Interesse am Standort Bietigheim an. „Es fehlte knapp 3 Jahre nach der ersten Insolvenz das Grundvertrauen in das Unternehmen. Und: Die erst vor etwa einem Jahr eingeleiteten Sanierungsmaßnahmen zeigten zwar gute Erfolge, wie alle Seiten bestätigten, sie kamen aber zu spät. Die notwendigen Investitionen an diesem Standort waren den Investoren zu riskant.“ Das habe sich in den Gesprächen mit den meisten der mehr als 40 Interessenten gezeigt, die die Zahlen und Daten der DLW Flooring geprüft hätten. Nach BZ-Informationen war der über Jahre vernachlässigte Vertrieb zu einem Knackpunkt geworden. In der wechselvollen DLW-Geschichte habe der Vorbesitzer das Werk Bietigheim allenfalls als verlängerte Werkbank angesehen.

Mehrere Eigentümer

Die damals schon hoch verschuldete DLW AG (Deutsche Linoleum-Werke) war 1998 vom US-Konzern Armstrong World Industries übernommen worden, der jedoch eher unglücklich agierte und 2014 Insolvenz anmelden musste. Bei einem Umsatz von 155 Millionen Euro hatte das Unternehmen Verluste in Höhe von rund 20 Millionen Euro hinnehmen müssen. Damals fand sich noch mit der niederländischen Fields Beteiligungsgruppe ein Investor für Deutschlands einzigen Linoleum-Hersteller.

Fields erwarb die Vermögenswerte der DLW, fasste das operative Geschäft unter DLW Flooring zusammen und übertrug die Grundstücke sowie Patente und Markenrechte an Schwestergesellschaften. Das Kernprodukt Linoleum als rentable Unternehemenssparte wird schon lange nicht mehr in Bietigheim produziert, sondern in Delmenhorst. Am Stammsitz liegt der Fokus auf PVC und Vinyl. Insgesamt beschäftigte DLW Flooring zuletzt 730 Mitarbeiter bei einem Jahresumsatz von 133 Millionen Euro. Die Deutschen Linoleum-Werke blicken auf eine 130-jährige Geschichte zurück. Stammsitz des Unternehmens ist seit 1938 Bietigheim.

An die Beschäftigten gerichtet heißt es abschließend in der Mitteilung von DLW-Chef Topp: „Ich bedanke mich bei der Belegschaft für ihren Einsatz und bin davon überzeugt, dass die Beschäftigten aufgrund ihrer guten Qualifikationen und ihrer hohen Motivation schnell neue Arbeitsplätze finden.“