Schlossfestspiele Emotionen im Jetzt – nicht nur für Demenzkranke

Das Integratives Konzert im Rahmen der Schlossfestspiele war speziell auf Demenzkranke zugeschnitten.
Das Integratives Konzert im Rahmen der Schlossfestspiele war speziell auf Demenzkranke zugeschnitten. © Foto: Martin Kalb
Sandra Bildmann 03.07.2017

Renate Heichel führt ihre Mutter an der Hand durch die Ahnengalerie im Ludwigsburger Schloss. Die beiden Frauen kommen aus dem Schloss­theater. Gerade haben sie das Konzert von Violinistin Liv Migdal und Ensemble mit Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ angehört. „Es war sehr schön“, schwärmt die ältere Dame in unmittelbarer Erinnerung an die Musik. Heichels Mutter ist an Demenz erkrankt. Beide Frauen genießen den Moment.

Speziell an diese Zielgruppe richteten sich die beiden Konzerte am Samstag. Bei diesem integrativen Konzert für Menschen mit Demenz kooperieren die Ludwigsburger Schlossfestspiele mit dem Reha-Zentrum Hess und „RosenResli“. Der Verein will durch Kulturveranstaltungen die Lebensqualität von Menschen mit Demenz fördern.

Mitglieder des Kammerorchesters Berlin und Violinistin Liv Migdal spielten daher in zwei Konzerten am Samstag die „Vier Jahreszeiten“. Der Solistin lag dabei stets ein Lächeln auf den Lippen. Für den Moment zählte nur die Freiheit der Musik. Für Demenzkranke gewinnen Emotionen im Jetzt an Bedeutung. Eine Dreiviertelstunde hörten sie Vivaldis Klänge – die sie womöglich aus ihrer Kindheit kennen – in einem Raum, der ein bisschen aus der Zeit fällt, der mit seinen fast 250 Jahren selbst Geschichten erzählt und der mit seinem musealen Charme so gemacht schien für diesen Anlass.

Die Instrumentenstimmen waren einfach besetzt, sodass nur sieben Musiker auf der Bühne spielten. Es wirkte, als musizierte diese kleine Gruppe bewusst für jeden Einzelnen im Publikum. Besonders Migdals variabler wie empfindsamer Bogenstrich führte dazu, dass sich die verschiedenen Temperamente und Stimmungen in der Musik im eigenen Leben wiederfinden ließen. Auch wenn „Die vier Jahreszeiten“ per Definition nicht als Programmmusik komponiert wurden, machten die Musiker es den Zuhörern leicht, in den Sätzen Analogien zu eigenen Lebensphasen zu entdecken: Da waren die Unbekümmertheit, das Stürmische, der Zweifel, die Sentimentalität, die Zufriedenheit. Und ganz viel pures Glück.