Wind und Wetter sind Nebensache. Was zählt, ist das stimmungsvoll angelegte Weihnachtskonzert der Ellentalgymnasien in der evangelischen Stadtkirche Bietigheim. Am Mittwochabend füllen sich die Kirchenbänke besonders schnell. Die ersten ergattern die begehrten Plätze auf der Empore schon lange vor Konzertbeginn um 19 Uhr. Die Emporen-Zuschauer sichern sich nicht nur den Überblick. Sie erleben auch das Holzblasensemble aus nächster Nähe. Denn: Beim Weihnachtskonzert bespielen die Ellentalschüler wieder einmal die ganze Kirche. Gleich an verschiedenen Schauplätzen wird hier Weihnachten eingeläutet.

An Akteuren fehlt es auch diesmal nicht. Da sind ganz vorne die Fünftklässler aus den Gesangsklassen. Viermal die Woche haben sie Musikunterricht, erzählt die zwölfjährige Letizia. Zwei Stunden davon entdecken die Unterstufenschüler ihre Stimme im Gesamtklang mit anderen. Eine tolle Erfahrung, die gleichzeitig den Stoff für ein erstes großes Weihnachtskonzert liefert. „Das ist heute unser erster Auftritt“, erzählt Letizia aufgeregt.

Das weihnachtliche Flair in der Kirche beruhigt die Gemüter. Bei Konzertbeginn hätte man die berühmte Stecknadel fallen hören können. Schulleiter Lutz Kretschmer hält eine feierliche Ansprache. Er spricht sich darin deutlich für das Besinnliche in der Vorweihnachtszeit aus und weist bewusst auf den Klassenarbeitsdruck hin, der vor allem genau jetzt, fast mehr als sonst im Schuljahr, die Kinder von der Vorfreude auf Weihnachten abhält. In der Ansprache ging es um Stadthalter Quirinius, der zu Jesus-Zeit so viel mit verwalterischem Schriftkram beschäftigt war, dass er dabei selbst fast vor die Hunde ging. „Den Anforderungen von außen sollen wir gerecht werden und dabei merkst Du oft gar nicht, dass Du verloren gehst“, heißt es an einer Stelle. „Die Aufgaben werden nicht verschwinden, aber ihr könnt anders damit umgehen und genügend Zwischenräume einbauen“, macht der Schulleiter am Beispiel von Stadthalter Quirinius aus dem Lukas-Evangelium deutlich.

Himmlische Heerscharen

Zum Glück ist auch an den Ellentalgymnasien Schule mehr als Paukerei und Leistungsdruck. Hier lernen Kinder und Jugendliche am Beispiel Weihnachten, wie schön und wichtig es ist, Traditionen hochzuhalten – alle Jahre wieder. Neben den Gesangsklassen aus Klasse fünf kommen auch die Streicherklassen sechs und sieben zum Zug, das Orchester und und der Mittel- und Oberstufenchor der Klassen sieben bis zwölf. Die himmlischen Heerscharen, sprich das Bläserensemble, macht von der Empore herab den Anfang. Statt Harfe und Zitter erklingen Fagott und Oboe. Weihnachtsmusik ist heute ein weitgefächerter Begriff. Europäisch-Traditionelles begegnet hier schon seit den 1950er-Jahren dem amerikanischen Weihnachtsverständnis. Frank Sinatra lässt grüßen. Entsprechend vielseitig ist das vorweihnachtliche Konzert in der Stadtkirche. Die Wahl der Schulleitung fiel deshalb auf das Bietigheimer Kirchenschiff, weil hier die Akustik natürlich um Klassen besser ist, als etwa in einer Sporthalle, wo allein der Hallenboden die feinen Stimmen schlucken würde.

Hier hört man sie bis in die letzte Bankreihe, die forschen Fünftklässler, die beherzt Gas geben und beim Kanon „Banaha“ kaum zu bremsen sind. Natürlich fördert Singen das Sprachverständnis für Fremdsprachen. In Englisch ist dieser Chor schon jetzt zu Hause. Man hörts am Beispiel von „Heaven is a Wonderful Place“. Sänger und Instrumentalisten wechseln sich ab, und natürlich darf Rudolph, das Rentier mit der roten Nase nicht fehlen. In jedem Ensemble steckt Können. Die intensiven Proben im Vorfeld zahlen sich jetzt beim Konzert aus. Man spürt das Wir-Gefühl, das die Ensembles zusammenschweißt bis zur gemeinsamen Schlussverbeugung. Zuständig für das charmante Adventskonzert sind die Musiklehrer, die die Kinder auch durch Gesangs- und Instrumentalklassen begleiten.

Der Benefizgedanke krönt schließlich das Klangbett bei der Spendenübergabe des Unicef-Spendenlaufs der Ellentalgymnasien. Die Gelder gehen in diesem Jahr an die Initiative „Altstadtnachbarn“, Lebenshilfe Ludwigsburg, an die Bietigheimer Tafel und an die Kinder- und Jugendtrauerarbeit der ökumenischen Hospizinitiative.