Schule Eisenmann: Land hat bei Schulen ein Qualitätsproblem

Bietigheim-Bissingen / Uwe Mollenkopf 19.01.2018

Kultusministerin Susanne Eisenmann legte am Mittwochabend den Finger gleich selbst in die Wunde. „Baden-Württemberg hat ein Qualitätsproblem“, sagte sie bei einem Informationsaustausch mit rund 150 Schulleitern im Bietigheimer Kronenzentrum mit Blick auf die jüngste IQB-Studie zum Bildungstrend. Die hat herausgefunden, dass jeder fünfte Viertklässler im Land den Mindeststandard im Bereich Rechtschreibung nicht erfüllt. Im Ländervergleich ist Baden-Württemberg deutlich abgerutscht.

Eisenmann wollte keinen Schuldigen suchen, auch wenn sie darauf hinwies, dass sich das Land vor 8 bis 10 Jahren – also vor Amtsantritt der rot-grünen Koalition – noch in der Spitzengruppe befunden habe. Vor allem die Heterogenität – die Verschiedenartigkeit – der Schüler sei es, die stärker ins Gewicht falle als bisher gedacht. „Sie haben heute in Klasse 1 Schüler, die können schon rechnen, und Kinder, die können noch nicht einmal einen Stift halten“, sagte Eisenmann.

Doch was lässt sich dagegen tun? Bei einem Grundproblem, der Lehrerversorgung, die auch Oberbürgermeister Jürgen Kessing eingangs angesprochen hatte, könne eine Verbesserung nur Schritt für Schritt erfolgen, sagte Eisenmann. Sie will dafür die Ausbildungskapazitäten erhöhen, doch das brauche Zeit. 2 bis 3 Jahre werde es hier und da noch schwierige Situationen geben.

Zu den Maßnahmen und Vorhaben der Ministerin gehört die Regelung, dass wieder eine Grundschulempfehlung beim Wechsel in eine weiterführende Schule vorgelegt werden muss, eine Stärkung der Realschule, aber auch der Werkrealschulen („Wir kämpfen um jeden Haupt- und Werkrealschulstandort“) sowie die Stärkung von Deutsch und Mathematik in der gymnasialen Oberstufe.

Den Schulleitern, die zum „Klassentreffen“ mit der Ministerin gekommen waren, brannten noch andere Themen auf den Nägeln. Rainer Graef, der Leiter der Kirbachschule in Hohenhaslach, hätte sich die Fortführung und wissenschaftliche Auswertung des Projekts Schule ohne Noten gewünscht. Die Kirbachschule, eine Grund- und Werkrealschule, ist eine von 10 Schulen im Land, die an diesem Schulversuch teilnahmen. Doch Eisenmann, die den Versuch letztes Jahr für beendet erklärt hatte, blieb hart und gab ein „klares Bekenntnis zu Noten“ ab. „Sie haben alles richtig gemacht“, so die Ministerin zu Graef, „aber die Grundlage war von vornherein falsch.“

Klassenteiler bleibt

Die gymnasiale Oberstufe an Gemeinschaftsschulen war ein Thema, das Stefan Ranzinger, der Leiter des Beruflichen Schulzentrums in Bieitigheim-Bissingen, in die Debatte einbrachte. Er warnte nach einer fruchtlosen Debatte darüber in Schwieberdingen vor „Egoismus“ von Schulleitern und drohenden Fehlentwicklungen. Es gebe vor Ort bereits ein flächendeckendes Angebot an Wegen zum Abitur. Ein Eingreifen von oben sei nötig. Eisenmann lehnte das indes ab. Dass Schulen und Schulträger solche Überlegungen anstellten, sei möglich. Die Schulbehörden würden erst aktiv, wenn ein Antrag gestellt werde. Ein solcher liege aus dem Schulamtsbezirk derzeit aber nicht vor.

Claus Stöckle, der Leiter der Realschule im Aurain und Geschäftsführende Schulleiter der Bietigheim-Bissinger Schulen (ohne Gymnasien), regte angesichts der von Eisenmann angesprochenen Heterogenität der Schüler an, ob nicht der Klassenteiler an Realschulen (30 Schüler) auf das Niveau der Gemeinschaftsschulen (28) gesenkt werden könne. Eisenmann machte ihm keine Zusage. „Dann brauche ich noch mehr Lehrer“, meinte sie mit Blick auf die Lehrerversorgung. Eine günstige Ankündigung konnten die Schulleiter dann aber doch mit nach Hause nehmen. Eine neues Rektorenkonzept, das unter anderem eine bessere Bezahlung und eine Entlastung von Verwaltungsaufgaben vorsieht, werde noch im ersten Quartal 2018 kommen, versprach die Ministerin.

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