Bietigheim-Bissingen Einstiger Kickbox-Weltmeister auf der Straße in Bissingen erschossen

Bietigheim-Bissingen / 13.04.2016
Ein 35 Jahre alter Mann ist in der Nacht zum Mittwoch in Bissingen erschossen worden. Nachbarn fanden ihn gegen 22 Uhr vor einem Haus in der Wolf-Hirth-Straße. Der unbekannte Täter ist flüchtig.
Stille liegt über dem Wohngebiet in der Nähe der Bissinger Martin-Luther-Kirche am Mittwochmorgen – ein krasser Gegensatz zu dem, was sich nur wenige Stunden zuvor in der Wolf-Hirth-Straße abgespielt hat. Dort hatte gegen 22 Uhr ein Unbekannter mehrere Schüsse auf einen 35-Jährigen abgefeuert, der vor den Parkplätzen eines Mehrfamilienhauses gerade aus seinem dunklen Familienwagen stieg. Laut Polizei fanden Anwohner den Mann, Betreiber einer Kampfsportschule mit Sitz in Stuttgart-Neugereut, tot auf dem Gehweg – kurz vor seinem 36. Geburtstag am 13. April, wie aus den Meldedaten auf einer Boxkampf-Seite hervorgeht.
Zeugen wollen gesehen haben, wie der maskierte, etwa 1,75 Meter große und mit Jogginghose und Kapuzenpullover bekleidete Täter zu Fuß in Richtung Panoramastraße flüchtete. Die Polizei löste eine Fahndung mit rund 100 Einsatzkräften und Hubschraubern aus, auch umliegende Polizeipräsidien seien involviert gewesen. In Ludwigsburg wurde eine 45-köpfige Sonderkommission eingerichtet. Der Täter ist bislang unbekannt, ebenso das Motiv, sagen die Ermittler, die sich ansonsten mit Informationen bedeckt halten.
Am Mittwochmorgen sind nur noch wenige Polizisten vor Ort. Gegen neun Uhr trifft auch die Spurensicherung ein – in der Nacht war schon die Bereitschaft vor Ort gewesen. Ein Beamter entfernt das rot-weiße Band, um von einer Leiter aus Übersichtsbilder zu machen, heißt es zur Erklärung. Prompt kommt ein Pärchen aus dem Hauseingang, geht quer über die Parkplätze. Mitten durch den Tatort – das ist nicht erlaubt, nur am Rand entlang zur Haustür, das ginge. So wie es kurze Zeit später eine Anwohnerin tut, die zu ihrem Auto will. Sie hatte die Schüsse zwar gehört, aber nicht einordnen können. „Ohje, da sind aber viele Böller los“, habe ihr Sohn zu ihr gesagt. Erst später bekam sie mit, was geschehen war.
Sie ist nicht die einzige, die näher an den Tatort will. Zwei Frauen bitten auch um Erlaubnis. „Wir sind Verwandtschaft“, erklärt die Jüngere.
Die beiden Kriminaltechniker haben unterdessen eine Lampe und einen Metalldetektor aus ihrem Transporter geholt. Immer wieder piept das Gerät. Sie sollen „weitere Spuren sichern“, erklärt eine Polizeisprecherin später. Angaben darüber, ob etwas, wie etwa Patronenhülsen, gefunden wurde, könne sie zu diesem Zeitpunkt nicht machen.
Gegen zehn Uhr trifft ein Mann mit Frau und zwei kleinen Kindern ein. Er stellt sich als Geschäftspartner und bester Freund des Toten vor, „alles zusammen“, sagt er und schnauft schwer. Er könne sich nicht erklären, was da geschehen sei. „Er war bei allen beliebt“, sagt er, sichtlich betroffen.
Die Kampfsportschule der beiden Männer war in der Nacht schon überprüft worden, bestätigt eine Polizeisprecherin. Bilder einer Presseagentur zeigen eine versiegelte Tür zu der Einrichtung im Untergeschoss eines Wohnblocks, in der vor allem Boxen, Kickboxen und Mixed Martial Arts („Gemischte Kampfkünste“) sowie Selbstverteidigung unterrichtet wurde. Die Homepage des Clubs weist den Toten als Meister im Kickboxen bis auf Weltebene aus, er habe Boxerfahrung in der Bundesliga und sei schon in seiner Jugend Kasachischer Meister gewesen, ist dort zu lesen. Er sei zudem geprüfter Personenschützer.
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