Schwerpunkt 70er-Jahre Eingemeindung dauerte 75 Jahre

Bietigheim-Bissingen / Rena Weiss 28.07.2018

Als „neue Erprobungen“ bezeichnete Oberbürgermeister Karl Mai die Vereinigung von Bietigheim und Bissingen auf der Silvesterfeier 1974. Es sollte das letzte getrennte Fest werden und auch Mais letztes als Oberbürgermeister. Nach 27 Jahren im Amt ließ er sich nicht mehr aufstellen. „Dass ich in meiner Amtszeit, die nun bald abläuft, bei dieser Einigung ein nützlicher Helfer und Pate sein konnte, bedeutet für mich eine große Befriedigung“, sagt Mai am Festabend. Die Eingemeindung Bissingens wurde  zwar im Zuge der Gebietsreform am 1. Januar 1975 vollzogen, doch bereits 1900 äußerte die Gemeinde Bietigheim Interesse an einem Zusammenschluss. Gefolgt von weiteren Versuchen 1910, 1911, 1933 und 1971. Die Bissinger lehnten jedoch immer ab.

Auch deswegen hatte Mai an der Silvesterfeier eine große Bitte an alle Bürger: „Ich bitte von Herzen alle darum, auch im persönlichen Leben alles zu tun, was das Zusammenwachsen unserer neuen Stadt erleichtern oder fördern kann.“ Denn die Bissinger demonstrierten für ihre Selbstständigkeit und verteilten Flugblätter und Buttons. „Damals war was los in Bissingen, als sich der Zusammenschluss ankündigte“, erinnert sich Hermann Silcher, damaliger Bürgermeister Bissingens, „es wurde eine Schranke an der Gemarkungsgrenze kurz vor den Bahnhof aufgestellt von protestierenden Bürgern und die Traktoren gingen auf die Straße.“

Grund für den Widerstand war vor allem die Gute wirtschaftliche Lage der Gemeinde Bissingen und die Befürchtung, dass der heutige Stadtteil hinterherhinken werde. Auch heute noch wird von manchen Bissingern dazu Kritik an der Stadtverwaltung geäußert. Es benötigt wohl noch mal 75 Jahre, um auch in den Köpfen der Bürger einen echten Zusammenschluss zu bewerkstelligen.

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