Kontakt Ein Projekt verbindet Generation

19 Schüler nahmen an dem Projekt „15/75 Paten für Senioren“ teil. Von Oberbürgermeister Jürgen Kessing bekamen sie Zertifikate und Lob im Haus an der Metter.
19 Schüler nahmen an dem Projekt „15/75 Paten für Senioren“ teil. Von Oberbürgermeister Jürgen Kessing bekamen sie Zertifikate und Lob im Haus an der Metter. © Foto: Helmut Pangerl
Bietigheim-Bissingen / Jonathan Lung 27.07.2018

Hätte ich mich nicht für das Projekt 15/75 entschieden, wäre ich wahrscheinlich am Haus an der Metter vorbeigelaufen und hätte die wunderbaren Menschen im Haus nicht getroffen und kennengelernt. Nur durch dieses Projekt standen mir die Türen dazu offen.“ So beschreibt einer der Teilnehmer seine Entscheidung, an dem Projekt teilzunehmen, zusammen mit insgesamt 19 Schülern aus der Realschule Bissingen und der Realschule im Aurain in diesem Schuljahr. Am vergangenen Dienstag erhielten die Teilnehmer ihre Zertifikate.

Patenschaft für Hausbewohner

Die Schüler der achten Klasse wählten im Rahmen des themenorientierten Projekts Soziales Engagement (SE), das an allen Realschulen des Landes angeboten wird, das Projekt 15/75 aus. Dieses wurde auf Anregung des Kreisseniorenrats schon im Schuljahr 2011/12 ins Leben gerufen. Der Name ist Programm: 15-Jährige kommen in Kontakt mit 75-Jährigen, Schüler mit Senioren.

Innerhalb des Schuljahres übernehmen die Teilnehmer dafür eine Patenschaft für einen Bewohner des Hauses an der Metter beziehungsweise des Hauses am Enzpark. 20 Besuchsstunden gehörten dazu, bei denen es darum ging, miteinander in Kontakt und ins Gespräch zu kommen: Kuchen backen, spielen, spazieren gehen, im Garten arbeiten, Ausflüge machen und gemeinsam einkaufen sind nur einige Programmpunkte, von denen die Schüler berichten. Aber auch Gespräche über die Schule damals und heute, Reisen in ferne Länder und ein bisschen Nachhilfe in Französisch gehörten zu den gemeinsamen Aktivitäten. Auch der Tod wurde in Gesprächen thematisiert. Geschickt nutzte man die gegenseitigen Stärken: Eine Seniorin ließ sich von ihrem Paten erst mal ihren Fernseher richtig anschließen.

Seniorenanzug ausprobieren

Aber damit nicht genug: Zu dem Projekt gehörten auch acht Pflichtstunden, in denen Vorträge über Heimpflege, Alterskrankheiten und Pflegeberufe stattfanden. Auch der sogenannte „Seniorenanzug“ wurde ausprobiert. Ein Anzug, der den Träger in seiner Bewegungsfreiheit einschränkt und ein besseres Einfühlen in die körperlichen Schranken des Alters ermöglichen soll.

Nach erfolgreicher Teilnahme wurde am Dienstag gefeiert: Oberbürgermeister Jürgen Kessing, der zu Beginn des Projekts die Schirmherrschaft übernommen hatte, verteilte die Zertifikate. Es handele sich hier um „ein besonderes Projekt“, machte er deutlich. Durch die Patenschaften werde Verantwortung übernommen, „auch das gehört zum Erwachsenwerden.“ Es sei nicht selbstverständlich, dass sich Jugendliche mit diesem Thema auseinandersetzen, erklärte auch Ursula Uhlig, Hausdirektorin des Hauses an der Metter. Das „aufeinander Einlassen“ sei entscheidend. Beiden Seiten eröffne dieses Projekt neue Blickwinkel, neue Dimensionen, ist sich auch Claus Stöckle, Leiter der Realschule im Aurain, sicher. „Hemmungen verlieren und Respekt entwickeln“, das seien die Ziele des Projekts, so Nora Jordan-Weinberg, Vorsitzende des Kreisseniorenrats Ludwigsburg, der das Projekt ins Leben rief.

Die Schüler selbst zeigten sich von ihren Erlebnissen begeistert: „Sehr viel Spaß“ habe man gehabt, „klasse Sachen“ gemacht, „eine interessante Erfahrung“ sei es gewesen, so die einhellige Meinung. Zwei Schüler wurden sogar extra ausgezeichnet: Sie hatten mehr als das Doppelte der obligatorischen 20 Besuchstunden angesammelt. Sie bekäme es in der Regel nicht mit, meint Vorsitzende Jordan-Weinberg, aber von einigen früheren Teilnehmern wisse sie, dass sie sich nach Abschluss ihrer Schullaufbahn für eine Ausbildung in der Pflege entschieden hätten.

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