Was war, was kommt Ein mutiger Bürgermeister

Andreas Lukesch  ist verzweifelt beim Anblick des Ex-Valeo-Areals
Andreas Lukesch ist verzweifelt beim Anblick des Ex-Valeo-Areals © Foto: Andreas Lukesch
Andreas Lukesch 04.08.2018

Bietigheim-Bissingens Bürgermeister Joachim Kölz ist ein mutiger Mann, ein ganzer Kerl. Einer, der unerschrocken selbst in Dantes achtem Höllenkreis, wo die Verführer, Heuchler und bösen Ratgeber geschunden werden, gegen Anfeindungen jeglicher Art bestehen würde. Joachim Kölz hat das kernige Format eines Hartmut Mehdorn, der nicht  mit der Wimper zuckte, als er Fluggesellschaften und Staatsbetriebe erstarren ließ. War es nicht Mehdorn, der wusste, wann die ersten Flieger vom neuen Hauptstartflughafen abheben werden? Nun ist Kölz kein Mehdorn, das nicht. Aber des Bürgermeisters Aussage, im kommenden Jahr werde man etwas sehen auf dem ehemaligen Valeo-Areal gelten in Bietigheim-Bissingen mittlerweile als ebenso mutig wie sämtliche Prognosen zum Berliner Flughafen. Denn was wir dort genau in Augenschein nehmen können, wissen wir nur theoretisch, praktisch tut sich auf dem Valeo-Areal nach wie vor weniger als gar nichts. Selbst Stuttgart 21 geht schneller voran als die Bebauung einer unspektakulären Brache mitten in Bietigheim. Auf der stehen derzeit nur ein paar Autos herum und ein der Verwitterung ausgesetztes Bauschild mit dem Konterfei des verdienten Bietigheimers und früheren baden-württembergischen Ministerpräsidenten Lothar Späth. Ausgerechnet einem der bedeutendsten Bietigheimer, der als oberster Bauherr der Stadt ein Gebäude nach dem nächsten errichtete, wird zugemutet, Gesicht und Namen für ein Stück Ödnis herzugeben, auf dem seit Jahren der eisige Südwestwind Staub ins nahe Seniorenzentrum weht. Es wäre interessant zu wissen, wie Lothar Späth die Begründung des Bürgermeisters für den nicht ersichtlichen Fortschritt auf dem Areal mit all seiner „Komplexität“ kommentieren würde. Zum Beispiel das Ding mit der Feuerwehr, die rein ins Wohngebiet und wieder rauskommen muss, wenn’s mal brennt. Eine wirklich vertrackte Aufgabenstellung, die zu lösen Planern von gewöhnlichen Wohnsiedlungen auf der ganzen Welt alles abverlangt. Oder die lustige Sache mit der Fortpflanzungsperiode geschützter Tiere. Inzwischen hat sich die Fauna des Valeo-Areals so oft fortgepflanzt, dass bereits die Ur-Ur-Ur-Enkel des Ur-Lurchs an der Stuttgarter Straße die Rente einreichen. Nun aber soll den Bürgermeister nichts und niemand mehr bremsen können. Mit Macht will er erreichen, dass im kommenden Jahr hinter dem wahrscheinlich schon efeuumrankten Bauschild etwas zu sehen sein wird. Und so sage ich es noch einmal: Der Mann hat Mut.

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