BZ-Schulpreis Ein Musical aus dem Nichts

Auch die Zeit Luthers im Kloster wurde in dem Musical der Schillerschule und der Kirchengemeinde Bissingen lebendig.
Auch die Zeit Luthers im Kloster wurde in dem Musical der Schillerschule und der Kirchengemeinde Bissingen lebendig. © Foto: Martin Kalb
Bietigheim-Bissingen / Susanne Yvette Walter 20.06.2018

Im Luther-Jahr 2017 entwickelten der Kirchenmusiker der evangelischen Kirchengemeinde Bissingen, Joachim Göller, und die Schillerschule in Bietigheim-Bissingen gemeinsam die Idee, ein Luther-Musical als Kooperationsprojekt der Chöre der Kirchengemeinde und der Schillerschule auf die Bühne zu bringen. Weil es ein solches Musical für Grundschüler nicht gab, fasste sich Kantor Göller ein Herz und komponierte es selbst. Entstanden ist ein Stück, mit individueller Handschrift, das einen großen Kreis von Zuschauern bei zwei Aufführungen und einer öffentlichen Generalprobe vom Stuhl riss.

120 Akteure auf der Bühne

Das Luther-Jubiläum weckte in vielen Kirchengemeinden kreative Impulse. Doch die Kooperation, die hier an der Schillerschule in Bissingen mit verschiedenen Ensembles und der evangelischen Kirchengemeinde stattfand, brachte letztlich 120 Akteure auf die Bühne und schuf ein monumentales Musicalwerk, das nur hier gezeigt wurde. „Wir haben ein Musikprofil“, beschreibt Konrektorin Sandra Haumann die Marschrichtung an der Schule. So eingestellt, schreckt eine Schule auch nicht vor der Idee zurück, ein Musical zu einem Thema auf die Bühne zu bringen, zu dem es noch gar kein Musical für Grundschüler gibt. Federführend leitete Kantor Göller das Projekt zusammen mit den Lehrkräften der Schule. „Er hat alle Lieder und Texte selbst geschrieben, und da sind tolle Lieder dabei“, erzählt Haumann.

Die Bläserklasse der Schillerschule hat all die neu entstandenen Melodien umgesetzt. „Manche Kinder hatten gleich mehrere Rollen. Die Kinderchöre und die Theater AG waren voll im Einsatz. Und die Bläserklasse lernte, einen Kinderchor musikalisch miteinzubeziehen“, beschreibt die Konrektorin den Synergieeffekt des Projekts. Die Schillerschule als musisch betonte Schule setzte auch die Trommel AG im Musical ein. Es gibt sogar einer Akrobatengruppe, die hier gebraucht wurde. Und: „Wir haben eine Lehrerband, weil bei uns einige Lehrer Instrumente spielen. Die Lehrerband heißt ‚Chill out’. Da haben einige mitgemacht und sich gemeinsam auf das Luther-Musical eingelassen. Sogar einen Dudelsack-Spieler hatten wir“, erzählt Sandra Haumann.

Die Tatsache, dass es keine musikalische Vorlage gab, spornte die Gemeinschaft aus Schulchören, AGs und dem Kinderchor der evangelischen Kirchengemeinde zu eigener Kreativität an. „Improvisation wurde großgeschrieben, und dann hat sich das nach und nach alles so entwickelt“, lässt Sandra Haumann wissen. Um 120 Darsteller wirkungsvoll ins rechte Licht setzen zu können, haben Schule und Kirchengemeinde die beiden Theaterpädagogen Rüdiger Erk und Sandra Willmann engagiert, die die Proben leiteten. Für die Ausstattung mit entsprechenden Kostümen wurden auch die Eltern akquiriert. „Da waren ganz tolle selbst genähte Kostüme dabei, zum Beispiel ein Papstkostüm“, erinnert sich die Konrektorin. Im Kronensaal erlebten schließlich Kinder der Klassen 2 bis 4 gleich zweimal den Balanceakt zwischen der Lutherzeit und der Neuzeit. „Da gab es eine Szene mit Rittern bei der fingierten Entführung Martin Luthers. Die hat den Kindern riesig Spaß gemacht, ebenso eine Jahrmarktszene mit Akrobaten. Viele Kinder sind im Musical über sich hinausgewachsen“, erzählt Haumann.

Ein selbst gestaltetes Programmheft mit gemalten Porträts des großen Reformators rundete das kreative Projekt ab. „Und der Förderverein griff Akteuren und Regieführenden ebenfalls sehr engagiert unter die Arme“, lobte Haumann die starken Kräfte im Hintergrund.

Die BZ-Jury lobte explizit die große kreative Eigenleistung aller sowie die Vernetzung der Kräfte in einer gelungenen Kooperation. „Mit dem Luther-Musical haben die Chöre von Schillerschule und evangelischer Kirchengemeinde ein Mammut-Projekt beeindruckend verwirklicht. Das Besondere daran: Die Macher verließen sich nicht auf vorgefertigte Materialien, sondern entwickelten Szenen und Bilder von ‚Ich habe den Teufel mit Tinte vertrieben’ im Verlauf des gesamten Schuljahres 2016/17 gemeinsam mit den Kindern. Viele Akteure waren ehrenamtlich in diese professionelle Umsetzung eingebunden, darunter die Lehrerband und der Förderverein“, so die Bewertung der Jury.

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