Hobby Ein lang ersehnter Kindheitstraum verwirklicht sich

Die Bissingerin Dorothea Luithle zeigt eine ihrer neuen handgefertigten Puppenstuben: Die Apotheke ist ihr absolutes Lieblingsstück.
Die Bissingerin Dorothea Luithle zeigt eine ihrer neuen handgefertigten Puppenstuben: Die Apotheke ist ihr absolutes Lieblingsstück. © Foto: Helmut Pangerl
Bietigheim-Bissingen / Sandra Bildmann 09.08.2018

Mit über 70 Jahren hat sich Dorothea Luithle einen Kindheitstraum erfüllt. Sie stellte Puppenstuben in ihr Wohnzimmer. „Das ist dieser Wunsch, etwas später zu haben, das man als Kind nicht hatte“, erzählt die 83-Jährige. Als Kind musste die gebürtige Stettinerin 1943 über die Ostsee nach Dänemark fliehen. Die damals Neunjährige habe Spielzeug sehr vermisst. Später arbeitete sie als Krankenschwester in Hamburg – und heiratete einen ihrer Patienten. Sie siedelte mit ihm nach Bissingen um, in das Haus, in dem ihr Mann groß geworden war. Dorothea Luithle lebt bis heute dort, auch viele Jahre nach dem Tod ihres Mannes.

Inzwischen reihen sich neun Puppenstuben in ihrem Wohnzimmer aneinander. „Ich liebe sie alle“, schwärmt Luithle auf die Frage nach ihrer Lieblingsstube, „aber die Apotheke liebe ich besonders.“ Es ist eine hölzerne Stube, die aus unzähligen Einzelteilen und Details besteht. Im rechten Eck steht ein gekrümmter Herr, der eine Schnapsflasche hinter seinem Rücken versteckt.

Filigrane Handarbeit

Angefangen hat alles, als ihre Schwägerin drei Puppenstuben vom Dachboden holte. Das Schlafzimmer, das Wohnzimmer und die Küche hatte Luithles Schwiegervater in den 30er-Jahren selbst gezimmert. Die Stube, das Inventar: alles filigrane Handarbeit. „Diese Puppenstuben waren damals total im Eimer“, erzählt Dorothea Luithle. Viele Stunden hat sie der Restauration gewidmet, neu tapeziert, geschniegelt und gestriegelt. Bei einem Ausverkauf hat sie weitere Puppenstuben erworben, darunter ein Tante-Emma-Laden und ein Teekontor. Ihr neuestes und größtes Stück – ein mehrstöckiges Haus mit etlichen Zimmern – erwarb sie vor einigen Jahren im Internet und hat es um einige Details, wie zum Beispiel einen Kinderwagen ergänzt .

Das Alter der beiden Kaufmannsläden und der Apotheke schätzt Luithle, die auch über 20 Puppen besitzt, auf etwa 100 Jahre. Luithle sagt, sie erfreue sich jeden Tag an ihren Puppenstuben, die ihr auch das Gefühl gäben, ein bisschen Leben in der Bude zu haben. „In Museen gibt es so etwas selten“, meint die Rentnerin und möchte ihre Stuben irgendwann einmal einem hiesigen Museum vermachen.

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