Bietigheim-Bissingen Ein Haus voller Bücher - Kostenloses Literaturangebot in Bietigheim-Bissingen

Barbara Knieling bei der Kontrolle des von ihr ins Leben gerufenen Bücherhäusles in den Bietigheimer Marktplatz Arkaden.
Barbara Knieling bei der Kontrolle des von ihr ins Leben gerufenen Bücherhäusles in den Bietigheimer Marktplatz Arkaden. © Foto: Julia Schweizer
Bietigheim-Bissingen / JULIA SCHWEIZER 10.08.2016
Es war ein Geschenk zu ihrem 50. Geburtstag – und das gibt Barbara Knieling nun an die Bietigheimer weiter: ein Ort zum Büchertauschen.

Es ist das kleinste Haus der ganzen Stadt – und alle sind zu einem Besuch eingeladen. Wer geht, erhält ein Gastgeschenk. Und darf natürlich auch eines mitbringen. So oder so ähnlich könnte man die Idee von Barbara Knieling beschreiben, die sie seit Kurzem in den Bietigheimer Marktplatz Arkaden umgesetzt hat: „Barbaras Bücherhäusle“.

Rund 20 Bücher stehen derzeit in dem von Freunden zu ihrem 50. Geburtstag gebastelten Kasten aus Holz mit einer Glasscheibe. Wer will, kann sich eines davon herausnehmen, darin lesen und es wieder zurückbringen. Oder eben ein eigenes einstellen, das man nicht mehr haben will, das aber noch gut erhalten sein muss, darauf weist sie hin. Knieling selbst, die ehrenamtlich Vorsitzende des Bundesverbands Leseförderung ist, stellt vor allem Kinder- und Jugendliteratur ein.

Die Idee für diese Art von Bücherschrank stammt ursprünglich aus den USA, wo es sogar eine eigene Organisation gibt, die Werbung macht für die „little free libraries“. Ziel ist es, vielen Menschen die „Teilhabe an Lesekultur“ zu ermöglichen, mit einem unbürokratischen, offenen Angebot, das auch zu Gesprächen über Literatur anregen soll. In den USA stehen die Bücherhäuser aber immer auf Privatgrundstücken, weiß Knieling. Doch weil sie in einem Mehrfamilienhaus wohnt, war das nicht möglich.

Nach ihrem Umzug von Stuttgart nach Bietigheim suchte sie deshalb nach einer geeigneten Möglichkeit. Hilfe kam dabei von der Stadt. Sie erlaubte Knieling nicht nur, eine Ecke der Marktplatz Arkaden zu nutzen, zwar nicht ihr Wunschplatz, aber immerhin vandalismussicherer als etwa im Bürgergarten. Mitarbeiter des Bauhofes fertigten zudem einen stabilen Ständer für das Bücherhäusle, das nun auf einer komfortablen Bedienhöhe sei. Barbara Knieling musste sich im Gegenzug verpflichten, regelmäßig den Inhalt zu kontrollieren.

Doch bislang habe es da noch keine Probleme gegeben, alle Nutzer hätten sich an das Gebot gehalten, nur weltanschaulich neutrale Bücher und keine religiösen oder politischen Schriften einzustellen. Sie habe nur zwei Mal besonders alte Bücher entfernt, erzählt sie, während sie den aktuellen Bestand der etwa 20 Exemplare prüft. „Wenn zu viel Unattraktives drin ist, greifen die Leute nicht mehr zu“, so ihre Erfahrung von anderen Standorten. Da gebe es im Umkreis von einigen Kilometern welche, die auf sie nicht sehr gepflegt wirkten. „Es steht und fällt alles mit den Menschen, die sich verantwortlich fühlen“, sagt Knieling.

Und das tun zumindest auch ihre Nutzer. 20 bis 25 Exemplare waren der Erstbestand des Bücherhäusles, den ihre Freunde gestiftet hatten. Mittlerweile sei davon nichts mehr da und mindestens einmal von Fremden komplett durchgetauscht worden, berichtet Barbara Knieling stolz. Es herrschte also schon reger Besuch im kleinsten Haus der Stadt.

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