Zehn Bücher anderer Autoren verlegt Ralf Preusker im Jahr, dazu schreibt er selbst Gedichte und macht mehrere Veranstaltungen. Und das alles neben seinem Job als Verwaltungsangestellter am Regierungspräsidium Stuttgart. Denn: Die Literatur ist seine Passion. Und deswegen ist er seit Jahren so eine Art Botschafter für die Literatur, für die er nun auch in Bietigheim-Bissingen den Boden bereiten will. Seit Kurzem wohnt der Ludwigsburger in Bissingen, gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin, der Kinderbuchautorin Inge Jung.

Für Literatur begeistern

Der 51-Jährige, der 2003 in Ludwigsburg den Verein Literafreak und den Verlag Literafreak Press gründete, möchte auch in seiner neuen Heimatstadt, wie er sagt, „Leute für die Literatur begeistern und auch denen Literatur nahebringen, die sie sich vielleicht nicht leisten können“. In Ludwigsburg veranstaltete Preusker im Stuttgarter Torhaus regelmäßig bis zu sechs Lesungen pro Jahr mit Autoren aus dem deutschsprachigen Raum. Es gab jährlich eine skurrile Weihnachtslesung, die Lesung „Crash und Kitsch“ und eine Horrorlesung. Auch in Sachsenheim, im Tender, veranstaltete Preusker schon eine Sherlock-Holmes-Lesung. Das Prinzip dahinter: Der Eintritt ist kostenfrei, es gibt zwar Büchertische, an denen man Bücher kaufen kann, aber auch Kisten mit Büchern, die man einfach mitnehmen kann. „Und das möchte ich in Bietigheim auch machen, für Erwachsene und Kinder“, sagt er. Doch noch sucht Literafreak einen geeigneten Raum dafür.

Und weil der noch nicht gefunden ist, wird Ralf Preusker seinem Prinzip untreu und macht seine erste Lesung in der Bietigheimer Bücherstube, die Eintritt kostet. „Alexander Scheidweiler von der Bietigheimer Bücherstube ist sehr ambitioniert, Litera­freak zu unterstützen, unsere Arbeit in der Stadt zu etablieren. Aber bei seinen Lesungen gibt es immer einen Imbiss, deshalb nimmt er Eintritt“, sagt er. Am Samstag, 23. Februar, 19 Uhr, gibt es eine Lesung mit Preusker und Inge Jung in der Bücherstube, „als unser Einstieg in der Stadt sozusagen“, sagt Preusker. Doch das soll die Ausnahme bleiben. „Literatur muss bezahlbar sein und für alle zugänglich“, findet er. Obwohl er sagt: „Es ist komisch, wenn ich 20 Euro Eintritt verlange, kommen viele Leute, wenn ich keinen verlange, kommen weniger.“ Was so nicht stimmt, denn seine Veranstaltungen im Stuttgarter Torhaus waren meist mehr als nur gut besucht, sogar proppenvoll.

Eine Ausnahme bleibt, dass Preusker selbst liest, auch wenn er schon 17 Bücher geschrieben hat, fast ausschließlich Lyrikbände. Zu den Lesungen sollen Autoren kommen, die er in seinem Verlag veröffentlicht, Nachwuchsautoren, aber auch renommierte Autoren anderer Verlage. Zu der „Langen Nacht der Literatur“, die er einmal im Jahr in Ludwigsburg veranstaltete und die es auch in Bietigheim geben soll, kamen zwölf Autoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die zwölf Minuten lang lasen.

Preusker wählt die Autoren, die er verlegt, sorgfältig aus: Die Texte sollen unpolitisch sein, nicht religiös, nicht dogmatisch, aber teifgründig und intensiv. Vor allem Lyrik, die für ihn in der Literaturszene zu kurz kommt, veröffentlicht er. Für einige seiner Autoren war sein Verlag das Sprungbrett in die großen Verlage. „Für mich zählt nicht der Verdienst, der Kommerz, aber ich freue mich, wenn die Autoren Erfolg haben und von ihrem Werk leben können.“ Literafreak Press sei ein ganz kleiner, „ja sogar winziger Verlag, betrieben von einem, der die Poesie immer exzessiv lieben wird“. Alles, auch die Illustrationen, das Layout, den Vertrieb, das Marketing, macht Preusker selbst. Hausautoren sind Inge Jung, Hermann Borgerding, Markus Prem, Eckhard Neuhoff und Myria Notarnicola. Wichtig ist ihm auch die Vernetzung zwischen den Autoren unterinander, „das kann nur effektiv sein“, aber auch zum Publikum. Kinder zu erreichen, sie für Literatur, fürs Lesen, zu begeistern, das hält er für eine sehr wichtige Aufgabe. „Kein Kind sollte aufwachsen, ohne dass ihm vorgelesen wird“, sagt Ralf Preusker und verspricht auch Kinderlesungen in Bietigheim-Bissingen.

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