DLW Ein Ende mit Ansage

Uwe Mollenkopf 13.01.2018

Mit der am Donnerstagabend bekannt gegebenen Entscheidung der Geschäftsführung, die Produktion von DLW-Flooring am Standort Bietigheim-Bissingen einzustellen, endet ein mehr als 100-jähriges Kapitel in der Wirtschaftsgeschichte der Stadt. Für die Mitarbeiter, die dadurch ihre Arbeit verlieren, ist das ein harter Schlag. Vor allem die Art und Weise der Kündigung hat nach BZ-Informationen für Unmut gesorgt.

Laut der unbestätigten Aussage eines Mitarbeiters, der unter den Entlassenen ist, seien die Beschäftigten nach einer Betriebsversammlung Ende November davon ausgegangen, dass alles nach Plan laufe und das Gehalt bis April bezahlt werde. Überraschend seien sie dann am 2. Januar aus den Betriebsferien zurückgerufen worden. Doch statt zu arbeiten, hätten sie nichts zu tun gehabt, die Produktion sei stillgestanden. „Man hat uns nicht gesagt, was Sache ist“, so der Mann, der 16 Jahre bei DLW war. Der Betriebsrat sei im Urlaub gewesen.

Am Donnerstag sei die Belegschaft ahnungslos nach Hause gegangen – um dann im Internet von dem Aus für die Produktion am hiesigen Sandort zu erfahren. Die Bestätigung sei am nächsten Tag per Hauspost gekommen. „Die haben uns verarscht“, so der empörte Mitarbeiter zur DLW-Kommunikationsstrategie.

Ein unrühmliches Ende für den Bietigheim-Bissinger Traditionsbetrieb. Einer, den dies nicht überrascht, ist der frühere Vorstandsvorsitzende Bernd F. Pelz.  Der 73-Jährige, der heute immer noch für einige Unternehmen beratend tätig ist, war von 1990 an Vorstand Technik bei DLW, ab Ende 1991 Vorsitzender des Vorstands. Unter seiner Ägide kam 1998 der Verkauf des verschuldeten Bodenbelagsherstellers an das US-Unternehmen Armstrong zustande. Pelz blieb danach noch zwei Jahre bis 2000 als „President Armstrong DLW Europa“ in dem Unternehmen.

Wie er auf BZ-Anfrage sagte, war es für ihn einer der Kardinalfehler, der zum Niedergang von DLW führte, dass sich die amerikanischen Käufer nicht an Absprachen gehalten hätten. Indem sie den Textilbereich verkauften, hätten sie nicht nur mehr als 50 Prozent des Bodenbelagsumsatzes hergegeben, sondern auch die Stellung von DLW als Komplettanbieter bei den Kunden unterminiert. Vor allem, weil auch nicht in gleichem Maße die Kosten gesenkt worden seien.

Er habe schon damals in einer Hauptversammlung gesagt, dass das nicht funktionieren könne, so Pelz. Das Armstrong-Management sei zu amerikahörig und im Europageschäft zu unerfahren gewesen.

Danach habe eine Spirale nach unten begonnen, sagt Pelz, an deren Ende DLW für Armstrong nur noch ein Klotz am Bein gewesen sei. Es sei zu wenig in die Firma investiert worden, es habe an der Entwicklung neuer Produkte und an der Kundenbetreuung gemangelt. Die Folge: Schließlich wurde das Unternehmen an den niederländischen Finanzinvestor Fields verkauft.

Der früherere Vorstandsvorsitzende bleibt bei dem, was er bereits 2014 in einem Leserbrief in der BZ geäußert hatte: Es seien nicht die Mitarbeiter des Unternehmens gewesen, deren Einsatz und Ideen nicht honoriert worden seien, sondern „das arrogante und ignorante Verhalten des Armstrong-Managements“, welches den Niedergang der Firma verursacht habe.

Einst größter Steuerzahler

An die besseren Zeiten bei den Deutschen Linoleumwerken, wie sie mit vollem Namen heißen, erinnert sich der frühere Exportleiter Roland Hellmann (86). Er war 32 Jahre lang, von 1960 bis 1992, bei DLW. Es sei eine „sehr schöne, konstruktive Zeit“ gewesen. DLW sei lange das führende Unternehmen in der Stadt und der größte Steuerzahler gewesen.

 Aber auch das Stadtbild habe DLW geprägt, unter anderem im Aurain, so Roland Hellmann, der zum 100-jährigen Bestehen der Firma einen Beitrag über deren Produktionsgeschichte verfasst hat. „Bei DLW zu sein, war schon eine tolle Sache“, sagt er rückblickend.

Zur aktuellen Lage möchte sich der „alte DLWler“ nicht äußern – schließlich sei er seit 26 Jahren nicht mehr dabei. Bis vor zwei Jahren hat Hellmann aber noch das DLW-Archiv betreut. Dieses habe er inzwischen dem Wirtschaftsarchiv der Universität Hohenheim übergeben. Das DLW-Aus berühre ihn zwar einerseits, andererseits gehöre das aber auch zum Lauf der Dinge. „Firmen kommen, Firmen gehen“, so Hellmann zur wirtschaftlichen Entwicklung in der Stadt.

Produktionszweig voraussichtlich gesichert

Nicht alle Abteilungen von DLW Flooring am Standort Bietigheim gehen offenbar von einem Ausverkauf nach Bekanntgabe der Standort-Schließung aus. In einer Mitteilung ließ Delifol, ein Produktionszweig von DLW Flooring  mit dem Schwerpunkt auf Pool- und Teichfolien und rund 20 Mitarbeitern, am Freitag verlauten, dass man „bezüglich der Übernahme von Delifol in Verhandlungen mit einem Investor“ stehe und der „Fortbestand von Delifol voraussichtlich gesichert“ sei. DLW-Unternehmenssprecher Holger Voskuhl wollte dies auf Nachfrage gegenüber der BZ weder bestätigen noch dementieren. Allerdings sei es richtig, dass es möglicherweise für einzelne Produktionsbereiche eine Nachfolgeregelung geben könnte. luk