Porträt Ein Bildhauer wird in Szene gesetzt

Lena Leonhardt (Zweite von links) drehte ein Porträt über Dieter Kränzlein (rechts) in seinem Haus in Bissingen.
Lena Leonhardt (Zweite von links) drehte ein Porträt über Dieter Kränzlein (rechts) in seinem Haus in Bissingen. © Foto: Gabi Kränzlein
Bietigheim-Bissingen / Gabriele Szczegulski 23.08.2018

Kurios sei es gewesen, bei der Arbeit gefilmt zu werden, sagt der Bissinger Bildhauer Dieter Kränzlein. Normalerweise, sagt der Künstler, verschließe er sich bei der Arbeit vollkommen durch geschlossene Türen, Ohrschutz und den Klang der Flex, mit der er den Stein bearbeitet. Nun ließ er ein Filmteam ins Allerheiligste, seine Bildhauerwerkstatt.

Betha Maier-Kraushaar, Galeristin des Stuttgarter Kunsthauses Fischer, hatte anlässlich einer großen Einzelausstellung mit 70 Arbeiten von Kränzlein, die noch bis Ende August zu sehen ist, die Idee, ein Porträt filmen zu lassen. Sie engagierte keine Geringere als die Regisseurin Lena Leonhardt, die für ihren Dokumentarfilm „Hundesoldaten“ den Grimme-Preis erhalten hatte, um Dieter Kränzlein in Szene zu setzen. Eindrücklich porträtiert sie in fünf Minuten Spielzeit die Arbeit des Bissinger Bildhauers.

Als Erste durfte sie ihn bei der Arbeit mit der Flex beobachten. Kränzlein beschrieb ihr seine „Liebe zum Stein“, wie er sich mit schwerem Gerät ganz filigran dem „Kern, der Tiefe“ des Millionen Jahre alten Mooser Muschelkalk nähert. „Ich will herausfinden, was sich im Inneren befindet.“ Ja, er arbeite sehr fein, sehr fragil, „so bin ich halt“.

Durch die behutsame Annäherung entstand ein authentisches Bild. „Ich wusste nicht, was Lena Leonhardt wissen wollte, und war also auch nicht vorbereitet. Umso mehr überraschte mich, wie tief sie in mich eindrang“, sagte Kränzlein, der vom Resultat „ziemlich beeindruckt“ ist. „Für mich ist die Arbeit ein Weg ins Paradies, das zeigt der Film ganz gut.“  Auch wenn der Film nur fünf Minuten lang ist – er trifft Kränzleins Intention und Arbeitsweise. „Meine Ausdrucksweise erklärt sich gut“, sagt er.

Gedreht wurde schon im Mai, nun ist der Film auf der Homepage des Kunsthaus Fischer, der Produktionsfirma AV Medien und auf Youtube zu sehen. Kränzlein selbst hat sich zwischenzeitlich mit Neuem beschäftigt: Der Anhaltische Kunstverein in Dessau wollte für eine Ausstellung ein Selbstporträt von Dieter Kränzlein. Da der Bildhauer nur abstrakt arbeitet, war dies eine Herausforderung. Doch es gelang ihm, in einem Steindruck sein Konterfei passend zu treffen.

Zudem gilt es, Arbeiten für die Jahresausstellung des Verbands Bildender Künstler und Künstlerinnen Baden-Württemberg zusammen zu stellen. Sie wird vom 12. September bis 19. Oktober im Kreishaus in Ludwigsburg gezeigt. 2019 wird Kränzlein auch in New York, Genf und Hongkong zu sehen sein.

www.youtube.com/dieterkraenzlein

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