Reformation Ein Bietigheimer gestaltet die Reformation mit

Sebastian Hornmold auf einem Gemälde im Hornmoldhaus aus dem 16. Jahrhundert.
Sebastian Hornmold auf einem Gemälde im Hornmoldhaus aus dem 16. Jahrhundert. © Foto: Martin Kalb
Bietigheim-Bissingen / Uwe Mollenkopf 05.05.2017

Württemberg im Jahr 1534: Der schillernde Herzog Ulrich ist mit hessischer Unterstützung und französischem Geld aus dem Schweizer Exil zurückgekehrt und hat die habsburgische Regierung vertrieben. Es soll für das Land nicht nur ein Wechsel der Herrschaft werden, sondern auch der Religion: Ulrich führt die neue Lutherische Lehre ein. Am 16. Mai 1534 wird in Stuttgart der erste öffentliche evangelische Gottesdienst gehalten. Doch um das ganze Land religiös um­zukrempeln, braucht es viel mehr, vor allem auch fähige und loyale Mitarbeiter. Einen von ihnen findet Ulrich in Bietigheim: Sebastian Hornmold. Mit der Rückkehr des Herzogs beginnt sein Aufstieg als Mitgestalter der Reformation, wie auch die jüngst im Bietigheimer Stadtmuseum eröffnete Ausstellung zeigt.

Ulrich kennt Hornmold schon seit Kindesbeinen an. Er hatte ihn im Alter von zehn Jahren an die Hofkantorei nach Stuttgart geholt. 1500 als Sohn eines Weinhändlers und Bürgermeisters geboren, gehört Sebastian Hornmold zu einer bedeutenden Familie in der Stadt. Als der Herzog wegen etlicher Vergehen 1519 vertrieben wurde, hatte er weiter Kontakt mit ihm gehalten und war deshalb von der habsburgischen Statthalter-Regierung der Universität verwiesen und zeitweilig gefangen gesetzt worden.

Dafür wird er jetzt von Ulrich reich belohnt: Er erhält das „verstaatlichte“ Haus der Bietigheimer Johannespfründe, das heutige Hornmoldhaus, und wird zum Vogt ernannt. Darüber hinaus wird er mit Landesaufgaben betraut, die so umfassend sind, dass er bald darauf seinen Sohn als Vertreter im Amt des Vogtes braucht.

Ulrich und seine Regierung stehen vor einem Berg voller Aufgaben. Für die neue Religion braucht man Pfarrer. Doch woher nehmen? Die bisherigen katholischen Seelsorger lehnen einen Übertritt zum neuen Glauben größtenteils ab. Die große Mehrheit geht lieber außer Landes, von 1200 Klerikern bleibt nur rund ein Drittel. Man muss den Gottesdienst und das Schulwesen neu ordnen  und braucht vor allem viel Geld. Dieses besorgt sich Ulrich unter anderem durch Steuern auf Geistliche, wie ein Exponat der Ausstellung zeigt, und durch die Auflösung der Klöster. Hornmold ist für die wirtschaftliche und verwaltungstechnische Durchführung der Reformation, insbesondere die Abwicklung der Klöster im näheren Umkreis, zuständig. Das birgt auch persönliche Risiken: Brenzlig wird es für ihn, als der Habsburger-Kaiser Karl V. zum Gegenschlag ausholt und die protestantischen Fürsten im Schmalkaldischen Krieg 1547 bei Mühlberg besiegt. Truppen rücken ein, Hornmold wird steckbrieflich gesucht, muss sich verstecken. Die kaiserlichen Soldaten halten sich an seinem Haus schadlos und rauben dabei 70 000 Liter Wein.

Doch am Ende scheitert die Politik des Kaisers zur Eindämmung der Reformation, und Hornmold widmet sich von 1553 bis 1560 als Direktor des herzoglichen Kirchenrats unter Ulrichs Sohn, Herzog Christoph, wieder mit ganzer Kraft deren Umsetzung.

Die Krönung dieser Arbeit ist die im Jahr 1559 erlassene „Große Kirchenordnung“, an deren Entstehung er beteiligt ist. Sie enthält unter anderem das protestantische Glaubensbekenntnis im Land, regelt Predigt und Gottesdienste, Stellenbesetzung, Besoldung und Kontrolle von Kirchendienern, aber auch Fragen des Schuldienstes und der Armenfürsorge. Sie behält bis 1806 ihre Gültigkeit.

Sebastian Hornmold kehrt 1565 aus Stuttgart nach Bietigheim zurück und stirbt 1581. Wie in der Ausstellung zu sehen ist, ist der treue Gefolgsmann mit der Vergütung seiner vielen Dienste für das Land am Lebensabend nicht zufrieden. Vor seinem Tod hat er eine 26 Seiten umfassende „Supplikation“, ein Gesuch an den Landesherrn, verfasst. Ziel: Dieser soll für Hornmolds Leistungen, die er auflistet, den noch ausstehenden Lohn herausrücken.

Info Infos zu Sebastian Hornmold gibt es im Stadtmuseum Hornmoldhaus sowie auch auf dessen Internetseite.

www.stadtmuseum.bietigheim-bissingen.de

Info

Infos zu Sebastian Hornmold gibt es im Stadtmuseum Hornmoldhaus sowie auch auf dessen Internetseite.

www.stadtmuseum.bietigheim-bissingen.de

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