Drehmoment Dürr-Roboter machen eine Show

Von Gabriele Szczegulski 08.09.2018

Mit dem Zusammentreffen des Stuttgarter Künstlers Joachim Fleischer und der Bietigheim-Bissinger Firma Dürr Systems AG für das Projekt „Drehmoment“ der Kulturregion Stuttgart, das die Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen präsentiert, „kam zusammen, was zusammen passt“, sagt Dr. Hans Schumacher, Leiter der Division Application Technology und Vorstand bei der Dürr Systems AG. Er ist zuständig für die Roboter, die bei Dürr hergestellt werden. Joachim Fleischer ist ein großer Roboter-Fan: „Für mich geht ein Traum in Erfüllung, dass ich nun mit Robotern eine Show machen kann“.

Wenn die Lichtshow namens „Weiße Zeit“ von Fleischer am Donnerstag, 11. Oktober, im Foyer der Dürr AG gezeigt wird, hat der Künstler schon Wochen der Arbeit und des Programmierens von drei Lackierrobotern hinter sich. Ohne langes Zögern stellte Schumacher als verantwortlicher Divisionsleiter sie  ihm zur Verfügung. „Ernsthaft: Ich habe ihm sogar einen Job angeboten, weil er so gut programmieren kann“, so Schumacher. Fleischer lehnte dankend ab, aber eine weitere Zusammenarbeit schließen beide Seiten nicht aus, zu viel Spaß machte es sowohl den Mitarbeitern der Firma als auch dem Künstler.

Joachim Fleischer ist international bekannt für seine Lichtinstallationen, mit denen er schon die Innenstadt von Hongkong illuminierte oder das Münster in Ulm scannte. In der Städtischen Galerie zeigt er Werke und Fotos seiner Arbeiten, die sich immer um Licht und Schatten, um Licht im Raum drehen. Komplex sind seine Lichtsysteme, die den Raum oder das Objekt bis in die hintersten Winkel im wahrsten Sinne des Wortes durchleuchten. „Ich erfülle gerne den Raum mit Licht“, sagt Joachim Fleischer und erklärt weiter, dass es eine Art Abtastung sei, die er mit Hilfe neuester Technologien durchführe.

Und genau da ist er bei Dürr genau richtig. Denn auch die Lackierroboter, so Schumacher, müssten in jede Ecke des Objekts Farbe auftragen. Mittlerweile, so Schumacher, gebe es auch kleine Roboter, die beispielsweise für das Lackieren von Möbeln verwendet werden. „Das ist ein neues Standbein für Dürr, um weitere Kunden neben denen aus der Autoindustrie zu gewinnen“, sagt er und erzählt, dass einer der Maschinen in Korea Motorradhelme lackiert. „Für uns ist auch das Objekt, das lackiert werden soll, immens wichtig, damit müssen wir uns beschäftigen, so wie Joachim Fleischer es mit den Räumen, die er beleuchten will macht“, sagt er.

Die öffentliche Lichtshow im Foyer der Firma ist für Schumacher immens wichtig. „Wir wollen uns damit öffnen, denn eigentlich arbeiten wir eher im Verborgenen, nur selten kommen Bürger zu uns und sehen, was wir machen.“ Für ihn ist aber auch die Verbindung zur Kunst wichtig. „Es geht nicht nur um Kultursponsoring, wie viele internationale Firmen es machen, es geht darum, dass Kunst in diesem Fall eines unserer Produkte in Szene setzt und Joachim Fleischer den Roboter damit einen gesellschaftlichen Kontext herstellt“, so der Manager. Ein  weiterer Aspekt sei, sagt er, „unsere Arbeit und unsere Produkte einmal von einem anderen Standpunkt zu zeigen und vor allem unseren Mitarbeitern Wertschätzung entgegen zu bringen, so dass sie stolz auf ihre Arbeit sind“. Eine andere Perspektive auf das Produkt Roboter, so meint er, motiviere die Mitarbeiter. Somit, so Schumacher, sei die Show von Nutzen für die Einstellung im und zum Unternehmen. „Damit können wir eine Nähe aufbauen zum Unternehmen, wie wir es sonst nur am Familientag machen, an dem unsere Mitarbeiter ihren Familien zeigen, wo und wie sie arbeiten.“

Ausstellung Drehmoment

Mit dieser Folge geht die Vorstellung der Künstler, die im Rahmen des Projekts der Kulturregion Stuttgart, „Drehmoment“, für die Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen mit hiesigen Firmen zusammenarbeiten, zu Ende. Die Ausstellung ist noch bis zum 14. Oktober zu sehen. Sie zeigt Arbeiten der Künstler Nandor Angstenberger, Pia Lanzinger und Joachim Fleischer. Ein Künstlergespräch mit den drei Künstlern gibt es am Freitag, 5. Oktober, 18 Uhr in der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen. Öffentliche Führungen gibt es am 16. September und am 7. Oktober,  jeweils 11.30 Uhr, und am 14. Oktober, 16.30 Uhr.

Die zentrale Eröffnung von „Drehmoment“ ist am 4. Oktober, 18.30 Uhr, im Wizemann in Stuttgart. Am Donnerstag, 11. Oktober, 18.30 Uhr, zeigt Joachim Fleischer seine szenische Installation mit 3 Robotern und Licht, „Weiße Zeit“ im Foyer der Dürr AG, Carl-Benz-Straße 34. Ein Künstlergespräch mit ihm gibt es am Donnerstag, 18. Oktober, 19 Uhr, in der Städtischen Galerie.

Pia Lanzingers Aufführung „Arche Atlanta“ wird am Dienstag, 9. Oktober, 19.30 Uhr, im Kronenzentrum aufgeführt. Die Werke von Nandor Angstenberger, die er in Zusammenarbeit mit der Löchgauer Firma Konzelmann machte, sind in der Galerie. sz

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