Bietigheim-Bissingen Dürr investiert zehn Millionen am Hauptsitz

Bietigheim-Bissingen / ANDREAS LUKESCH 19.07.2013
Der Anlagen- und Maschinenbauer Dürr investiert weiter kräftig am Standort Bietigheim-Bissingen. Und das nicht nur räumlich: Auch die Mitarbeiterzahl wächst.

Dass sich Dürr in Bietigheim-Bissingen mehr als wohlfühlt, ist augenfällig. Der Campus an der Carl-Benz-Straße ist in den letzten Monaten um eine mehr als 6.000 Quadratmeter umfassende dritte Halle für die Robotermontage gewachsen. Das neue Gebäude auf einem ehemaligen Mitarbeiterparkplatz erweitert die Produktionsfläche des Anlagen- und Maschinenbauers nun auf fast 18.000 Quadratmeter. Dürr montiert dort Industrieroboter für den Automobilbau, vorrangig für Lackieranlagen.

Hintergrund der räumlichen Erweiterung sind die guten Wachstumsperspektiven des Unternehmens, wie Vorstandsvorsitzender Ralf W. Dieter am Donnerstag bei der Präsentation der neuen Halle erklärte. Wenngleich der Neubau zunächst nicht mit einer Kapazitätserweiterung verbunden ist. Vielmehr kann Dürr jetzt die Robotermontage auf dem Campus konzentrieren. Bisher war ein Teil der Produktion in angemietete Hallen vor allem in Ludwigsburg ausgelagert. "Mit der neuen Halle entfällt ein großer Teil des logistischen Aufwands, der bei einer räumlichen Trennung nötig ist. Die Arbeitsabläufe werden insgesamt effektiver", so Dieter. In dem Neubau wurden außerdem Flächen für Logistik und Qualitätssicherung geschaffen. Er ist über einen Verbindungsgang an die bestehenden Montagehallen angebunden.

Dürr-Chef Dieter hob in dem Zusammenhang ausdrücklich das Entgegenkommen der Stadt hervor, die es schnell und unbürokratisch ermöglicht habe, am nahegelegenen Bahndamm eine Ersatzparkfläche für die Mitarbeiter zur Verfügung zu stellen.

Darüber hinaus hat Dürr für rund zwei Millionen Euro sein Testcenter für Lackiertechnik am Standort Bietigheim-Bissingen umgebaut und auf den neuesten technischen Stand gebracht. Die Lackierkammern stellen nach Dürr-Angaben das weltweit größte Testcenter für Lackiertechnik dar. Unter realen Bedingungen können dort Automobilhersteller Lackierprozesse vor dem Großserienstart überprüfen und optimieren. Insgesamt können mehr als ein Dutzend unterschiedliche Lackierprozesse in der Kabine durchgeführt werden - je nach individuellem Anspruch des jeweiligen Autobauers, der seine "Rohlinge" gleich zum Testlauf nach Bietigheim-Bissingen mitbringt.

Man komme mit dem Umbau einem Kundenwunsch nach. Lackierversuche würden von den Herstellern verstärkt nachgefragt, erläuterte Dr. Hans Schumacher, Leiter des Unternehmensbereichs Application Technology (Roboter- und Applikationstechnik). In den insgesamt drei Lackierkabinen kommen also die Roboter zum Einsatz, die nebenan für die Automobilproduktion in der ganzen Welt hergestellt werden. Eine so enge Verzahnung von Technikum und Montage an einem Standort gibt es in dieser Form kein zweites Mal, sagte Dieter.

Dürr macht seine Geschäfte vor allem in Übersee und Asien. Befürchtungen, dass angesichts des gebremsten Aufschwungs unter anderem in China die neue Montagehalle nicht ausgelastet sein könnte, hat Dieter nicht. Sein Argument: Die Automobilindustrie plane weiterhin zahlreiche Investitionsprojekte, zum Beispiel für die Automatisierung der Fahrzeuginnenlackierung. Mit Hightech-Innovationen will Dürr den Anforderungen begegnen. Hinzu kommt, dass der Konzern zu 70 Prozent mit der Nachrüstung von älteren Lackieranlagen beschäftigt ist.

Die Gesamtinvestitionen in Neubau und Erweiterung betragen nach Konzernangaben rund zehn Millionen Euro. Und Dürr will am Standort Bietigheim-Bissingen noch mehr investieren. Innerhalb der nächsten zwei Jahre soll östlich der jetzt bezogenen neuen Produktionsfläche eine weitere Halle entstehen. Die Zahl der Mitarbeiter soll ebenfalls weiter wachsen. Sie ist allein in Bietigheim-Bissingen in den zurückliegenden Jahren um mehrere hundert angestiegen und beträgt aktuell 1862. 60 offene Stellen sind derzeit noch zu besetzen.

Roboter von Dürr