Bietigheim-Bissingen DRK will Rettungskette ausbauen

Sanitätshelfer Alexander Bauer vom Bietigheimer DRK misst bei Patientin Sophia Keller die Vitalwerte und kümmert sich um die Erstversorgung.
Sanitätshelfer Alexander Bauer vom Bietigheimer DRK misst bei Patientin Sophia Keller die Vitalwerte und kümmert sich um die Erstversorgung. © Foto: DRK Bietigheim
Bietigheim-Bissingen / STEPHANIE KEBER 03.11.2015
Sie sind rund um die Uhr, am Wochenende, Feiertagen oder nachts zur Stelle: die freiwilligen Mitglieder des DRK. Um in Notsituationen noch bessere Hilfe leisten zu können, sollen "Helfer vor Ort" eingesetzt werden.

"24/7", also 365 Tage und rund um die Uhr sind die ehrenamtlichen Helfer des Ortsvereins Bietigheim des Deutschen Roten Kreuzes in Bereitschaft, um zu helfen, wo ihre Hilfe nötig ist. Der Verein engagiert sich in den verschiedensten Bereichen. "Überall, wo Hilfe benötigt wird, sind wir zur Stelle", sagt Alexander Bauer, Pressesprecher des Bietigheimer DRK. Neben der Einsatzbereitschaft führt der Ortsverein auch Blutspenden durch, sichert Sport- und Großveranstaltungen, bildet in Erster Hilfe aus und engagiert sich in der Jugendarbeit, so Bauer. Zudem ist die Ortsgruppe im Katastrophenschutz tätig.

Als Ergänzung zur bisherigen Rettungskette will der Bietigheimer Ortsverein jetzt auch drei Helfer vor Ort oder "First Responder" einsetzen, erzählt Bauer. Sie sollen die Zeit am Einsatzort mit ersten qualifizierten medizinischen Maßnahmen überbrücken, bis Rettungs- und Notarztwagen eintreffen. "Oft sind alle verfügbaren Rettungswagen im Einsatz, sodass erst eines frei werden oder ein anderes von weit her anfahren muss", sagt Bauer. Je schneller qualifizierte Hilfe beim Patienten ankommt, zum Beispiel in Form des Reanimationsbeginns, desto besser, sagt der Pressesprecher. Um dies gewährleisten zu können, ist eine "spezielle erweiterte sanitätsdienstliche Ausbildung" vorgeschrieben, die drei Mitglieder des Ortsvereins bereits absolviert haben, erklärt er. Die Helfer arbeiten trotzdem ehrenamtlich in ihrer Freizeit oder während ihrer regulären Arbeitszeit. Erreichbar sind sie jederzeit über das Handy, das bei der Leitstelle eingeloggt ist. "Vorausgesetzt, der Helfer hat Zeit. Ist das nicht der Fall, können sie sich auch außer Dienst setzen lassen, wenn sie zum Beispiel mal nicht zu Hause sind", sagt Bauer.

Nicht nur die Helfer sind schon ausgebildet, sondern auch der Ablauf der Alarmierung ist bereits festgelegt. "Disponiert die Rettungsleitstelle einen Einsatz in der Nähe der eingeloggten Person, dann schlägt der Einsatzleitrechner diese Person mit vor. Der Disponent kann dann die Einsatzmeldung dem Helfer per SMS zusenden, die dieser dann quittiert", sagt Bauer.

Damit die Einsatzkräfte diese Helfer-vor-Ort-Dienste übernehmen können, sei aber ein kleines Einsatzfahrzeug notwendig. Dieses muss mit Verbandsmaterial, Sauerstoffflasche, einem Defibrillator und weiteren Messgeräten ausgestattet werden. "Technische Geräte wie Funkanlage und Sondersignal- und Wegerechtsanlage müssen auch rein", sagt der Pressesprecher. Dies sei jedoch mit hohen Kosten verbunden, weshalb die drei Helfer vor Ort bisher noch nicht eingesetzt werden können, erzählt Alexander Bauer vom DRK Ortsverein.

Jahreshauptversammlung des DRK: Fusion von Bietigheimer und Bissinger Ortsvereinen

Termin An diesem Dienstag kommen die Mitglieder des Deutschen Roten Kreuzes um 19 Uhr im Bietigheimer Rathaus zu ihrer konstituierenden Jahreshauptversammlung zusammen. Auf der Tagesordnung steht neben Grußworten und Berichten auch die Fusion der beiden Ortsvereine Bietigheim und Bissingen.

Folgen Die mögliche Fusion war unlängst auch Thema im Verwaltungs- und Finanzausschuss. "Das ist eine Geschichte, die die Stadt sehr begrüßen würde", sagte dazu Bürgermeister Joachim Kölz. Auf das Thema gekommen waren die Gremiumsmitglieder, weil im Haushaltsentwurf je 250.000 Euro im kommenden und im Jahr 2017 als Baukostenzuschuss eingeplant sind. Bei einer Fusionierung könne man darüber nachdenken, diese Mittel zu gewähren. Denn das DRK brauche ein Gebäude, um die Einsatzfahrzeuge unterzubringen. So habe derzeit etwa der Bissinger Ortsverein, der im Gebäude des THW sitzt, keine Abstellplätze dort.

Kritik Doch das sah nicht jeder Stadtrat so, der Freie Wähler Wassilios Amanatidis kritisierte die geringen Aktivitäten der Bissinger, die sich nur auf Blutspendetermine beschränkten. Der Ortsverein sei "völlig überflüssig". Dem widersprach Kölz, verbunden mit der Hoffnung, dass sich das Engagement nach der Fusion auch verstärke.

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