Galerie Drei Künstler und drei Firmen

Ein Detail einer Arbeit von Nandor Angstenberger.
Ein Detail einer Arbeit von Nandor Angstenberger. © Foto: Galerie
Bietigheim-Bissingen / Gabriele Szczegulski 04.07.2018

Wieder einmal hat Bietigheim-Bissingen die Nase vorn: Die Städtische Galerie macht den Auftakt zum Produktionskunst-Festival „Drehmoment“ der Kulturregion Stuttgart. Wie die BZ berichtete, wird das alle zwei Jahre stattfindende Kunstfestival, das in diesem Jahr unter dem Motto „Drehmoment“ steht, erst am 4. Oktober in Stuttgart eröffnet.

Doch die Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen zeigt die Ausstellung dreier Künstler, die im Rahmen des Projektes gearbeitet haben, schon ab 24. Juli. „Das Thema Kunst und industrielle Produktion treibt uns in der Galerie schon seit Längerem um, deswegen haben wir uns bei der Kulturregion beworben“, sagt Galerieleiterin Isabell Schenk-Weininger. Seit 2014 ist Bietigheim-Bissingen Mitglied der Kulturregion.

Der Ausstellungskalender der Galerie, so erklärt sie, lasse jedoch während dem offiziellen Festival-Zeitraum vom 4. bis 28. Oktober keine Schau zu, „also machen wir den Auftakt schon im Juli“, sagt sie. Für Schenk-Weininger war aber klar, dass die Galerie über das Projekt hinaus auch eine Ausstellung mit anderen Werken der Künstler ausrichten wird und nicht nur das für das Festival entstandene Objekt zeigen wird. „Ich finde den Kontext schon wichtig, zu zeigen, wie die Künstler sonst arbeiten“, sagt sie. Das Festival schafft der Kunst Zugang zur Industrie. Im Fokus der künstlerischen Arbeiten stehen die Veränderungen in der Lebens- und Arbeitswelt, wobei sich die Künstler direkt auf die Firmen, mit denen sie kooperieren, beziehen.

Auch in Bietigheim-Bissingen fanden sich drei Industrieunternehmen, die das Experiment wagten, ja, sogar noch weitergingen, und mit den Künstlern zusammen arbeiteten, sie in Bereiche ließen, die sonst tabu sind. Die Künstler wurden vom künstlerischen Leiter der Kulturregion, Benjamin Heidersberger vermittelt, Isabell Schenk-Weininger hat aber mit Nandor Angstenberger, Joachim Fleischer und Pia Lanzinger schon zusammengearbeitet. „Deshalb war es leicht, für sie die richtigen Firmen zu finden.“

Plastik ist ein Werkstoff, mit dem der Berliner Künstler Nandor Angstenberger hauptsächlich arbeitet. Da war es für ihn ein Volltreffer, dass die Löchgauer Firma Konzelmann beim Projekt mitmacht und er so aus den hochwertigen Kunststoffspritzgussprodukten, die die Firma produziert, schöpfen kann. Für Angstenberger ist die Wegwerfmentalität immer ein Thema und mit den seriellen Artikeln der Löchgauer Firma arbeitet er an Skulpturen, für die er die künstlichen Artikel mit Naturprodukten zusammen bringt. Diese Skulptur wird in der Städtischen Galerie aufgestellt.

Der Stuttgarter Lichtkünstler Joachim Fleischer realisierte schon zahlreiche Lichtinstallationen im öffentlichen und musealen Raum, unter Einbeziehung von Robotern. Auch er scheint bei der Dürr AG am richtigen Platz zu sein, in deren Robotermontage er die Beziehung zwischen Mensch und Maschine fotografierte. Diese Fotoserie wird in der Galerie zu sehen sein, eine szenische Lichtinstallation mit drei Robotern aber wird im Foyer der Firma selbst gezeigt.

Die Münchener Konzeptkünstlerin Pia Lanzinger schaffte es gar, in den letzten Monaten Mitarbeiter der Firma Atlanta Antriebssystem zu einer Bühnen-Performance zu überreden. In der Bühnen-Performance „Arche Atlanta“, die im Kronenzentrum am 9. Oktober aufgeführt wird, schildern Mitarbeiter ihren Alltag. Das Bild der Arche reflektiert dabei ein Gefühl der Geborgenheit in der Arbeitsgemeinschaft.

Info „Drehmoment“, Produktionskunst mit Nandor Angstenberger (Firma Konzelmann, Löchgau), Joachim Fleischer (Dürr, Bissingen) und Pia Lanzinger (Atlanta, Bietigheim) wird vom 24. Juli bis zum 14. Oktober in der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen gezeigt. Am Dienstag, 9. Oktober, 19.30 Uhr, gibt es „Arche Atlanta“ im Kronenzentrum. Joachim Fleischer präsentiert seine szenische Installation mit drei Robotern, „Weiße Zeit“, am Donnerstag, 11. Oktober, 18.30 Uhr, bei der Dürr AG sowie ein Künstlergespräch ebenda am Donnerstag, 18. Oktober, 19 Uhr.

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