Bietigheim-Bissingen / Uwe Mollenkopf

Der Bedarf an zusätzlichen Kindergartenplätzen in Bietigheim-Bissingen ist groß. Der Kindergartenbedarfsplan vom vergangenen Juni listete bis 2021 ein Defizit von rund 250 Plätzen auf. Entsprechend laufen die Planungen in der Stadtverwaltung auf Hochtouren, neue Plätze zu schaffen. Dabei will man auch zu ungewöhnlichen Mitteln greifen: Am Dienstag, 12. März, soll der Gemeinderat über die Einrichtung einer Kindertagesstätte auf dem Dach eines Lidl-Neubaus in der Gustav-Rau-Straße beraten.

Der Discounter will dort seinen bestehenden Markt durch einen größeren ersetzen. Der Neubau soll an der Südseite des Grundstücks entstehen, wo jetzt Parkplätze sind, dafür sollen am jetzigen Standort neue Parkplätze angelegt werden. Die Verkaufsfläche soll sich durch den Neubau von jetzt 1200 Quadratmetern auf 1700 vergrößern, Lidl würde also 500 Quadratmeter hinzugewinnen.

62 neue Kita-Plätze

Hinzugewinnen könnte auch die Stadt, nämlich 62 Betreuungsplätze für Kinder. Wie bereits in der Kita-Ausbauplanung anvisiert, hat die Stadt die Möglichkeit, im Obergeschoss des neuen Einkaufsmarkts eine Kindertagesstätte erstellen zu lassen und anzumieten. Die Stadtverwaltung schlägt vor, eine Ganztagsgruppe für Kinder über drei Jahren, eine altersgemischte Ganztagsgruppe sowie zwei Ganztagskrippengruppen dort einzurichten. Für die Kita sind 940 Quadratmeter Nutzfläche und 417 Quadratmeter Nebenfläche geplant. Im Außenbereich auf dem Discounter-Dach sind Spielflächen mit Sandkasten, Schaukel oder Kletterbereich vorgesehen. Insgesamt stehen somit 1357 Quadratmeter Fläche zur Verfügung.

Der Mietpreis soll laut der Gemeinderatsvorlage monatlich 16­ 185 Euro betragen. Die Stadtverwaltung hält diese Höhe unter Berücksichtigung zusätzlicher Leistungen und Besonderheiten für realistisch, insbesondere auch mit Blick auf die besonderen baulichen Ansprüche einer Kita. So sind in dem Mietpreis unter anderem die Herstellung der Außenspielbereiche und die Spielgeräte enthalten. Zudem sei der erhöhte Schallschutz für den Kitabetrieb zu bedenken. Für eine spätere Nachnutzung, zum Beispiel als Bürofläche, seien umfangreiche Umbauten nötig.

Anmietung auf 15 Jahre

Die Stadt will die Kindertagesstätte langfristig, für zunächst 15 Jahre, mit dreimaliger Verlängerungsoption über jeweils fünf Jahre, anmieten. Das schaffe die notwendige Flexibilität, um auf den Bedarf an Kita-Plätzen entsprechend reagieren zu können. Als weiterer Vorteil wird gesehen, dass die der Kita direkt zugeordneten sowie die für den Einkaufsmarkt vorgesehenen Parkplätze für eine zentrale Ganztagseinrichtung, die nicht nur der Umgebungsbebauung dient, besonders günstig seien. Insofern sei die Verbindung mit dem Einkaufsmarkt für die Kita ein Gewinn. Als Nachteil gilt, dass die Stadt, da sie nicht Investor wäre, keine Mittel aus dem Investitionsförderprogramm beantragen kann.

Das Baugesuch sowie die für die Realisierung der Gesamtbaumaßnahme notwendige Änderung des Bebauungsplans sollen in einer späteren Sitzung beraten werden. Vorab strebt die Verwaltung an, eine Grundsatzentscheidung über das Kita-Projekt im Obergeschoss des Einkaufsmarkts zu treffen. Danach richte sich auch der weitere Zeitplan, teilt Pressesprecherin Anette Hochmuth mit. In der Vorlage an den Gemeinderat geht die Verwaltung aber davon aus, dass die erhofften 62 Ganztagsplätze „relativ kurzfristig“ geschaffen werden.