Was war, was kommt Dirtpark statt Mensa

Andreas Lukesch  zieht mal wieder alles und jeden in den Schmutz.
Andreas Lukesch zieht mal wieder alles und jeden in den Schmutz. © Foto: Andreas Lukesch
Andreas Lukesch 21.07.2018

Endlich hat auch Bietigheim-Bissingen sein Flughafen-Bahnhof 21. Man hätte sonst auf die Idee kommen können, in der Doppelstadt an Enz und Metter ist alles in Butter. Ist es natürlich nicht, weiß ja jedes Kind, ganz im Gegenteil. Planung und Ausführung von stinknormalen Bauprojekten, die man früher mal so eben zwischen zwei Viertele erledigt hat, beschäftigen nun auch in Bietigheim-Bissingen verlässlich mehrere Generationen und werden von Tag zu Tag teurer. Endlich können engagierte Rentner mit jeder Menge Zeitreserven auch vor der Hillerschule eine Mahnwache einrichten und müssen nicht ständig mit der Bahn nach Stuttgart fahren, um ihren Frust loszuwerden. Protest gegen die Verschwendung von Steuergeldern in nutzlose Prestigeprojekte, das geht nun auch in Bietigheim – wie praktisch. Sind wir doch mal ehrlich, da wird mir jeder von Ihnen aus der Kriegsgeneration zustimmen: Wozu brauchen die Kinder der Hillerschule eine neue Mensa? Sollen gefälligst zu Hause essen. Das hat uns früher auch nicht geschadet. Aber wir hatten ja nix damals, Sie wissen schon...

Und eine neue Turnhalle brauchen die schon gar nicht. Die wollen ja auch gar keine, glaubt man den Wünschen, die brave Jugendliche beim sogenannten Jugendgipfel vorgetragen haben. Die Jugend fordert lediglich einen Haufen Dreck, Lehm und Schlamm mit Gratis-W-Lan, um sich wohl zu fühlen, zumindest solange sie noch präpubertär ist. Erst später kommen bewusstseinserweiternde Substanzen und die generelle Abschaffung von Erziehungsberechtigten hinzu. So lange sich aber die Hoffnungsträger unserer künftigen Gesellschaftsordnung mit einem Dirtpark zufrieden geben, ist die Sache unproblematisch und vor allem billig. Wir schütten einfach den Bürgergarten als Überbleibsel einer Gartenschau, an die sich sowieso kaum mehr jemand erinnern kann, mit Erdaushub von Stuttgart 21 zu, kippen Wasser drüber – fertig ist der Dirtpark und alle sind happy. Baubürgermeister Kölz muss sich ob der Planungsleistungen seines Hauses nicht als neuer Chef für das Bahnprojekt Stuttgart 21 empfehlen und wir ersparen uns quälende Diskussionen im Gemeinderat. Niemand würde allmontaglich durch die Altstadt demonstrieren mit Transparenten wie „Kein Millionengrab Hillerschule: Lieber alles in den Dreck ziehen“. Aber die Rentner, die engagiert-kritischen, die müssten sich dann wieder ein neues Betätigungsfeld für ihr angestautes Protestbedürfnis suchen. Aber ich bin mir ganz sicher: Sie werden etwas finden.

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