Bietigheim-Bissingen Diese Kultur-Wundertüte ist proppenvoll

Das Lindenhof-Theater schwäbelte in „Gaisburger Marsch“ auf der Bühne im Rathaushof und köchelte ein Menü der Gassenhauer.
Das Lindenhof-Theater schwäbelte in „Gaisburger Marsch“ auf der Bühne im Rathaushof und köchelte ein Menü der Gassenhauer. © Foto: Helmut Pangerl
Von Gabriele Szczegulski 14.07.2018

Höhepunkt auf Höhepunkt folgt bei diesem „Best of Wunderland“. Wenn man nach zwei Stunden Musik, Theater, Kleinkunst und Akrobatik dachte, besser geht’s nicht, dann hüpft plötzlich am Kronenplatz ein junger Artist über die Köpfe der Zuschauer und macht Dinge, von denen man nie dachte, dass der menschliche Körper sie kann. Absolventen der Staatlichen Artistenschule Berlin zeigen „Zoophobia – eine artistische Fabel“ und landen damit einen Knaller auf dem Bietigheimer Wunderland.

Etwas noch nie Dagewesenes

Zehn Jahre Wunderland, das war Kulturamtsleiter Stefan Benning ein „Best of“ wert, will heißen, Künstler, die das Bietigheimer Publikum liebt, lässt er nochmals auftreten. Doch den Vogel schießt etwas Neues ab, etwas Unbekanntes, so in Bietigheim noch nie Dagewesenes. Es sammelt sich eine riesige Masse an Besuchern am Kronenplatz um Menschen mit Papiertiermasken auf der Bühne. Es ist eine Akrobatikshow, nachempfunden der Comicserie „Zoophobia“ von Vivienne Medrano, die die jungen Artisten sich aneigneten und daraus eine Akrobatikshow sondergleichen machten.

Da verwandeln sich Menschen in Tiere, immer mehr und mehr und so menschelt es bald in der Tierwelt. Da geht es um Mobbing, um Liebe, um Feindschaft. Und ein Affe in Menschengestalt hängt über dem Kronenplatz und fasziniert die Besucher mit seiner tierischen menschlichen Artistik. Es ist Niklas Bothe, der am Vertikalseil zaubert. Aber auch Marla Pistor am Luftring oder Andrea Matousek am Tanztrapez – jeder der zehn Künstler hält das Publikum mit seinem Können in Atem. Es ist eine Show der Superklasse, aber auch eine mit Inhalt: Was macht mich als Menschen aus, ist der Mensch die Krone der Schöpfung, oder ist er doch nur ein nackter Affe, der das Turnen nicht verlernt hat?

Wäre „Zoophobia“ nur eine artistische Nummer, kein tierisches Theater, dann wäre es toll, aber nichts Besonderes. „Zoophobia“ war der absolute Höhepunkt am Freitagabend.

Dabei darf man aber die Konkurrenz auf dem Bietigheimer Wunderland nicht vergessen, und die ist groß. Namen wie Miller Anderson oder Caro Josée, Tune Circus oder The Phunkguerilla ziehen die Massen in die Altstadt. Schon um 20 Uhr war vor den Bühnen kein Durchkommen mehr und es wurden halbstündlich noch mehr Besucher. Denn auch der Wettergott meint es gut mit dem Wunderland, das in diesem Jahr trotz Bietigheimer Wiederholungskünstlern auch aus einer Wundertüte bestand.

Theater oder Seifenblasen

Die Bietigheim-Bissinger lieben ihr Wunderland, egal, ob es ihnen schwäbisches Theater oder Seifenblasen, Alternative Rock oder Kammermusik präsentiert. Denn Stefan Benning und sein Team haben für jeden etwas Kultur in ihrer proppenvollen Wundertüte, in die jeder gerne hineingreift.

Mal sehen, was am Samstag, an dem es noch mehr Programmpunkte gibt, auf die Besucher wartet: Ab 12 Uhr gibt es Programm auf den Bühnen, die Walkacts sind schon ab 11 Uhr in der Stadt unterwegs. Bis Mitternacht wird das ganze Spektrum der Kultur präsentiert.

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