Kreis Ludwigsburg Die Schulen rüsten digital auf

Die Digitalisierung in Klassenzimmern schreitet voran. In vielen Fächern findet das Tablet oder das Smartphone mittlerweile Verwendung bei Übungsaufgaben.
Die Digitalisierung in Klassenzimmern schreitet voran. In vielen Fächern findet das Tablet oder das Smartphone mittlerweile Verwendung bei Übungsaufgaben. © Foto: DPA
Von den BZ-Redakteuren 07.06.2018

Overhead-Projektor, Bücher schleppen und Röhrenbildschirme – so sah Schule vor 30 Jahren aus. Seit der Einführung von W-Lan, Tablets, Smartphone und Co. sollte man meinen, dass auch in Schulen die Digitalisierung weit vorangeschritten ist. Wie die Realität aussieht – ein Überblick.

Vor drei Jahren startete im Lichtenstern-Gymnasium in Sachsenheim die digitale Offensive. Seitdem bringen Lehrer Laptops oder Tablets mit in den Unterricht. „Es gibt trotzdem noch klassische Elemente wie Bücher und Tafeln“, verrät Schulleiter Reinhardt Gronbach. Es sei aber überaus praktisch, im Unterricht schnell Filmsequenzen auf das Whiteboard zu projizieren und zu zeigen.

Die Netzgeschwindigkeit ist mittlerweile sehr gut. „Es gibt auch in jedem Zimmer W-Lan“, so der Schulleiter. Eine Dokumentenkamera ersetzt den Overheadprojektor und bildet das Originalbild direkt an der weißen Tafel ab. Smartphones müssen zwar in der Tasche bleiben, für bestimmte Aufgaben wie in Physik, um die Fallgeschwindigkeit zu messen, dürfen die Schüler in Gruppen diese allerdings einsetzen und auch auf das W-Lan der Schule zugreifen.

Die nächste Offensive ist die Auflösung des Computer-Raums. Stattdessen sollen Laptops und Tablets in jedem Klassenzimmer zum Einsatz kommen. Und schon jetzt gibt es zwei variable Laptop-Wagen und zwei Koffer mit Tablets. „Wir müssen die Jugend vorbereiten. Digital ist aber nur ein Aspekt,“ sagt Gronbach. Noch sei die Frage im Lehrerkolleg, wo der digitale Mehrwert liege und wo er sinnvoll in der Bildung eingesetzt werden kann.

Am Alfred-Amann-Gymnasium in Bönnigheim ist das Thema Digitalisierung Chefsache. „Ich treibe das voran, weil es mir sehr wichtig ist“, sagt Schulleiter Achim Salomon. Mit 50 MBit pro Sekunde sei die Netzgeschwindigkeit im Schulgebäude bisher noch ausreichend. In jedem Klassenzimmer ist das Internet über W-Lan erreichbar, allerdings nur für die Lehrer. Testweise haben drei Lehrer jetzt i-Pads im Unterricht eingesetzt. In einigen Klassenzimmern gibt es Beamer, andere hat Salomon mit 75 Zoll großen Bildschirmen ausstatten lassen. Sie alle sind an eine TV-Box von Apple angeschlossen, über die Lehrer sich mit dem i-Pad einwählen können, um Unterrichtsinhalte anzuzeigen und zu bearbeiten. Etwa die Hälfte des Kollegiums wird im nächsten Schritt ebenfalls mit i-Pads ausgestattet, die aus dem Schuletat der Stadt Bönnigheim bezahlt werden, kündigt er an. Für die Schüler werde es ebenfalls einen Klassensatz I-Pads geben. Eine andere Möglichkeit wäre es, das W-Lan auch für die Schüler freizugeben. „Aber soweit sind wir noch nicht“, sagt der Schulleiter.

Salomon ist klar, dass man den Gymnasiasten die Bedienung von Smartphone oder i-Pad nicht erst beibringen muss. Trotzdem sei es wichtig, in der Schule „am Puls der Zeit zu bleiben“. Es gehe nicht um die Bedienung der Geräte, sondern um die Beherrschung der Komplexität, zum Beispiel, wie man die Ergebnisse einer Google-Abfrage einordnet. „Das können die Schüler nicht“, sagt er.

In den Ellental-Gymnasien in Bietigheim-Bissingen sind nach Mitteilung der Schulleiter Gerda Grawunder und Lutz Kretschmer zwei siebte Klassen im Rahmen eines Pilotprojektes mit Tablets ausgestattet worden. „Zusätzlich verfügen wir über weitere Tablets, die flexibel in allen Klassen und Fächern eingesetzt werden können“, so die Rektoren. In den  kommenden zwei Schuljahren werden zwei weitere siebte Klassen in das Pilotprojekt einsteigen. Im Moment sind zwei Ebenen des Schulgebäudes mit W-Lan ausgestattet.

Das Projekt stoße sowohl bei den teilnehmenden Klassen wie auch bei den Lehrern auf großes Interesse und positive Resonanz, so Grawunder und Kretschmer. Für eine ausführliche Evaluation sei es aber noch zu früh, da die aktive Phase erst im letzten Februar begonnen habe. Beide gehen davon aus, dass sich im Hinblick auf veränderte Lern- und Lehrmethoden sowie Unterrichtserfordernissen die Digitalisierung an der Schule weiter beschleunigen wird.  Solange aber keine umfassende Ausstattung der Schülerschaft mit Tablets erfolgt sei, „wird der klassische Computerraum sicher nicht überflüssig werden“.

Tablets sind auch am Goethe-Gymnasium, am Friedrich-Schiller-Gymnasium sowie an der Eberhard-Ludwig-Schule in Ludwigsburg im Einsatz. Damit der Unterricht mit digitalen Medien nicht nur im Computerraum stattfindet, stehen an den Gymnasien Laptop-Wagen vor Ort. Somit können Lehrer und Schüler die Laptops problemlos transportieren. Am Friedrich-Schiller-Gymnasium läuft im kommenden Schuljahr das Pilotprojekt Biobooks an. Es handelt sich um ein digitales Biologiebuch für die sechste Klasse. Allein für dieses Projekt werden der sechsten Klassenstufe 64 Tablets zur Verfügung stehen. Wie Schulleiter Ulrich von Sanden berichtete, wird das W-Lan-Netz noch ausgebaut. In den Biologieräumen werden die tragbaren Router im kommenden Jahr durch feste ersetzt. „Ich hoffe, dass das auch in den Chemieräumen passiert“, sagt Gymnasiallehrerin Gabi Schnürlein-Land.

Digitale Schulen

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