Wettbewerb Die schöne Maja wiegt eine Tonne

Bietigheim-Bissingen / Von Ifigenia Stogios 04.09.2018

Auf dem Reitplatz hinter dem Viadukt warteten am Montag schon um 9 Uhr morgens Halter von Zucht-, Gebrauchs-, Reit- und Händlerpferden, bis sie ihre Vierbeiner vorführen durften. Der Grund: Es war Pferdeprämierung. 23 Preisrichter waren vor Ort und schauten sich gruppenweise die Pferde an. Das Team der Preisrichter besteht aus Tierärzten des Veterinäramts, Landwirten und Züchtern. Vorsitzender des Preisgerichts und Fachtierarzt für Pferde, Dr. Friedrich Lindner, schwärmte von den tollen Pferden, die auf dem Pferdemarkt zu sehen waren. Er verriet noch, worauf es bei der Auszeichnung ankomme.

Das erste Kriterium sei der Gesamteindruck. Gemeint ist, wie der Führer das Pferd präsentiert. Außerdem spielt die Statur eine entscheidende Rolle. Körper und Fundament machen den Unterschied. Zuletzt „beurteilen wir den Gang“, so Lindner. Das Pferd muss in der Lage sein ordentlich Schritt und Trapp zu laufen. Auch Dr. Siegfried Mochter, der bereits seit 48 Jahren Preisrichter ist, erzählte, was ein schönes Pferd ausmache. Es komme darauf an, wie gepflegt die Mähne und der Schweif sei. Ganz wichtig: „Die Hufen sollen sauber sein. Kopf, Hals und Rumpf müssen schön zusammen passen.“ Aber das allein reicht nicht. Sehr bedeutsam ist noch die Beziehung zwischen Pferd und Besitzer. „Das Pferd soll mit dem Führer vertraut sein, es muss ein gegenseitiges Vertrauen herrschen.“ Damit so eine Beziehung überhaupt zustande kommt, rät Mochter den Pflegehaltern bei jeder Gelegenheit das Tier „anständig und fein zu behandeln“. „Loben, klatschen, streicheln, gehören dazu.“

Einjährige Vorbereitung

All die Kriterien erfüllte wohl das schönste aller Pferde namens Maja. Sven Müller aus Alfdorf war das erste Mal auf der Prämierung in Bietigheim-Bissingen und schaffte es gleich mit seiner Kaltblut-Stute zu überzeugen. Maja ist ein weißes Percheron-Pferd, stammt aus der Normandie und wiegt stolze 1000 Kilogramm. Eine weiße Schönheit mit grau gepunktetem Fell, so ähnlich wie das Pferd von Pippi Langstrumpf. Doch selbst für Pippi sei das kräftige Pferd eine Nummer zu groß, kommentierte  der Moderator des Wettbewerbs und lachte. Neben sieben weiteren Kandidaten, die in die engere Auswahl kamen, schaffte es Maja die Jury für sich zu gewinnen. Die einjährige Vorbereitung zahlte sich aus.

Weitere Teilnehmer freuten sich auf gute Bewertungen. Nachdem Sandra Lay ihre zehnjährige schwarze Warmblut Hannoveraner-Stute stolz präsentiert hatte, erhielt sie eine goldene Schleife. „Sie war gelassen und tief entspannt“, sagte die Tammer Reiterin und zeigte auf das pechschwarze Tier, das nur einen einzigen weißen Fleck auf der Stirn hat. Schon allein die Haltung des Tiers habe die Preisrichter imponiert, berichtete sie. Lay war mit ihrem zehnjährigen Turnierpferd das erste Mal dabei.

Auch eine Bekannte von Lay, Janina Müller, aus Möglingen nahm dieses Jahr mit ihrem neunjährigen polnischen Warmblutpferd Ozelot teil. Das Tier schnitt super ab und erlangte ein Goldabzeichen. Den außergewöhnlichen Namen des Pferdes suchte sie zwar nicht aus, doch sie findet ihn originell, denn laut ihres Wissens gebe es in Deutschland kein anderes Pferd, das so heiße. Aus der Region war noch Heike Sautter aus Erligheim gekommen. Sie ist Mitglied des Bönnigheimer Pferdevereins. Die Frau stellte ihren „sanften Riesen“ vor. Obwohl der Friese zu den Kaltblütern gehöre, sei er mal wieder in die Gruppe der Warmblüter eingegliedert worden, erzählt sie. Warum das passiere, wisse sie selbst nicht. Seine Charaktereigenschaften vielleicht? „Es ist ein Familienpferd und hat gern eine Bezugsperson, wenn viel los ist, fühlt er sich allerdings nicht wohl.“ Immerhin fühlte sich die Besitzerin prächtig, denn er bekam ebenfalls eine goldene Schleife.

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