Schwerpunkt Schäfer und Schafe Die Schafordnung regelte Details

Ein Schäfer mit seiner Herde im Winter auf der Mühlwiese. Das Foto von Otto Schick entstand um 1935.
Ein Schäfer mit seiner Herde im Winter auf der Mühlwiese. Das Foto von Otto Schick entstand um 1935. © Foto: Stadtarchiv Bietigheim-Bissingen
Bietigheim / Uwe Mollenkopf 22.08.2018

Mit Bietigheim verbindet man vor allem das Pferd, während Markgröningen die Schäferlaufstadt ist. Wie ein Blick in die Stadthistorie zeigt, spielte in früheren Tagen aber auch an Enz und Metter die Schafhaltung eine gewisse Rolle. Zeitweilig wurden mehr Schafe gehalten als Rinder, Schweine und Pferde.

Der erste konkrete Hinweis auf Schafzucht findet sich aus dem Jahr 1490. Damals bestätigte der württembergische Graf Eberhard V. den Orten Asperg, Bietigheim, Bissingen, Eglosheim, Möglingen und Tamm das alte Herkommen, Schafe zu halten. Das heißt zugleich, dass die Schafzucht schon älter war. Günther Bentele nimmt in seinem Beitrag für die Stadtchronik „Bietigheim 789 bis 1989“ an, dass das Aufkommen der Schafhaltung im Zusammenhang mit dem Verfall der Getreidepreise Ende des 14. oder zu Anfang des 15. Jahrhunderts steht. Sie sei eine neue Möglichkeit gewesen, die Einnahmen wieder zu steigern.

In dem Erlass des Grafen ist von „Zuppenschafen“  (auch: Zaupelschafe) die Rede. Diese galten als minderwertig, warfen aber zweimal im Jahr und wurden zweimal geschoren. Bentele nimmt an, dass sie aufgrund der minderwertigen Wolle wegen des Fleisches gehalten wurden.  Insgesamt sei die Bedeutung der Schafhaltung für die spätmittelalterliche Wirtschaft der Stadt „nicht erkennbar“.

Details zur Schafhaltung regelte eine Schafordnung, die Herzog Ulrich im Jahr 1536 erließ. Wie Petra Schad, die Markgröninger Stadtarchivarin, in den Ludwigsburger Geschichtsblättern von 2011 feststellt, setzte er zur Verbesserung der Zucht auf flämische Schafe und verbot das Zaupelschaf. Die landesherrlichen Vorgaben waren auch deshalb wichtig, weil der Schäfer mit seinen Tieren auf fremden Grundstücken unterwegs war.

Im Mittelalter wurden in der sogenannten Dreifelderwirtschaft die Ackerflächen reihum mit Sommer- und Winterfrucht bebaut, ehe man ihnen eine einjährige Ruhepause gönnte. In dieser Zeit wurden die brach liegenden Äcker als Schaf- und Viehweide genutzt, wodurch sie gleichzeitig gedüngt wurden.

Schafhaus am Kronenberg

Als Stützpunkt des Schäfers diente das Schafhaus, das sich am Kronenberg befand. Dort waren neben der Wohnung des Stadtschäfers auch ausgedehnte Stallungen angebracht. 1883 wurde es abgerissen, und auf dem ehemaligen Holzgarten, in der Nähe des Viadukts, wurde ein neuer Schafstall gebaut.

Auch der Konflikt Schafhalter und Wölfe ist historisch dokumentiert. So vermehrten sich die Wölfe im Dreißigjährigen Krieg stark, wodurch die Schäfer im Land starke Einbußen zu verzeichnen hatten und Tag und Nacht bei ihren Herden bleiben mussten. Erst ab 1658 wurde auf fürstliche Anordnung in systematischen Wolfsjagden der Bestand der Raubtiere reduziert.

Bekannt ist, dass sich Herzog Carl Eugen besonders der Hebung der Schafzucht annahm. Eine Zählung während seiner Regierungszeit belegt, dass 1769 in Bietigheim 631 Schafe gehalten wurde, mehr als Rinder (467), Schweine (130) und Pferde (71). Knapp 30 Jahre später, 1807, gab es 689 Schafe in der Stadt, inzwischen aber mehr Rinder. Von diesen Schafen gehörten rund 600 dem Pachtschäfer, jeweils 12, 10 und 23 hielten sich Bürgermeister, Stadtschreiber und Oberamtmann, wohl eher als Hobby.

Durch Agrarreformen ab der Mitte des 18. Jahrhunderts wurden die Weideplätze für die Schafe knapp. Denn nun wurde ein Teil der Brache mit Futterkräutern (Klee) bebaut. Klee lieferte ein gutes Viehfutter, wodurch mehr Vieh gehalten werden konnte. 1762 musste der Kleeanbau in Bietigheim obrigkeitlich geregelt werden, um für den Schäfer Weideflächen zu erhalten.

Ende des 19. Jahrhunderts setzte schließlich landesweit der Niedergang der Schafhaltung ein. Von 1873 bis 1926 verringerte sich die Zahl der Schafe auf ein Viertel ihres Bestandes. In den 30er- und 40er-Jahren des 20. Jahrhunderts gab es eine Erholung, ab Mitte der 1960er-Jahre setzte sich der Rückgang massiv fort.

Erinnerung an alte Tradition

An die alten Bräuche der Schäferzunft wird bis heute beim Markgröninger Schäferlauf erinnert, beziehungsweise diese wurden wiederbelebt. Dazu zählen die Anwesenheit des Landrats als Nachfolger des herrschaftlichen Vogts, ein offizieller Festakt vor dem Rathaus und vor allem natürlich der eigentliche Schäferlauf, bei dem es barfuß über ein 300 Fuß langes Stoppelfeld geht. Dabei werden Schäferkönig und -königin ermittelt. Hinzu kommen Wettbewerbe wie das Wassertragen, der Hahnentanz, Sacklaufen sowie der Schäfertanz. um

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