Musik Die Orgel läutet den Herbst ein

Thorsten Hülsemann war beim Orgelherbst in der St. Laurentius-Kirche in Bietigheim zu hören.
Thorsten Hülsemann war beim Orgelherbst in der St. Laurentius-Kirche in Bietigheim zu hören. © Foto: Martin Kalb
Bietigheim-Bissingen / Susanne Yvette Walter 18.09.2018

Den Auftakt zum Bietigheimer Orgelherbst vor einer Woche übernahm der Bietigheimer Konzertorganist und „Hausherr“ an der Bietigheimer Kirche St. Laurentius selbst. Das zweite und das dritte von insgesamt drei Orgelkonzerten an der Kirche auf dem Felsen gestalten andere. Am Sonntag gab Thorsten Hülsemann aus Künzelsau ein faszinierendes Gastspiel.

Die Handschrift von Organisten ist so verschieden. Jeder hat seine eigene Vorstellung vom Inhalt eines Werkes. Der eine neigt mehr zu emotionaler Offenheit, der nächste hat den „Techniker“ mehr in sich verinnerlicht. Deshalb lohnt es sich, verschiedene Interpreten live zu erleben. Am anschaulichsten wird der Vergleich, wenn man sie „in Serie“ genießen kann, wie jetzt beim Orgelherbst in der St. Laurentius-Kirche in Bietigheim-Bissingen.

Förderung des Nachwuchses

Am Sonntag hinterließ  Thorsten Hülsemann aus Künzelsau dort seinen Fingerabdruck. Hülsemann stammt aus Duisburg und studierte an der Musikhochschule Lübeck Orgel und Gesang. In Trossingen setzte er einen Aufbaustudiengang drauf in den Fächern Orgel, Dirigieren und Orgelimprovisation. Nach reger Konzerttätigkeit wurde er Bezirkskantor im Dekanat Künzelsau und wechselt im Oktober nach Mühlacker, wo er ebenfalls als Kantor fungiert. Zusätzlich ist Hülsemann dann auch Kantor und Organist in der Klosterkirche Maulbronn.

Was den 40-jährigen Orgelkünstler von manchem Kollegen unterscheidet: Hülsemann legt den Schwerpunkt seiner Tätigkeit heute in die Ausbildung junger Organisten und versteht es, ihre Begeisterung für die Königin der Instrumente in die entsprechenden Bahnen zu lenken.

Er freut sich mehr noch, wenn sich Menschen jeden Alters für die Kirchenmusik begeistern und fördert gerne den musikalischen Nachwuchs in seinem Wirkungskreis.

Locker und leicht

Beim Solokonzert in der Bietigheimer Kirche kombinierte Hülsemann Populäres an der Orgel mit Musik, die eigentlich nur das Ohr von Kennern und Liebhabern erreicht. Er startete mit einem Concerto und einer Partita von Johann Gottfried Walther, der zeitgleich mit dem Thomaskantor Bach die barocke Orgel prägte. Zum Vergleich ließ er dann die weltberühmte Toccata und Fuge in d-moll des Thomaskantors selbst hören und spätestens da merkte auch der Laie, dass Thorsten Hülsemann mit freiem Geist ans Manual tritt. Seine Interpretation ist locker und leicht und dann wieder sehr pathetisch und tragend – ein Kontrastprogramm mit viel Eigenkolorit.

In einer romantischen Orgelphantasie von Franz Liszt über den Choral „Ad nos, ad salutarem undam“ begegnet der Organist auffällig seiner eigenen Tiefe. Schwermütig kann man das Werk nicht nennen, eher hintergründig bietet es Raum für Gedanken und Gefühle, die sich heute mit der Oberflächlichkeit des Alltags beissen – ein feinfühlig gewählter Ausklang für ein nachhaltiges Konzerterlebnis. 

Info Den Abschluss der Trilogie „Bietigheimer Orgelherbst“ machen Zuzanna und Maciej Bator aus Polen am Sonntag, 23. September, ebenfalls um 19 Uhr in St. Laurentius mit einem fast rein modernen Programm. Dazu gehören auch „In a landscape“ von John Cage oder Soundtracks wie „The Handmaid‘s Tale“ eines Adam Taylor. Eine „Brise Bach“ und ein Hauch französischer Impressionismus mit Marcel Dupré würzen das Gastspiel der Kontraste. Die Orgel ist neben ihrer Rolle als Königin der Instrumente eben auch ein Chamäleon und will nicht nur Liebhaber erhabener Klassik um sich versammeln.

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