Bietigheim-Bissingen Die Inklusion kommt

Traute Theurer, GAL-Fraktion, Gemeinderat Bietigheim- Bissingen.
Traute Theurer, GAL-Fraktion, Gemeinderat Bietigheim- Bissingen. © Foto: Martin Kalb
BZ 15.01.2015
Im Jahr 2009 wurde von der Bundesrepublik Deutschland die UN-Behindertenkonvention unterzeichnet. Daraus ergibt sich die Verpflichtung, dass alle Menschen eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben bekommen.

Im Jahr 2009 wurde von der Bundesrepublik Deutschland die UN-Behindertenkonvention unterzeichnet. Daraus ergibt sich die Verpflichtung, dass alle Menschen eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben bekommen. Bezogen auf Kinder und Jugendliche bedeutet das, dass eine Teilhabe am schulischen und beruflichen Leben ermöglicht werden muss.

Mit dem Start der beiden Gemeinschaftsschulen in Bietigheim-Bissingen zum Schuljahr 2015/2016 kommen wir der Umsetzung einen Schritt näher, denn die Gemeinschaftsschule ist eine inklusive Schule. Im Schulgesetz von Baden-Württemberg wird die Inklusion im Schuljahr 2015/2016 gesetzlich verankert. Auch ohne diese Vorgaben ist Inklusion an vielen Schulen schon Normalität.

Allerdings höre ich immer wieder von Lehrerseite Bedenken und Vorbehalte. Lehrer treibt die Sorge um, dieser neuen Anforderung nicht gewachsen oder auch schlecht darauf vorbereitet zu sein. Eltern befürchten eine nachlassende Qualität des Unterrichts. Ein Umdenken ist notwendig. Man muss sich von normierten und tradierten Ansichten, Unterrichtsabläufen und Abschlüssen verabschieden.

Tatsache ist, dass heute alle Lehramtsstudenten im Rahmen ihres Studiums Vorlesungen und Seminare in Sonderpädagogik belegen müssen. Sie sind gut ausgebildet und auf inklusiven Unterricht vorbereitet worden. Bei den baulichen Maßnahmen in unseren Schulen, die in den nächsten Jahren anstehen, müssen wir darauf achten, dass Schüler mit Handicap oder Assistenzbedarf problemlos und barrierefrei die Schule besuchen können. In der Berufsausbildung und der Arbeitswelt muss die Inklusion fortgesetzt werden. Dass dies möglich ist, konnte ich beim achten Inklusionstag Baden-Württemberg, der in Geislingen im vergangenen November stattfand, selbst erfahren.

Andere europäische Länder sind hier schon viel weiter und am Beispiel von Italien wurde dargestellt, dass es in der beruflichen Bildung neben einheitlichen Abschlüssen, für leistungseingeschränkte Auszubildende differenzierte, von allen erreichbare, Abschlussangebote geben muss. Ein Ansatz, an den man sich in Deutschland mit Sicherheit bei unserer Vorliebe für einheitliche und vergleichbare Abschlüsse gewöhnen muss. Wie man der Bietigheimer Zeitung in einem Artikel vom 21. November entnehmen konnte, reagieren Unternehmen, wie beispielsweise Daimler, auf die berufliche Teilhabe und stellen, über das gesetzlich vorgegebene Maß hinaus, Menschen mit Assistenz- und Betreuungsbedarf ein. Sie sehen in der Gruppe dieser Arbeitnehmer ein großes Potenzial für das Unternehmen. Daimler hat die Vielfalt unter den Mitarbeitern zum Leitmotiv erklärt.