US-Zölle Die Furcht vor der großen Stahl-Schwemme

Bessey-Chef Klaus D. Fuchs.
Bessey-Chef Klaus D. Fuchs. © Foto: Helmut Pangerl
Von Andreas Lukesch 13.03.2018

Die Welt steht möglicherweise vor einem Handelskrieg, ausgelöst durch die Entscheidung von US-Präsident Trump, unter anderem auf die meisten Stahlimporte – darunter auch auf die aus China und der EU – Einfuhrzölle in Höhe von 25 Prozent zu erheben. Angeheizt wurde der Konflikt am Wochenende, als der US-Präsident via Twitter drohte, zudem europäische Autoimporte mit höheren Zöllen zu belegen.

Beim Bietigheim-Bissinger Präzisionsstahl-Hersteller Bessey wird die Entwicklung mit Sorge betrachtet. Bis zu 40 000 Tonnen Stahl veredelt das Bietigheimer Unternehmen jährlich und verkauft es an Automotive-Betriebe sowie an Maschinenbauer und die Möbelindustrie in Deutschland und Westeuropa.

Der US-amerikanische Markt spielt laut dem Geschäftsführenden Gesellschafter, Klaus D. Fuchs, keine allzu große Rolle im Bessey-Geschäft – und dennoch könnte die US-Zollschranke die Bietigheimer treffen. „Die Stahlhersteller in China und vor allem in Deutschland und Europa, die ihre Ware nicht mehr oder nur noch in geringerem Umfang in den USA loswerden, müssen sich neue Märkte suchen. Und das werden sie auch in Europa tun mit der Folge, dass der Stahlpreis noch weiter unter Druck gerät“, sagte Fuchs der BZ auf Anfrage.

Die deutschen Stahlhersteller träfe das zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Weltweit gibt es ohnehin ein Überangebot an Stahl, aber zumindest habe man in den zurückliegenden Monaten eine „gewisse Preisstabilität“ erreichen können, so Fuchs. „Das dürfte sich ändern, wenn die großen Hersteller ihre Lieferströme neu ausrichten.“

Noch viel unmittelbarer könnte Bessey betroffen sein, würde die US-Regierung zudem noch ihre Drohung wahrmachen, die Importzölle für Autos aus Deutschland und Europa anzuheben. Dann nämlich wäre die direkte Kundschaft des Stahlveredlers betroffen. Damit das nicht passiert, bleibt Fuchs nur die Hoffnung, dass die Europäische Union die Zölle – auch die bereits beschlossenen auf Stahl und Aluminium – doch noch verhindern kann. „Da können wir derzeit nur abwarten und auf das Verhandlungsgeschick der EU hoffen“, meint Fuchs. Die Hoffnung gründet auch auf der Tatsache, dass Kanada und Mexiko schon jetzt von den Zollerhöhungen ausgenommen wurden und dass auch für die EU zumindest eine Verhandlungsbereitschaft besteht.

Appell des BWIHK

Deutlich drastischer als der Bessey-Chef hat sich bereits der Präsident des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertages (BWIHK) geäußert. Wolfgang Grenke reagierte unmittelbar auf die Ankündigung Trumps, Stahlimporte in die USA erheblich zu verteuern, musste es aber auch bei einem Appell belassen: „Rhetorisch sind wir schon mitten in einem Handelskrieg. Werden die Worte in Taten umgesetzt, bekommt das unsere exportabhängige Wirtschaft mit voller Wucht zu spüren. Ich erwarte von der neuen Regierung in diesem heiklen Thema Besonnenheit und taktisches Gespür.“

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