Brandschutz Die Feuerwehr braucht mehr Platz

Die Feuerwehr-Fahrzeughalle in Bissingen ist nicht nur zu klein für moderne Fahrzeuge, sondern kann schwere Wechselladefahrzeuge auch nicht tragen. Deswegen hat sich der Gemeinderat für eine neue Fahrzeughalle entschieden, auch am Standort Bietigheim.
Die Feuerwehr-Fahrzeughalle in Bissingen ist nicht nur zu klein für moderne Fahrzeuge, sondern kann schwere Wechselladefahrzeuge auch nicht tragen. Deswegen hat sich der Gemeinderat für eine neue Fahrzeughalle entschieden, auch am Standort Bietigheim. © Foto: Martin Kalb
Bietigheim-Bissingen / Uwe Mollenkopf und Rena Weiss 25.07.2018

Die Feuerwehrtaktik im Landkreis hat sich geändert. Mit einem Beschluss des Kreistags von 2014 wurde der Weg frei gemacht für das sogenannte Wechselladekonzept. Dieses bedeutet, dass die Feuerwehren statt der bisherigen Rüstwagen (RW) Trägerfahrzeuge anschaffen sollen, die je nach Einsatz mit einsatzspezifischen Abrollbehältern bestückt werden können. Davon ist jetzt auch die Feuerwehr in Bietigheim-Bissingen betroffen, die 2019 ein Ersatzfahrzeug für einen 1997 in Dienst gestellten Rüstwagen beschaffen muss, welcher über umfangreiches Werkzeug und Spezialgerät verfügt. Der Kreis hat die Verwaltung davon in Kenntnis gesetzt, dass Rüstwagen der bisherigen Generation nicht mehr gefördert werden. Der Einstieg in das Wechselladekonzept hat jedoch tiefgreifende Konsequenzen.

Notwendigkeit ist da

Wie die Stadtverwaltung in der jüngsten Gemeinderatssitzung in ihrer Vorlage darlegte, braucht die städtische Feuerwehr mittelfristig zwei Trägerfahrzeuge, für die Zuschüsse des Landes winken. Ferner mehrere Abrollbehälter (AB): einen AB „Rüst“ als Ersatz für den Rüstwagen, einen für „Großschadenslagen“ und einen für „Hochwasser“. „Das ist ein riesen Vorteil für die Stadt, weil wir eben zwei Flüsse haben“, sagt Kommandant Frank Wallesch gegenüber der BZ. Die Unwetter der vergangenen Wochen haben die Notwendigkeit ebenfalls gezeigt. Der AB „Rüst“ wird zu 50 Prozent vom Landkreis und zu 40 Prozent vom Land gefördert. Ein Anteil von 10 Prozent verbleibt bei der Stadt Bietigheim-Bissingen. Die AB „Großschadenslage“ und „Hochwasser“ werden je zu 100 Prozent vom Landkreis beschafft und finanziert. Bei den beiden letztgenannten Abrollbehältern übernimmt auch der Kreis die regelmäßig erforderliche Wartung.

Der bisherige Rüstwagen werde nur noch bezuschusst, wenn es im Einsatzgebiet eine Autobahn gibt, erklärt Wallesch. „Doch das haben wir nicht. Wir hätten also nur die Möglichkeit das Fahrzeug ohne Zuschuss zu kaufen oder auf technische Geräte zu verzichten.“ Letzteres könne die Feuerwehr nicht, weil die Einsätze und beispielsweise die Fahrzeugsysteme umfangreicher geworden sind. Ohne Zuschüsse habe jedoch die Stadtverwaltung bereits signalisiert, gebe es keinen derartigen Rüstwagen.

Ein Vorteil für die Wehr

„Für uns ist das Konzept also ein Vorteil“, sagt Wallesch. „Vor ein paar Jahren hätte keiner gedacht, dass wir zum Beispiel Elektrofahrzeuge löschen müssen“, so der Kommandant weiter. Das sei nur durch ein spezielles Löschverfahren und früher eben mit einem bestimmten Fahrzeug möglich. Jetzt gebe es dafür den sogenannten AB „Hochvolt“, sagt Wallesch, „wir wissen nicht, was wir in 5 bis 10 Jahren brauchen.“ Die AB seien laut Frank Wallesch in rund zwei Minuten am Fahrzeug angebracht. „Diese Sondermodelle, wie der AB ‚Hochwasser’ sind keine zeitkritischen“, beruhigt der Kommandant. Zudem seien Trägerfahrzeuge mit verschiedenen Abrollbehältern in vielen Landkreisen in Baden-Württemberg Standard.

So weit, so gut. Doch die beiden neuen Fahrzeuge plus auswechselbare Container sind größer und schwerer als die bisherigen Fahrzeuge, mit der Folge, dass sie nicht mehr in die bestehenden Fahrzeughallen in Bietigheim und Bissingen passen. „Die Hallen stammen aus den 70er-Jahren und wurden nach der damaligen Norm gebaut“, sagt Kommandant Frank Wallesch. Folge: Die Feuerwehr braucht laut der Vorlage an beiden Standorten je eine neue, größere Fahrzeughalle. Diejenige in Bietigheim soll laut Vorlage gleichzeitig als Waschhalle dienen, da die bisherige Waschhalle ohnehin knapp bemessen sei. In Bissingen sei die alte Halle nicht nur zu klein, da sie unterkellert sei, könne sie die schwereren Wechselladefahrzeuge auch nicht tragen, bestätigt Wallesch.

800 000 Euro im Haushaltsplan

Im Haushaltsplan 2018 sind für die beiden Hallen bereits 800 000 Euro vorgesehen. Eine Entwurfsplanung soll nun dazu dienen, belastbare Zahlen zu erhalten, als Grundlage für einen Baubeschluss. Der Gemeinderat stimmte diesem Vorgehen einstimmig zu. Das neue Konzept sei für die Sicherheit nötig, erklärte Oberbürgermeister Jürgen Kessing im Rat. Wallesch stehe hinter dem Konzept, sagt gegenüber der BZ.

Hermann Eppler (CDU) betonte, dass es die Vorlage, die zwei Runden im Ausschuss gedreht habe, in sich habe. Grundsätzlich sei das Konzept ok, so Eppler, es werde von der CDU geschlossen unterstützt. Eppler persönlich will aber den Bau einer großen Halle auf der grünen Wiese – statt jeweils einer an den Standorten Bietigheim und Bissingen – im Auge behalten, kündigte er an. Denn mit den Wechselladern stehe man erst am Anfang, weitere würden kommen. Ähnliches deutet auch Kommandant Frank Wallesch an. An beiden Standorten gibt es Platzprobleme und nach den geplanten Umbauten werde es nicht mehr viele Möglichkeiten geben, das sagt Wallesch bereits voraus. Doch erklärt er auch, dass ein einzelner Standort das Einhalten der Hilfsfristen durch die Hufeisenform der Stadt erschwere.

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