Bietigheim-Bissingen Die Bietigheimer Band "Ivanhoe" feiert Jubiläum im Kleinkunstkeller

Die aktuelle Besetzung der Bietigheim-Bissinger Band "Ivanhoe" (v.li.): Richie Seibel, Keyboard, Rob Kudlek, Drums, Alex Koch, Gesang, Chuck Schuler, Gitarre, Giovanni Soulas, Bass.
Die aktuelle Besetzung der Bietigheim-Bissinger Band "Ivanhoe" (v.li.): Richie Seibel, Keyboard, Rob Kudlek, Drums, Alex Koch, Gesang, Chuck Schuler, Gitarre, Giovanni Soulas, Bass. © Foto: Willy Kerbel
Bietigheim-Bissingen / GABRIELE SZCZEGULSKI 06.04.2013
Sie sind nicht so bekannt wie die Metal-Bands Iron Maiden oder Metallica. Aber die Bietigheim-Bissinger Band "Ivanhoe" ist die bekannteste deutsche Progressive-Metal-Band und gilt in der Szene als Kult. Das 25-jährige Bestehen feiern sie mit einem Konzert im Bietigheimer Kleinkunstkeller.

Wahrscheinlich wissen nicht viele Bissinger, was da in den Katakomben unter dem Kaminofenhersteller Novaline in der Rosenstraße zweimal die Woche abgeht. Fans aus der Progressive-Metal-Szene aber hätten ihre wahre Freude daran, einmal den Probenraum und das Studio unter der Firma Novaline vom "Ivanhoe"-Bassgitarristen Giovanni Soulas sehen zu dürfen. Denn Insidern ist die Bissinger Band "Ivanhoe" ein Begriff. Als deutsche Antwort auf die New Yorker Progressive Metaller "Dream Theater" wird "Ivanhoe" bezeichnet.

Still war es aber im vergangenen Jahr um "Ivanhoe" geworden. Nach außen. Denn die Musiker arbeiteten in ihrem Studio in Bissingen an ihrer sechsten CD "Systematrix". Da blieb keine Zeit für Konzerte und auch für das Feiern des eigentlichen 25-jährigen Bestehens im Jahr 2012 war kein Platz. Das soll in diesem Jahr mit einem Konzert im Kleinkunstkeller nachgeholt werden, sagt Giovanni Soulas, Gründungsmitglied der Startformation von "Ivanhoe" und bis heute Bassgitarrist der Band. Er hat alle Songs des Konzeptalbums "Systematrix" komponiert. Sänger Mischa Mang hat die Texte rund um das Thema Banken, Krise, Korruption geschrieben. Herausgekommen ist inhaltlich eine Kritik am Gesellschaftssystem und musikalisch eine der ausgereiftesten Platten der Band. "Ivanhoe", so sagt Soulas, hat es nicht mehr nötig, nach Kommerz zu schauen, "und wir wollen auch gar nicht kommerziell sein".

Die Bandmitglieder, die alle um die 40 Jahre alt sind, leben von ihrem Hauptberuf, da muss man in seiner Liebe, der Musik, keine Kompromisse mehr machen, so Soulas. Natürlich, gibt der Bassist zu, wäre da anfangs der Traum gewesen, mit der Musik reich und berühmt zu werden. "Aber dafür ist unsere Musik zu speziell und gefällt nur einem kleinen Personenkreis", sagt er. Lediglich die amerikanische Band "Dream Theater" könne von der stilistisch außergewöhnlichen Musik leben. Doch genau das wollten sie von Anfang an machen: Ihren eigenen Musikstil kreieren, der natürlich vom Heavy Metal abgeleitet ist, aber musikalisch in einer oberen Liga spielt. "Prog Metal ist der Jazz des Heavy Metal", erklärt der 43-Jährige. Sein Instrument muss ein Prog-Metal-Musiker auf höchstem Niveau beherrschen, um die musikalischen Schnörkel und Eigenwilligkeiten spielen zu können. Dafür muss man, so Soulas, proben, proben, proben. Musikalisch bestimmt er den Stil der Band, der verspielt, aber sehr rhythmisch ist. "Natürlich muss auch Härte drin sein, das gehört sich so, aber unser Sänger muss singen können, er darf nicht nur schreien", so Soulas. Und die Stimme auf dem neuen Album ist Mischa Mang. Und er kann singen: Vier Oktaven schafft der Sänger, der sein Geld als Musicalstar verdient, derzeit bei "Sister Act" in Stuttgart. Und das ist auch das Problem für die Band. Mischa Mang singt hervorragend, ist ein guter Texter, aber er hat durch seine Engagements in ganz Europa nie Zeit. Deswegen hat man sich dafür entschieden, den Markgröninger Sänger Alexander Koch zu verpflichten, um beispielsweise das neue Album auf einer Tournee zu promoten. Auf "Systematrix" aber singt Mang noch, schließlich hat er alle Texte geschrieben. Die wirkliche musikalische Liebe des Musicalsängers nämlich ist Prog Metal und die Band "Ivanhoe". "Doch von irgendwas muss man ja leben", sagt Giovanni Soulas. Der Bissinger hat die Liebe zur Musik von seinem Vater geerbt, der jahrelang Schlagzeuger für den griechischen Sänger Mikis Theodorakis war. Er kaufte dem Sohn mit zehn Jahren ein Saxofon. Mit 13 Jahren begann Giovanni Soulas mit der Bassgitarre, um die Songs von ACDC spielen zu können, "da konnte man nicht mit dem Saxofon kommen", erinnert sich Soulas. Die Musik, so sagt er, sei seine Lebensmotivation.

Info Am Samstag, 20. April, 20 Uhr, spielt die Band "Ivanhoe" aus Anlass ihres 25-jährigen Bestehens im Kleinkunstkeller in Bietigheim. Mit von der Partie sind auch die Bands "Linchpin" und "The Prophecy". Karten gibt es nur an der Abendkasse. Einlass ist um 19 Uhr.

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