Der April war der schlechteste Monat seit der Wiedervereinigung, der stärkste Abwärtstrend, den ich erlebt habe.“ Mit diesen Worten charakterisiert Markus Klein vom Mazda-Autohaus in Bietigheim, der Kreisvorsitzende der Kfz-Innung, unter welchen Folgen der Corona-Pandemie die Autohändler im Landkreis zu leiden haben. Wie alle Händler in der Region (siehe Infokasten) hat die wochenlange Schließung die Autohäuser in der Stadt hart getroffen. Denn das Frühjahr ist traditionell die wichtigste Zeit für den Verkauf von Pkw.

Auf etwa 50 Prozent schätzt Klein den Rückgang im Verkauf im eigenen Haus. Etwa 40 Prozent Neuwagen hat das BMW-Autohaus Stadel weniger als im Vorjahr verkauft, bei den Gebrauchtwagen beträgt der Rückgang um die 35 Prozent. Hans Weller vom gleichnamigen Autohaus spricht gar von einem Einbruch des Neuwagen-Verkaufs im April zwischen 70 und 80 Prozent über alle seine Marken von Opel bis Volvo, die von ihm vertrieben werden. An Gebrauchtwagen dürften es zwischen 30 und 35 Prozent sein.

Kurzarbeit für Vertriebsmitarbeiter war in vielen Häusern die Folge. Auch jetzt, wo die Autohäuser wieder öffnen dürfen, ist beim Autohaus Weller erst wieder die Hälfte der Verkaufs-Mitarbeiter wieder an Bord. Nur gut, dass die Werkstätten durchgehend geöffnet hatten und das Wartungs- und Reparaturgeschäft für Geld in der Kasse gesorgt hat.

Es macht die Situation nicht einfacher, dass die Entscheidung über eine Kaufprämie für Pkw in Berlin um etwa vier Wochen vertagt worden ist. Denn das trägt nicht dazu bei, dass Kunden sich zum Kauf entschließen. „Die Leute warten ab, ob es eine Förderung gibt, um das Geld mitzunehmen“, sagt Markus Klein.  „Man rennt unsere Türen nicht ein“, beschreibt Hans Weller die Situation in seinem Autohaus nach der Öffnung.   Die Verkaufszahlen haben noch längst nicht das Niveau von vor der Krise erreicht.

Könnten Rabattaktionen helfen, den Absatz anzukurbeln? Reto Vivot, Niederlassungsleiter des BMW-Autohauses Stadel in Bietigheim, setzt  jedenfalls auf „offensive Werbung“, um die Lagerbestände des Autohauses mit seinen 20 Standorten an den Mann  zu bringen. Sein Haus habe davon profitiert, dass zum Quartalsende Ende März viele Leasing-Verträge ausgelaufen sind und die Firmenkunden neue Wagen bekommen haben. Gebrauchtwagen werden mit einer „systematischen Preisgestaltung“ und „aggressiver Preispolitik“ verkauft, sagt Vivot. Doch auch er spürt, dass sich die Privatkunden noch zurückhaltend geben. Mit einer firmeneigenen Umweltprämie versucht BMW die Besitzer älterer Diesel-Fahrzeuge zu einem Neukauf zu bewegen.

Andere Autohersteller sind in dieser Hinsicht deutlich zurückhaltender. Mazda bietet Hilfen bei der Finanzierung, Subaru lockt mit kostenlosen Winterrädern, berichtet Markus Klein. Und auch Hans Weller hat bei seinen Herstellern, die er vertritt, noch keine Hinweise auf Rabattaktionen, weder bei Hyundai, noch bei Ford oder Fiat, jedenfalls nicht in einem Umfang, „dass die Preise rutschen“.

Eine Kaufprämie seitens des Staates allerdings, die wäre „gut und wichtig“, sagt Reto Vivat und dürfte dafür der Zustimmung seiner Kollegn aus den Autohäusern sicher sein. Das würde die Zurückhaltung der Kunden lösen und den Verkauf anregen, hofft Markus Klein. Der Kfz-Innungsmeister im Landkreis hält nicht nur die Förderung von Elektro- oder Hybridfahrzeugen für wichtig. Auch Fahrzeuge mit den neuesten Abgasanforderungen, die Jahreswagen einbezogen, müssten finanziell gefördert werden, sowohl Diesel mit Euro 6D-temp oder Benziner mit Euro 6D-Klassifizierung, fordert er.

Eine Kombination der Förderung hält auch Hans Weller für sinnvoll. Schließlich können Elektroautos gar nicht so schnell hergestellt und geliefert werden, dass es der angeschlagenen Konjunktur nutzt. Schon jetzt betrage die Lieferzeit mancher Modelle etwa ein Jahr. Das „Strohfeuer“, ausgelöst durch eine Kaufprämie, könnte dafür sorgen, dass die Lagerbestände verkauft werden. Danach könnte es im Verkauf „normaler, auf niedrigem Niveau“ weitergehen. Kommt die Prämie nicht, „dauert es länger“, fürchtet er.

Tiefrote Zulassungszahlen im Landkreis Ludwigsburg


„Schlimmer geht’s fast nimmer.“ Mit diesen Worten beschreibt Innungs-Obermeister Torsten Treiber die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie für die Autohändler in der Region Stuttgart. Bezogen auf den Landkreis Ludwigsburg verdeutlicht er das an folgenden Zahlen: Hier wurden im April 923 Pkw neu zugelassen. Das ist ein Minus von 63,5 Prozent nach 43,7 Prozent im März gegenüber 2019. Verschärft wird die Entwicklung durch das Minus bei den Besitzumschreibungen von Gebrauchtwagen: 2312 hat die Zulassungsstelle des Landratsamtes Ludwigsburg im April vorgenommen. Das ist ein Minus von 44,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Bezogen auf die ersten vier Monate des Jahres wird ebenfalls deutlich, wie tiefgreifend der Rückgang an Zulassungen ist. Von Januar bis April wurden im Landkreis 5842 Fahrzeuge neu zugelassen. Im Vorjahr waren es im gleichen Zeitraum noch 9498. Statt 16 329 Besitzumschreibungen von gebrauchten Fahrzeugen von Januar bis April 2019 zählte die Innung in diesem Jahr noch lediglich 12 567.

Dieser Rückgang belaste die Liquidität der Autohäuser in hohem Maße. Die Innung stellt folgende Rechnung auf: Wenn ein Neuwagen im Schnitt 30 000 Euro kostet, bedeuten 2900 im März und April nicht verkaufte Neu-Pkw allein rund 87 Millionen Euro, die den Autohäusern in der Kasse fehlen. Häufig seien die Autos mit Krediten finanziert. Das gilt, wenn auch in anderen Größenordnungen auch bei den Gebrauchten: 3500 Besitzumschreibungen weniger dürften die Betriebe zwischen 20 bis 25 Millionen Euro an Liquidität kosten.

Die Kaufprämie hält die Kfz-Innung, die von einer Umstiegsprämie spricht, deshalb für dringend nötig. Der Umstieg auf ein schadstoffärmeres Modell sollte auch Tageszulassungen und junge Gebrauchte einbeziehen, fordert sie.  sol