Kunst Die ästhetische Seite des Arbeitsplatzes

„Zwischenmaß“ heißt dieses Werk von Tina Haase, das in der neuen „Büro-Kunst“-Ausstellung in der Städtischen Galerie in Bietigheim zu sehen sein wird.
„Zwischenmaß“ heißt dieses Werk von Tina Haase, das in der neuen „Büro-Kunst“-Ausstellung in der Städtischen Galerie in Bietigheim zu sehen sein wird. © Foto: Eberhard Weible
Bietigheim-Bissingen / Von Uwe Mollenkopf 12.01.2018

In der Städtischen Galerie sind die Mitarbeiter noch mit dem Abbau der vorherigen Ausstellung „Stand der Dinge“ beschäftigt. Gleichzeitig laufen die Vorbereitungen für die kommende Präsentation. Deren Thema ist ungewöhnlich: Unter dem Titel „Out of Office“ geht es um „Büro-Kunst oder das Büro im Museum“.

Ein Bild aus Lochverstärkern oder eine Skulptur aus Aktenordnung – solche und ähnliche Objekte wird es in der neuen Schau zu sehen geben, die am Freitagabend (ab 18 Uhr) eröffnet wird. Die Galerie kooperiert dabei mit dem  Museum für Konkrete Kunst in Ingolstadt, wie bereits bei der Ausstellung „Vom Baumarkt ins Museum“.

Ähnlich wie bei der Baumarktausstellung liege auch bei der Büroausstellung der besondere Reiz darin, dass jeder Besucher einen Zugang dazu habe, weil er das Material, das verwendet wird, kenne, sagt die Leiterin der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen, Dr. Isabell Schenk-Weininger. Das mache diese Art von Ausstellungen spannend, auch wenn sie auf den ersten Blick manchmal sehr streng und spröde wirkten.

„Burn-out-Maschine“

Mit dem Begriff „Büro-Kunst“ ist weniger das gemeint, was man sich an die Wände neben seinen Schreibtisch hängt. Vielmehr will die Ausstellung zeigen, welchen Blick Künstler auf das Büro als Ort oder als Materialfundgrube haben. Das reiche von einem Bereich, in dem es um Schreibmaschinen gehe, bis zum digitalen Büro, erläutert die Galerieleiterin. Diesem ist auch der Titel entlehnt: „Out of Office“ ist die gängigen Abwesenheitsnotizen, die ganz ins E-Mail-Zeitalter gehört. Als Kontrast ist in einer Soundinstallation das Klappern alter Schreibmaschinen zu hören.

Zu sehen wird sein, wie Hilfsmittel aus der Büroumgebung Künstler anregen, sie in neue Konstellationen zu bringen. Durch diese Art der Verfremdung offenbarten sie „eine ästhetische Seite des Arbeitsplatzes“, für die man in der täglichen Routine meist blind sei, heißt es in der Ankündigung. Das Büro sei ein abgegrenzter Lebensraum, in dem sich mit den Büropflanzen nicht nur eine eigene Vegetation entwickelt habe, sondern auch ein eigener Bürohabitus mit seltsamem Vokabular.  Es werde in der Ausstellung seinen angestammten Räumen enthoben und ins Museum entführt. Der neue Kontext mache das System in all seinen Facetten sichtbar.

Als besonderen Hingucker erwartet die Besucher eine „Burn-out-Maschine“. Bei dieser interaktiven Installation kann man durch eine Kurbel einen Bürostuhl in die Höhe hieven – bis dieser irgendwann wieder nach unten saust, erläutert Isabell Schenk-Weinginger. Sinnbild für den Burn-out. Eine weitere witzige Idee, zu der die Ausstellung die Ausstellungsmacher angeregt hat, ist auch eine Stempeluhr, die am Eingang aufgehängt wird. Jeder Besucher könne sich dort ein- und ausstempeln, so die Galerieleiterin.

Insgesamt ist die ganze Bandbreite künstlerischen Gestaltens zu sehen: von Malerei, Installation und Video bis zur Fotografie. Die Ausstellung geht bis zum 8. April, der Eintritt ist frei.

Führungen und Programm

Zur Eröffnung am Freitag, 19. Januar, um 19 Uhr sprechen Oberbürgermeister Jürgen Kessing, Dr. Simone Schimpf vom Museum für Konkrete Kunst Ingolstadt sowie die Leiterin der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen, Dr. Isabell Schenk-Weininger, umrahmt mit einer Performance von Florian Lechner.

Lehrkräfte und Erzieherinnen sind am Montag, 22. Januar, um 17 Uhr eingeladen, sich ein Bild von der Ausstellung zu machen und Anregungen für den Unterricht zu sammeln.

Ein Kabarettprogramm gibt es am Freitag, 26. Januar: Henning Schmidtke wird um 16 Uhr Auszüge aus seinem Kabarett-Programm „Herzkasper. Zu blöd für Burn-out“ zum Besten geben, ergänzt um Kurzführungen durch die neue Ausstellung. Anmeldung unter (07142) 74 483 oder galerie@bietigheim-bissingen.de.

Eine erste öffentliche Führung findet am Sonntag, 28. Januar, um 11.30 Uhr mit der Galerieleiterin Isabell Schenk-Weininger statt. Die Führung kostet 3 Euro.

Im historischen Gebäudeteil sind außerdem weiter zwei Studioausstellungen zu sehen: Im ersten Geschoss werden noch bis 18. März Linolschnitte von Johannes Hewel unter dem Titel „Flüge ins Paradies“ gezeigt. Im zweiten Geschoss präsentiert Sabine Braun noch bis 4. Februar ihre Installation „ProThesen“. bz

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel