Egal, wen man fragt, die Rückmeldung ist immerzu die gleiche: Die Stimmung und das Publikum sind außerordentlich gut – Bietigheim-Bissingen machte seinem Ruf als Sportstadt wieder einmal alle Ehre.

Mehrkämpfer sind daran gewöhnt, dass außer Trainern, Betreuern und einem Schwung Angehöriger kaum Zuschauer das Stadion füllen, wenn sie Deutschlands „König der Athleten“ suchen. An frenetisches Anfeuern einer Zuschauermenge, das den letzten Kick für eine Bestleistung geben kann, ist dann nicht zu denken. Ganz anders war das am vergangenen Wochenende im Ellental, als die Siebenkämpferinnen und die Zehnkämpfer samt U 23-Abteilung spurteten, sprangen und warfen.

Sportbegeisterte kamen

Etwa 2000 Sportbegeisterte kamen über die beiden Wettkampftage verteilt ins Stadion am Viadukt. Zu Stoßzeiten verteilten sich mehr als 500 Anhänger auf dem Gelände.

Als aktuelle Nummer Drei in der Jahreswertung der deutschen Damen kennt Anna Maiwald stimmungsvolle Kulissen. Trotzdem hob sie die Atmosphäre vor Ort bei ihrem Sieger-Interview besonders hervor und erklärte durchs Stadionmikrofon, dass sie dadurch vermutlich ein besseres Ergebnis erzielen konnte als ohne die Zuschauer im Rücken.

Besonders davon profitieren konnten die Athleten beim Stabhochsprung. Die Sportart, die nur in der Männerkonkurrenz Teil des Mehrkampfes ist, gilt als eine der komplexesten überhaupt. Traditionell steht die Flugshow bei den Besuchern hoch im Kurs und erwies sich auch in Bietigheim als Publikumsmagnet. Mehrere Hundert Zuschauer säumten die Anlage, standen dicht am Anlauf und der Matte. Manch einem Sportler drohte ein Salto nullo – drei ungültige Versuche über die Einstiegshöhe und damit das Wettkampfende – oder ein frühzeitiges Aus. Rhythmisches Klatschen und erlösender Jubel des Publikums ließen so manchen Sportler über sich hinauswachsen.

Nah am Geschehen

Überhaupt waren die Zuschauer sehr nah dran am Geschehen. Nur wenige Meter lagen zwischen dem Absperrband und den Athleten. Beim Kugelstoßen beispielsweise fühlte sich der Fan mittendrin statt nur dabei. Wer alle Disziplinen live miterleben wollte, kam selbst ins Schwitzen. Und das nicht nur, weil viele Wettkampforte in der Sonne lagen, sondern, weil immer irgendwo ein Wettbewerb am Laufen war. Das lag daran, dass es durch die Junioren sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen zwei Gruppen gab, die teilweise nacheinander ihre Versuche absolvierten.

Vieles lief parallel

Oftmals liefen Wettbewerbe aber auch parallel. Wer also zum Beispiel nicht an der Stabhochsprungmatte in der Sonne brutzeln wollte, konnte die Speerwurfkonkurrenz aus der schattigen Ferne betrachten. Oder man legte eine Pause im gastronomischen Bereich ein. Die lange Schlange an der Kasse war eine absolute Konstante, so dass sogar Getränke nachgeordert werden mussten.

Dass überhaupt Meisterschaften stattfanden, war zeitweise nicht gesichert. Mit Bietigheim-Bissingen hat sich eine Stadt als Ausrichter gefunden, die zuvor noch nie nationale Mehrkampfmeisterschaften ausgetragen hatte, sich mit ihrer Premiere aber – der Resonanz der Beteiligten nach zu urteilen – für Neuauflagen empfohlen hat. Seinen Teil dazu beigeitragen hat das sportinteressierte Publikum, das eine Atmosphäre schuf, die aus einer Sportveranstaltung ein Sportfest machte.

Info Die weitere Berichterstattung lesen Sie im regionalen Sport auf der Seite 19.