Dialog Der Wobachstraße stinkt’s gewaltig

Bietigheim-Bissingen / Rena Weiss 13.10.2018

„In der Wobachstraße stinkt’s“, sagte Ulla Stroh. Sie ist Anwohnerin und war beim Bürgergespräch mit Oberbürgermeister Jürgen Kessing am Donnerstagabend in der Bissinger Rommelmühle. Stroh war nur eine von wenigen Anwohner, die die Gelegenheit nutzten, mit der Stadtverwaltung über ihre Anliegen zu sprechen. Doch für die Bissingerin hat es sich gelohnt.

„Aus den Kanaldeckeln stinkt es nach Kloake“, sagte sie und erklärte, dass es für die Stadt kein gutes Bild nach außen trage. Denn viele Ortsfremde gingen die Wobachstraße entlang der Enz in die Stadt und hätten diesen Geruch in der Nase. Dabei werde das Regenrückhaltebecken häufig als Kläranlage missinterpretiert, sagt Ulla Stroh. „Ich denke, dass es die Hebeanlage ist“, fügte sie als Ursache für den Gestank hinzu. Die Hebe- oder auch Pumpanlage pumpt den Dreck aus dem Becken und fügt ihn der Kanalisation zu. „Die Fenster in der Wohnung müssen zu bleiben, sonst riecht alles danach“, erklärte die Bissingerin.

Claus-Dieter Jaisle, Leiter des Hoch- und Tiefbauamts der Stadt, erklärte: „Dieses Phänomen haben wir in vielen Stadtgebieten. Das hängt damit zusammen, dass es wenig geregnet hat.“ Dadurch werde die Kanalisation nicht gut durchgespült und Gerüche entstehen. „Die Leitungen müssen mal durchgespült werden“, sagte Jaisle und betonte, dass er mit den Stadtwerken sprechen werde. Wie Stadtsprecherin Anette Hochmuth am Freitag der BZ gegenüber erklärte, ist dies bereits geschehen: „Sowohl am Pumpwerk als auch an allen Kanaldeckeln werden Kohlefilter angebracht.“ Die sollen künftig unangenehme Gerüche verhindern.

Saubach macht Sauerei

Während es teils ein sehr trockener Sommer war, gab es einzelne Tage mit Starkregen, der ebenfalls für Probleme sorgte. Das zumindest berichtete ein Anwohner des Gebiets Schleifmühle und dem dortigen Saubach. Der Saubach entspringt nahe Tamm und mündet in Bissingen in die Enz. „Wie der in den letzten Jahren angestiegen ist“, sagte der Anwohner und ergänzte: Der Saubach sei ein Bach, der schnell ansteigt. „Auf einen Schlag kommt die Welle“ und setze unter anderem seine Garage unter Wasser.

Der Saubach fließt teils offen, teils verdolt. Bei Starkregen treffen die Wassermassen auf die verdolten Abschnitte, es entsteht ein Rückstau und der Bach sucht sich Ausweichmöglichkeiten. Doch die verdolten Abschnitte zu verbreitern, wie es der Anwohner vorschlägt, sei keine Lösung, versicherte indes Claus-Dieter Jaisle. „Das ist überwiegend Wasser aus Tamm“, erklärte er. Auf Gemarkung Tamm gibt es gegenüber der Kreisstraße das Regenrückhaltebecken „Schreiberin“, doch das könne nur normalen Regen abfangen, so der Hoch- und Tiefbauamtsleiter. Starkregen wie beispielsweise am 4. Juli dieses Jahres schaffe das Becken nicht. Zudem bestehe die Möglichkeit, dass viel Wasser vom freien Feld in den Saubach fließe. Jaisle erklärte, dass gemeinsam mit Tamm eine Lösung gefunden werden muss.

Kein Bürgergespräch ohne das Thema Verkehr. Gunther Zimmermann brachte es auf mit seiner Frage, welche Gedanken sich die Stadt zur Förderung des öffentlichen Personennahverkehrs mache. „Ludwigsburg geht da einen großen Schritt“, sagte Zimmermann im Bezug auf das vergünstigte Stadtticket. Er erklärte, dass es ihn mit dem Bus fünf Euro bis zur Stadtmitte koste. „Das zahlt keiner, der zu Hause ein Auto hat.“ Durch attraktive Preisbildung solle die Stadt die Menschen dazu bringen, den Bus häufiger zu nehmen. „Wir wollen erst abwarten, was es in Ludwigsburg bringt“, entgegnete Oberbürgermeister Jürgen Kessing. Denn noch scheint das günstige Ticket keine neuen Fahrgäste zu generieren, doch koste es die Stadt einen siebenstelligen Betrag. Zusätzlich wies er auf den gerade entstehenden Verkehrsentwicklungsplan hin. Dazu gibt es am 1. Dezember einen ersten öffentlichen Workshop.

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