Schulleiter aus dem ganzen Land kamen am Donnerstag ins Bietigheimer Kronenzentrum, um die Gelegenheit zu nutzen, mit Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann (CDU) in den Dialog zu treten. Sie sprach bei der Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft der Realschulrektoren Baden-Württemberg. Mit von der Partie waren auch Vertreter der Regierungspräsidien Stuttgart, Tübingen, Karlsruhe und Freiburg.

Bietigheim-Bissingens Oberbürgermeister Jürgen Kessing spielte der Kultusministerin den Ball von der lokalen Seite her zu. „Der demografische Wandel“, sagte er, „hat uns auf dem falschen Fuß erwischt.“ Es gebe nicht weniger Kinder, sondern mehr. So investiere Bietigheim 50 bis 60 Millionen Euro in die Schulen, und das gehe nicht von heute auf morgen.

Stabiler Zulauf

Dass die Realschulen ein ganz wichtiger Baustein der Schullandschaft sind, sieht Susanne Eisenmann genauso wie Kessing. Diese tragende Säule des Schulsystems, so die Ministerin, habe einen stabilen Zulauf, und Arbeitgeber stellen Realschüler gerne als Azubis ein. In den Klassenstufen fünf bis acht werde gerade ein Konzept zur Stärkung der Realschulen umgesetzt. 80 Rektoren seien bereits zur Diskussion über dieses Konzept eingeladen.

Eine Herausforderung sieht Eisenmann in den sogenannten Pool-Stunden für Klasse neun, welche eine qualitätsvolle, individuelle Förderung ermöglichen sollen. Die Änderungen im Unterricht: Mathematik und Rechtschreibung sollen gestärkt, der Informatikunterricht ausgebaut werden. Auch die Ethik anstatt Religion bekomme einen größeren Stellenwert.

Die Realschulrektoren beschäftigt das Thema Lehrermangel. Dass es so viele offene Stellen gibt, liegt nach Informationen der Ministerin daran, dass Studiengänge verlängert wurden. Eisenmann berichtete, es hätten aber mehr als 14 000 Lehrer ihre Teilzeitbeschäftigung erhöht, und viele ältere Lehrer gingen erst zwei Jahre später in Rente. Aus den Reihen der Rektoren war zu hören, dass sie gerne befristet Gymnasiallehrer einstellen, die in ihrer Schulart noch keine Stelle haben. „Spielräume“ möchte das Ministerium den Realschulen keine kürzen. Auch kleinere Schulen, sagte Eisenmann, sollten zwei Rektoren haben.

Was die Rektoren auch noch wissen wollten, war, wie es mit den Reisekosten für Lehrer aussieht. Diese würden von 3,5 auf 7,5 Millionen erhöht, sagte die Ministerin. Die Landesregierung werde in diesem Sinne agieren und der Landtag sehe das genauso. Es gebe jetzt ja auch ein Urteil vom Bundesverwaltungsgericht, vor dem ein Realschullehrer aus Mosbach Recht bekommen hat. Lehrer müssen die Kosten für Klassenfahrten künftig nicht mehr selber tragen.

Kritik an Klassenteiler

Kritisiert wurde von den Rektoren, dass an den Realschulen im Gegensatz zu den Gemeinschaftsschulen der Klassenteiler zu hoch sei. Dagegen könne sie nichts machen, antwortete Susanne Eisenmann. Gegen die Zusammenlegung der Abschlussprüfungen von Realschulen und Gemeinschaftsschule hat sie nicht einzuwenden. Realschullehrer könnten auch GMS-Arbeiten korrigieren, meinte sie.

Ein Basisbericht in Sachen Realschule und Inkusion kam ebenfalls aus den Reihen der Schulleiter. Realschulen mühten sich damit ab, Schülern mit Behinderungen und sonderpädagogischem Förderbedarf den optimalen Bildungsbedarf zu geben, während die Gymnasien „gar nichts“ täten, hieß es. Die Inklusion ist aber im Schulgesetz verankert, und Eltern können selbst entscheiden, ob sie ihre Kinder auf eine allgemeine Schule oder eine Sonderschule geben möchten.