Jugendgipfel Der größte Wunsch ist ein „Dirtpark“

Das Dirtpark-Gelände in Dettingen. Auch die Jugend in Bietigheim-Bissingen wünscht sich eine solche Anlage.
Das Dirtpark-Gelände in Dettingen. Auch die Jugend in Bietigheim-Bissingen wünscht sich eine solche Anlage. © Foto: Thomas Kiehl
Uwe Mollenkopf 18.07.2018

Wenn wir König von Bietigheim-Bissingen wären“, lautete das Motto des 2. Jugendgipfels in Bietigheim-Bissingen. Vier Jahre nach dem ersten Jugendgipfel im Jahr 2014 wollten Jugendförderung und Stadtverwaltung erneut wissen, wo die Jugendlichen in der Stadt der Schuh drückt und welche Wünsche es an die Verwaltung gibt. Am Montagabend stellten der Erste Bürgermeister Joachim Kölz und Harald Finkbeiner, der Leiter der Jugendförderung, die Ergebnisse im Jugendhaus vor.

Den aus Sicht der Jugend offenbar wichtigsten Wunsch, der sich beim Jugendgipfel herausschälte, nahm Oberbürgermeister Jürgen Kessing in seiner Begrüßung schon vorweg. Nachdem das Ergebnis des ersten Gipfels der Bau eines „Pumptrack“, also einer speziellen Mountainbikestrecke, im Ellental war, sei nun eine große Nachfrage nach einem „Dirtpark“ sichtbar geworden. „Es wäre schön, einen Dirtpark neben dem Pumptrack zu bauen“, hatte ein Schüler gepostet. Begründung: „Weil es auf dem Pumptrack keinen Sprung gibt, wo man gut Tricks üben kann.“ Dieser Vorschlag entpuppte sich mit 700 Aufrufen und 156 „Gefällt mir“-Angaben als der Renner.

Während der Pumptrack aus Asphalt ist, was laut Kessing des Öfteren zu Verletzungen bei Stürzen führt, besteht ein Dirtpark aus Erdhügeln, -schanzen und -wällen. Eine vier Meter hohe Rampe sorgt für den nötigen Schwung bei den Radlern. Bürgermeister Kölz versprach, die Verwaltung wolle sich demnächst einmal anschauen, wie so eine Anlage aussieht. Dirtparks in der Umgebung gibt es beispielsweise in Schorndorf. „Wir haben schon ein paar Ideen“, sagte Kölz, allerdings brauche man ein geeignetes Grundstück und müsse auf den Lärmschutz achten. In einem Wohngebiet könne man eine solche Anlage nicht errichten. Vielleicht könne der Wunsch im kommenden Jahr Wirklichkeit werden, erklärte der Bürgermeister.

An dem Jugendgipfel  waren alle Schüler der Klassenstufen 7 bis 9 der städtischen Schulen beteiligt. Das geschah zum einen über Internet und App, zum anderen ging die Jugendförderung „Das Netz“ aber auch direkt an die Schulen, und es wurden Runde Tische veranstaltet.

Allgemeine Dinge wurden über einen Fragebogen erhoben, der laut Harald Finkbeiner von 1102 Jugendlichen ausgefüllt wurde. Dies habe unter anderem die Erkenntnis gebracht, dass sich 90 Prozent der Befragten in Bietigheim-Bissingen ganz wohl fühlen. Bei den restlich 10 Prozent handle es sich vermutlich um Schüler aus Nachbarorten.

Die Sportanlagen und die Bücherei werden von rund der Hälfte genutzt, berichtete Finkbeiner, das Kino von 80, die Bäder gar von 90 Prozent. Die Mobile Jugendarbeit sei 44 Prozent der Befragten nicht bekannt, die Schulsozialarbeit 22 Prozent. 24 Prozent nutzten das Jugendhaus, so ein weiteres Ergebnis, 10 Prozent davon regelmäßig.

Sanierung von Schultoiletten

Konkrete Wünsche konnten die Jugendlichen äußern, indem sie Ideen im Internet hochluden, die dann diskutiert und „gelikt“ werden konnten. Insgesamt seien 365 Beiträge hochgeladen worden, berichtete Bürgermeister Kölz. Sportangebote fanden dabei das meiste Interesse. Unter anderem wurden eine Sprungbude, ein besserer Zustand der Sportplätze/Bolzplätze und Tore, Basketballkörbe auf gleicher Höhe, ein Hockeyplatz, Handballfeld, Kletterpark, ein Badesee und Wasserrutschen gefordert.

Ebenfalls oben auf der Wunschliste steht freies WLan in Schulen, im Bus, in den Büchereien oder im Freibad. Kölz erklärte, dass das WLan in der Stadt teilweise schon gut ausgebaut sei, ein weiterer Hotspot im Jugendhaus 4D sei in Planung. Mit Blick auf die Schulen gebe es jedoch einige, die dies gar nicht wollten. In den Bussen soll freies WLan nach und nach eingeführt werden. Dies sei aber technisch schwierig, so Kölz. Ein anderer Wunsch, eine Wegebeleuchtung zum Jugendhaus 4D, sei hingegen schon umgesetzt worden.

Was den Wunsch nach einer Sanierung von Schultoiletten betrifft, namentlich im Aurain, erklärte Kölz, die Verwaltung habe bislang vorgehabt, dies im Zuge der anstehenden Schulsanierung zu tun. Jetzt habe man aber erkannt, wohl doch nicht mehr so lange warten zu können.

Eher enttäuschend verlief die Veranstaltung von Runden Tischen, um die Ideen des Jugendgipfels zu vertiefen. Zum Runden Tisch „Öffentliche Treffpunkte“ erschien gar niemand, wie Kölz berichtete, weshalb die online geäußerten Ideen auch nicht weiterverfolgt werden sollen. Zum Runden Tisch „Umwelt“ kam eine Teilnehmerin, die Idee einer Mooswand soll jetzt geprüft werden.

Dagegen waren 15 Teilnehmer bei der Diskussion über einen Dirtpark dabei. Weitere Runde Tische an den Schulen sollen ab September folgen.

Beste Noten für den Sport

In der Umfrage beim Jugendgipfel konnten die Jugendlichen auch Noten vergeben. Mit einem Schnitt von 2,5 steht der Sport am besten da. Auf den weiteren Plätzen folgen Kultur (2,8), Schule und Ausbildung (2,9), öffentliche Treffpunkte (2,9) und öffentliche Verkehrsmittel (3,2). Letzteres zeigte sich auch in den Wünschen: Die Jugendlichen hätten gern mehr Busverbindungen (vor allem morgens, abends und am Wochenende), eine engere Taktung, günstigere oder kostenlose Tickets und größere oder mehr Schulbusse. um

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel