Drei Übernahmen in vier Wochen - bei der Philatelie und dem Auktionshaus Christoph Gärtner in der Bietigheim-Bissinger Steinbeisstraße geht es Schlag auf Schlag. Seit Februar diesen Jahres gehören das Auktionshaus Edgar Mohrmann in Hamburg sowie "Rauss & Fuchs" in Stuttgart, das älteste Briefmarken-Auktionshaus in Württemberg, zur Christoph Gärtner GmbH & Co. KG. Im Januar wurde das Traditionsgeschäft Hilmer in München übernommen und bereits im vergangenen Jahr erfolgte die Übernahme des Auktionshauses Pumpenmeier in Kirchlengern. Allein das Haus Hilmer genießt unter Kennern Kultstatus. Mehr als drei Jahrzehnte war es eines der größten Ladengeschäfte des Briefmarkenhandels in Deutschland und lange Zeit unter anderem die wichtigste Anlaufstelle für Ansichtskarten. Ein Jahr nach dem Tod von Gründer Detlef Hilmer hat nun Gärtner das Geschäft mit den bisherigen Mitarbeitern wiedereröffnet. Das Auktionshaus Mohrmann in Hamburg blickt bereits auf eine 85-jährige Tradition zurück.

Das rasante Expansionstempo gehört bei Christoph Gärtner zum Geschäftsmodell. Innerhalb weniger Jahre baute der Bietigheim-Bissinger sein Unternehmen zum größten Auktionshaus in Mitteleuropa aus, auch weltweit kommt kaum jemand aus der Branche an Gärtner vorbei.

Die jüngsten Übernahmen passen zur Strategie des Hauses, ergaben sich aber auch aus der Notwendigkeit, wie Sprecherin Kristine Wallé auf Anfrage mitteilte. Alle vier Unternehmen sind Traditionshäuser, seit Jahrzehnten an ihren Standorten verwurzelt - aber ohne Nachfolger. Zu den Häusern bestanden bereits vor der Übernahme zum Teil langjährige Geschäftsbeziehungen, woraus wohl auch so etwas wie eine Verpflichtung zum Erhalt der Unternehmen erwachsen sein muss.

Vor allem aber ist es für Christoph Gärtner wichtig, sich stationär breit aufzustellen. "Mir ist es wichtig, dass Sammler, Investoren und auch Erbengemeinschaften direkt in der Nähe ihres Wohnorts kompetente Ansprechpartner haben, die über ein sehr gutes Renommee verfügen und seit Jahrzehnten für Seriosität, Souveränität und Know-How stehen", erklärte Gärtner selbst die Übernahmen und machte damit auch gleich klar, wie stark sich der Auktionsmarkt verändert.

Einerseits gibt es nach der Finanzkrise und in einer anhaltenden Niedrigzinsphase einen Trend zur Kapitalanlage in Sachwerte, andererseits fällt es vor allem kleinen Unternehmen der Branche zunehmend schwer, sich am Markt zu halten. Wer heute auf dem Sammlermarkt mitreden will, muss das nötige Kapital und Knowhow mitbringen, um sich in einem internationalen Netzwerk erfolgreich aufstellen zu können. Christoph Gärtner bringt all diese Voraussetzungen mit. Er ist Sammler aus Leidenschaft, handelte schon in der Schulzeit mit Briefmarken und erwirbt heute die großartigsten Archive und philatelistischen Bibliotheken. Vor 30 Jahren baute er sein Handelshaus für Briefe und Postgeschichte auf, 2005 wurde das Auktionshaus Christoph Gärtner für Briefmarken und Numismatik gegründet. Beheimatet sind Handels- und Auktionshaus im Gewerbegebiet Laiern.

Von dort aus steuert Gärtner sein Weltunternehmen, dessen Bedeutung in der Branche eher größer als kleiner werden dürfte. Gärtner strebt nach eigenen Worten einen "flächendeckenden Service" an, weitere Übernahmen in Deutschland und dem Ausland sind wahrscheinlich.

Info Vom 28. bis 30. April findet am Hauptsitz des Auktionshauses Gärtner die erste Sonderauktion unter anderem mit Material aus dem Bestand von Detlef Hilmer statt. Briefe und sogenannte Ganzsachen-Posten stehen am 28., Ansichtskarten am 29. und Banknoten am 30. April auf dem Programm.