Energieerzeugung Der gekoppelte Klimaschutz

Blick in ein Blockheizkraftwerk zur Erzeugung von Strom und Wärme. Die Kraft-Wärme-Kopplung steht im Mittelpunkt des IHK-Energietags am 18. April.
Blick in ein Blockheizkraftwerk zur Erzeugung von Strom und Wärme. Die Kraft-Wärme-Kopplung steht im Mittelpunkt des IHK-Energietags am 18. April. © Foto: Privatfoto
Andreas Lukesch 05.04.2018

Die Zeit ist günstig, um für Kraft-Wärme-Kopplungen zu werben. Der Gaspreis verhält sich moderat, während die Strompreise anziehen. Förderung gibt es, und der Druck in Sachen Energieeffizienz und Klimaschutz voranzukommen, ist ungebrochen hoch. Und so stehen beim „Tag der Energie“ am 18. April bei der IHK Region Stuttgart die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) und deren Vorzüge im Mittelpunkt.

Die Tatsache, dass auch der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller am Energietag teilnimmt, zeigt die Schlüsselrolle, die der KWK in der Landes-Energiepolitik zukommt. Obwohl die Blockheizkraftwerke, in denen Strom und Wärme gleichzeitig produziert werden, auch mit fossilen Brennstoffen (Gas) betrieben werden, fällt doch die CO2-Bilanz aufgrund der gekoppelten Erzeugung von Energie und der flexiblen Einsatzmöglichkeiten erheblich günstiger aus, als wenn Strom und Gas getrennt hergestellt werden.

Die Zielvorgabe aus Stuttgart ist eindeutig, nämlich den „Beitrag der KWK zur jährlichen Stromversorgung bis 2020 auf  13 Terrawattstunden zu steigern.“ Das entspreche einer Erhöhung von 12 auf 20 Prozent. Um die Klimaschutzziele der Landesregierung zu erreichen, müsse der Anteil der KWK im Wärmemarkt, sowohl in der Objektversorgung und in der Industrie, als auch in Verbindung mit Wärmenetzen und unter Nutzung von erneuerbaren Energien, stärker wachsen, heißt es.

Und das, obwohl die große „Boom-Zeit“ schon wieder vorbei sei, wie Rainer Kübler, Geschäftsführer der Stadtwerke Bietigheim-Bissingen, beobachtet. Die Stadtwerke betreiben Blockheizkraftwerke für Schulzentren und Wohnsiedlungen oder Gebäude wie dem Sky-Hochhaus.

Wirtschaftlich bleiben KWK-Anlagen dennoch, nicht für alle, aber für viele. Unternehmen müssen mit ihren Energiemanagementsystemen Maßnahmen zu Verbesserung der Energieeffizienz nachweisen, um Teile ihrer Stromsteuer zurückerstattet zu bekommen. Im privaten Wohnungsbau lohnt sich das Blockheizkraftwerk betriebswirtschaftlich ab einer bestimmten Größenordnung, Kübler nennt als Richtwert 25 bis 30 Wohneinheiten. Die Kraft-Wärme-Kopplung dient zudem als sogenannte Ersatzmaßnahme, wie sie das erneuerbare Energiengesetz in Baden-Württemberg vorschreibt.

Das Land will die Vernetzung der Kraft-Wärmeerzeugung vorantreiben und das „Förder-Design“ beibehalten, um Anreize zu schaffen. Vernetzung auch deshalb, weil der Wärmeabsatz, wie ihn Kübler nennt, oft zum Problem wird. Im Klartext: Industrieanlagen brauchen in der Regel mehr Strom als Wärme, auch in rundum isolierten Wohngebäuden sinkt der Wärmebedarf. Die mit KWK erzeugte Wärme muss also umverteilt oder umgewandelt werden. Genau das geschieht beim Anlagenbauer Dürr. Das Unternehmen hat selbst Mikrogasanlagen im Programm der Umwelttechnik-Sparte und betreibt eine davon neben zwei weiteren bereits 2009 errichteten Blockheizkraftwerken auf dem Dürr-Campus in Bietigheim-Bissingen. Laut Ulrich Mogck, Leiter der Real Estate Services, kommen bei Dürr so 30 Prozent der Stromversorgung aus eigener Erzeugung. Und der Wärmeüberschuss? Der wird wie in vielen Betrieben in Kälte umgewandelt und zur Kühlung verwendet.

Zur Strategie der Landesregierung für einen Ausbau der KWK gehören nicht zuletzt Informationsveranstaltungen wie die am 18. April. Eine Teilnahme versteht sich nach Ansicht der IHK von selbst, denn so Hauptgeschäftsführer Johannes Schmalzl: „Energieeffizienz ist ein zentrales Thema für Unternehmen und wird weiterhin an Bedeutung gewinnen.“ Nicht zuletzt deswegen gibt es seit 2016, dem Jahr, in dem das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz novelliert wurde, sogenannte regionale Kompetenzstellen des Netzwerks Energieeffizienz (KEFF). Die bieten einen KEFF-Check an für Unternehmen, die Energie einsparen und Betriebskosten senken wollen. Seit der Gründung im Juli 2016 haben laut IHK rund 150 Unternehmen diese Möglichkeit genutzt. Mehr als die Hälfte der im Rahmen des Beratungsservices vorgeschlagenen Optimierungsmaßnahmen seien umgesetzt worden.

Info Das komplette Programm des „Tags der Energie“ sowie die Möglichkeit zur Anmeldung gibt es online.

www.ihk.st/event/175107572

Kraft-Wärme-Kopplung

Die Kraft-Wärme-
Kopplung (KWK)
ist die gleichzeitige Umwandlung von eingesetzter Energie in mechanische oder elektrische Energie und nutzbarer Wärme innerhalb eines thermodynamischen Prozesses. Die parallel zur Stromerzeugung produzierte Wärme wird zur Beheizung und Warmwasserbereitung oder für Produktionsprozesse genutzt. Der Einsatz der KWK mindert den Energieeinsatz und Kohlendioxid-
Emissionen. Quelle: Umweltbundesamt

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel