Bietigheim-Bissingen Der Freundeskreis Asyl lädt Flüchtlinge zu einem Abend mit Programm ein

Ins Martin-Luther-Gemeindehaus haben Silvia Schmid (links) und Gaby Otterbach vom gleichnamigen Hotel rund 100 Flüchtlinge zum Essen eingeladen.
Ins Martin-Luther-Gemeindehaus haben Silvia Schmid (links) und Gaby Otterbach vom gleichnamigen Hotel rund 100 Flüchtlinge zum Essen eingeladen. © Foto: Martin Kalb
Bietigheim-Bissingen / CHARLOTTE FAUL 30.12.2015
Der Freundeskreis Asyl hat ein Abendessen für Flüchtlinge aus den Unterkünften Fischerpfad und Liederkranzhaus organisiert. Essen und Getränke wurden gespendet, auch für musikalische Untermalung war am Montag gesorgt.

Ein Abendessen für Flüchtlinge gab es am Montag in dem Gemeindehaus der Martin-Luther-Kirche im Stadtteil Bissingen. Eingeladen waren Asylbewerber aus den Notunterkünften Liederkranzhalle und Fischerpfad. Über 100 kamen vorbei und verbrachten den Abend mit Essen und Musik gemeinsam mit Mitgliedern vom Asylkreis Bietigheim-Bissingen und Gemeindemitgliedern.

Eröffnet wurde der Abend mit einer mehrsprachigen Begrüßungsrede und mit Gitarrenklängen, zwei Kinder aus dem Asylkreis Bietigheim-Bissingen boten eine Gesangseinlage. Der 30-jährige Sabri Al Jaber übersetzte die Ansprache und die Anweisungen ins Arabische. Er selbst ist aus Syrien geflohen und lebt zurzeit im Fischerpfad. Da er als Grafikdesigner eine Weile in Dubai gearbeitet hat, spricht er sehr gutes Englisch. Dank seiner Sprachkenntnisse ist er Ansprechpartner für alle. Er hatte auch die Mahnwache nach den Terroranschlägen in Paris vor der Einrichtung initiiert.

Die Flüchtlinge durften sich die Gerichte aussuchen und die Köche setzten diese gerne um. Das Ergebnis waren Rindfleischbällchen in Tomatensoße auf Kartoffelgratin, sowie Hähnchen und Reis mit Erbsen, ein besonders beliebtes Gericht. Dazu gab es Salat und verschiedene Dessertkreationen. Nach den leeren Tellern zu urteilen, schmeckte den Asylbewerbern das Essen sehr gut. "Es ist uns ein Herzenswunsch auch etwas zu tun", erzählte Silvia Schmid vom Hotel Otterbach, das die Mahlzeiten spendete.

Zum Abschluss des Abends wurde die gute Stimmung noch belebter: Der Syrer Amer zupfte auf einer neu eingetroffenen Oud, einem orientalischen Instrument, das als Vorläufer der europäischen Laute gilt. Andere sangen dazu traditionelle Volkslieder und viele stimmten mit ein oder tanzten dazu. Es wurde gelacht und geklatscht. Auf die Frage, wie ihm der Abend gefallen hat, antwortete ein junger Syrer: "Sehr, sehr, sehr gut."

"Wichtig ist es, die sehr ruhige Zeit in den Turnhallen zwischen den Jahren zu überbrücken", erklärt Lore Bernecker-Boley vom Freundeskreis Asyl Bietigheim-Bissingen. Deutsch-Kurse finden in den Weihnachtsferien nicht statt. Damit die Asylbewerber nicht tagelang nur gelangweilt rum sitzen, war die Veranstaltung besonders wichtig.

Im Asylkreis engagieren sich manche auf ganz besondere Weise. Wie Stephan Germund: Er verbringt seinen Urlaub damit, in der relativ neuen Flüchtlingsunterkunft in der Gustav-Rau-Straße im Stadtteil Buch täglich mit anzupacken. Dabei ist jeder Tag eine Überraschung und alles recht wenig planbar. Am Dienstag sind dort die restlichen Flüchtlinge angekommen, die Neuankömmlinge stammen aus Gambia. Kurz vor Weihnachten waren bereits 80 Menschen in die ehemalige Fabrikhalle eingezogen. "Das Helfen macht sehr viel Spaß - sogar noch mehr als erwartet", erzählt er von seiner Erfahrung. Er könne diese Arbeit nur jedem empfehlen. In der Gustav-Rau-Straße werden vor allem noch ältere Männer als Helfer benötigt, da diese meist von Anfang an eine Respektsperson darstellen.

Auch Steffi Gauger, Pfarrerin in der Martin-Luther-Kirche, bekommt positives Feedback von den engagierten Helfern: "Die Ehrenamtlichen bekommen viel zurück. Die Dankbarkeit ist groß."

Auch an diesem Abend bedanken sich viele der Flüchtlinge bei den Helfern für die Veranstaltung. "Eines der ersten Wörter, die die Flüchtlinge lernen wollen, ist Danke", berichtete Gauger.

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