BZ-Schulpreis Der Drahtzaun ist jetzt ein Blickfang

Die Bietigheimer Künstlerin Claudia Anders schmückte zusammen mit den Schülern den Bauzaun um die Hillerschule mit Kunstwerken. Das Foto entstand zum Abschluss des Projekts im Oktober 2017.
Die Bietigheimer Künstlerin Claudia Anders schmückte zusammen mit den Schülern den Bauzaun um die Hillerschule mit Kunstwerken. Das Foto entstand zum Abschluss des Projekts im Oktober 2017. © Foto: Martin Kalb
Uwe Mollenkopf 12.06.2018

Am Anfang stand eine ganz praktische Erwägung. „Wir wollten nicht mehr auf den nackten Drahtzaun schauen“, sagt Roberta Neugebauer, die Schulleiterin der Hillerschule. Diesen hatte die Stadt nach dem Abriss der dortigen Sporthalle aufgestellt, weil der Schulhof sehr klein geworden war und stattdessen ein Teil des Hillerplatzes als zusätzlicher Schulhof abgegrenzt werden sollte. Gut zum Toben, schlecht zum Ansehen. Daraus entstand die Idee, den Zaun mit Kunst zu schmücken und dadurch wieder ansehnlich zu machen – ein Projekt, das mit einem ersten Preis (zusammen mit der Kirbachschule Hohenhaslach) beim BZ-Schulpreis gewürdigt worden ist.

Als günstig erwies es sich, dass mit der Bietigheimer Künstlerin Claudia Anders jemand da war, der das Ganze künstlerisch betreute. Anders leite schon seit vielen Jahren den alle zwei Jahre stattfindenden Kunstwerkshop an der Hillerschule, berichtet Neugebauer, deshalb habe sie sie angesprochen, ob sie auch bei der Verschönerung des Zauns mithelfen könne. Auch die Stadtverwaltung gab ihre Zustimmung. Die Vorgaben: Das Werk sollte rund zwei Jahre halten und nicht viel kosten, alle 380 Schüler an der Schule sollten mitmachen.

Bei den Materialien wurden daher Reste verwendet, die auf diese Weise eine neue Verwertung erfuhren: Schüler und Eltern wurden aufgefordert, alte Plastiktüten und Plastikkanister zu sammeln, Bietigheimer Firmen spendeten Verpackungsmaterialien und aus der Mode gekommene Markisenstoffe. Weitere Fundorte für die benötigten Materialien waren der Bietigheimer Recyclinghof und der Kompostplatz, sodass das Projekt auch einen ökologischen Aspekt hatte.

Im Oktober 2017 werkelte dann sieben Tage lang je eine Klasse für zwei Schulstunden mit Claudia Anders im Schulhof. Begonnen wurde mit der Naturwand, wofür unzählige Weiden- und sonstige Äste eingeflochten wurden. Zur Herstellung der Figuren am Zaun, der „Zaungäste“, wurde gesägt, gehämmert und genagelt. Anschließend wurden sie bunt bemalt.

Von Anfang wurde Wert darauf gelegt, dass das Ergebnis sowohl für die Schüler innerhalb des Zaunes als auch für die Betrachter außerhalb schön sein sollte. Aus diesem Grund haben die Männchen keine Rückseite, sondern zwei unterschiedliche Vorderseiten, also zwei Gesichter, erhalten. Außerdem wurden ausgediente Plasikkanister mit Erde und Substrat gefüllt und Blumen eingepflanzt.

Werk soll bis zu drei Jahre halten

Die gesammelten Plastiktüten wurden nach Farben sortiert, in Streifen geschnitten und in den Metallzaun eingewoben. Zur längeren Haltbarkeit wurden Längsbänder eingeflochten. Zu guter Letzt entstanden aus in Streifen geschnittenen bunten Markisenstoffen der große Hillerschul-Schriftzug und das Schul-Logo.

Von dem Kunstwerk seien nicht nur die Schüler „total begeistert“ gewesen, auch seitens der Stadt und von Fußgängern habe es positive Rückmeldungen gegeben, erzählt die Schulleiterin. Als Schule an der Fußgängerzone habe die Hillerschule mehr Kontakt nach außen als andere Schulen. Dass der unansehnliche Drahtzaun dadurch zum Blickfang wurde, sei „eine für alle schöne Lösung“.

Roberta Neugebauer freut sich auch darüber, dass es bisher noch keine Beschädigungen gegeben habe. Das könne auch daran liegen, dass sämtliche Schüler in das Projekt eingebunden waren.

Die Kunst am Zaun dürfte nach derzeitigem Stand etwas länger Bestand haben, als zunächst gedacht. Bis zur Fertigstellung des Neubaus, der anstelle der Sporthalle entsteht, rechne man nun mit zwei bis drei Jahren, berichtet die Schulleiterin.

Danach sollen die Männchen am Zaun, sofern noch in gutem Zustand, eingesammelt werden. Der Rest des Kunstwerks geht dann endgültig ins Recycling.

Doch das nächste Projekt in Sachen Kunst im Schulhof ist schon in Planung: Mit dem Preisgeld des BZ-Schulpreises soll laut Roberta Neugebauer der neue Schulhof künstlerisch verschönert werden. Auch dabei würden wieder alle Schulkinder beteiligt sein.

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