Seit inzwischen 25 Jahren stellt der gebürtige Bietigheimer Sven Böckle Unterhaltungsprogramme für Kleinveranstaltungen auf die Beine. Vom Geburtstag über Firmenfeiern bis hin zur Gala – Böckle alias der schwäbische Comedy-Butler Theo Steichele bespaßt das Publikum leidenschaftlich gern – und hauptberuflich.

„Das ist jetzt alles komplett weg“, sagt der 44-Jährige im Gespräch mit der BZ. „Wir aus der Unterhaltungsbranche werden wahrscheinlich die letzten sein, die wieder dürfen – es ist keine Lockerung in Sicht“, sagt der Spaßkellner enttäuscht. Soforthilfe habe er beantragt und auch erhalten, jedoch sei das ein Tropfen auf den heißen Stein.

Aufgeben ist keine Option

Aufgeben jedoch ist für den Comedian keine Option. Er habe überlegt, wie es jetzt für ihn weitergehe, ob er auf seinen gelernten Beruf als Bürokaufmann umsatteln soll? „In dem habe ich aber noch nie gearbeitet“, gibt er zu Bedenken. Und sein Herz schlage für die Unterhaltungsbranche: „Es ist einfach ein tolles Gefühl, diese Wertschätzung in Form von Applaus vom Publikum zu bekommen und zu sehen, wie die Leute eine gute Zeit haben“, so der 44-Jährige.

„Kollegen sind bereits mit gutem Beispiel vorangegangen, daher habe ich es vor zwei Wochen auch einmal ausprobiert“, sagt Böckle, der nun einen Live-Stream via Facebook anbietet. In seinem kleinen Lager in der Pforzheimer Straße in Bietigheim-Bissingen hat sich der Alleinunterhalter   eingerichtet. Ein Bekannter unterstütze ihn bei der technischen Umsetzung, denn „ich bin eher ein Technik-Neandertaler.“ Eine Spezial-Webcam und ein Bearbeitungsprogramm reichen aus, und der Bietigheimer geht online.

Sein erstes Programm vor zwei Wochen ging etwa 2,5 Stunden. „In der ersten Folge habe ich vor allem Musik gemacht und die Klassiker gespielt, die jeder kennt“, berichtet er. Gesungen habe er sowie Gitarre und Piano gespielt. Zu einem späteren Zeitpunkt soll es aber auch Zaubertricks geben, die sonst ein fester Bestandteil seiner Shows sind, für die er in ganz Deutschland, aber auch in der Schweiz unterwegs ist.

Auch das Touren fehle ihm sehr, am meisten jedoch sei es die Interaktion mit dem Publikum. Davon lebe vor allem seine Kunstfigur Theo Steichele, ein etwas seniler Kellner, der das Publikum mit schwäbischem Humor unterhält. Dabei sei viel improvisiert, vieles basiere auf der direkten Interaktion mit den Zuschauern. „Das fühlt sich bei dem Online-Programm noch etwas komisch an, kein direktes Feedback zu bekommen“, sagt er. Ein kleiner Trost seien jedoch die Kommentare auf Facebook der zu Spitzenzeiten rund 50 Zuschauer gewesen. „Zum Teil haben die Zuschauer Videos geschickt, wie sie gemeinsam mit ihren Kindern meinem Unterhaltungsprogramm gefolgt und im Wohnzimmer mitgetanzt haben“, sagt Böckle.

Wenn es mit dem Live-Stream weiterhin gut laufe, könne er sich durchaus vorstellen, auch in Zukunft seine Live-Unterhaltung durch Online-Formate zu ergänzen. Noch wolle er herumprobieren, was beim Online-Publikum gut ankommt und seine Show dementsprechend gestalten..

Den Alltag ausblenden

Was er mit seinen Online-Wohnzimmerkonzerten, wie er sie nennt, erreichen möchte? „Die Leute einfach mal aus dem Alltag rausholen. Während meinem Programm sind die Menschen abgelenkt, vergessen ihre Sorgen und können einfach mal über meinen Quatsch lachen“, sagt er. Und wer sich gut unterhalten fühlt, der kann dem Alleinunterhalter via PayPal eine Spende überweisen. „Das Brot des Künstlers ist der Applaus“, heißt es in einem Sprichwort. Und doch: auch Künstler müssen ihre Miete bezahlen.

Info Der nächste Live-Stream von Sven Böckle ist am Samstag, 25. April, ab 19 Uhr zu sehen unter: facebook.com/svenb.entertainment.

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